Wenn Falkenkinder flügge werden…

… dann kann es, zumindest hier in Karscht, schon mal kurios zugehen. Warum? Na, ich kann Euch sagen. Da geht man nichts Böses ahnend, an Fronleichnam am Kirchplatz 15 vorbei und was passiert? Hinter dem geschlossenen Gitter des Kellerfensters, des ehemaligen Kirchenschmied – Hauses, also in dem Haus in dem Ur-Opa zu seinen Lebzeiten gewohnt hat, schaut einem ein kleiner, ein bisschen trotzig dreinblickender, Falke entgegen. Ganz als ob er sagen wollte: „Ich sitze hier im Gewölbekeller fest und sehe mein Zuhause, gegenüber an der Kirche, nur aus der Ferne. Das Leben hat mich hierhergebracht, dann wird es mich auch wieder zurückbringen.“

Schon klingelt bei Frauchen das Telefon: „Claus hier. Kannst du dich bitte um den kleinen Falken kümmern?“ Frauchen hat ja schon einige hungrige Schnäbel gefüttert. Aber ein Falke? In Frauchens Kopf entstand als erstes ein großes „Ach du lieber Himmel“ Als zweites entfuhr ihr ein noch größeres „HILFE!“, was alle Wolkenbewohner der Villa Geisterbund aufhorchen ließ.

Während Ur-Oma und Großtantchen eher überlegten, wie lang der kleine Kerl wohl schon ohne was Gescheites zu Essen dort saß und wie sehr er wohl seine Familie vermisst, interessierte unsere Jungs, also Opa, Ur-Opa und Ur-Ur-Opa eher, wie er es geschafft hat, bei geschlossenem Fenster, überhaupt erst in den Gewölbekeller zu kommen. Der kleine Falke stellte alle ehemaligen Hausbewohner vor ein Rätsel. Die Lösung war dann so banal wie abenteuerlich. Sein erster Flugversuch, endete wohl mit einem Absturz im Winkel, der ans Pfarrhaus grenzt. Dank vorausgegangener Handwerkerarbeiten, gab es ein kleines Loch in der Kellerwand. Pfiffig wie Kinder nun so sind, hat er scheinbar genau dieses gefunden und … rutsch … Ankunft im Gewölbekeller.

Unterdessen hat Frauchen mit Günther Maier vom Vogelschutzverein Karlstadt telefoniert und die Nummer von Alfred Dill (Bund Naturschutz) bekommen. Der hat mit eigener Hände Arbeit, vor einiger Zeit einen super Nistkasten für die Falkenfamilie auf der Stadtpfarrkirche St. Andreas gebaut und installiert. Tja und von dort oben stammte der kleine Falke wohl. Sein vorsichtiger Einwand, dass eventuell ein Falkner sich dem kleinen Abenteurer annehmen sollte, lies Ur-Oma nicht gelten. Ein Kind gehört zu seinen Eltern! Basta! So hörte man dann auch Frauchen sagen: „Ach was, den fangen wir ein und bugsieren ihn wieder ins Nest!“ Gesagt, getan.

Kaum eingefangen, von Alfred Dill (korrekt mit Mund-Nasen-Schutz) gab es noch ein kleines Fotoshooting. Im ersten Moment nicht ganz so begeistert, hat der kleine Falke auf das Stichwort „Presse – Foto“ dann doch ein sehr professionelles Gesicht hinbekommen.

Danach ging es in die Transportkiste. Das hat der Kleine mit Bravour erledigt.

Auf dem Kirchplatz wartete dann auch schon der Georg Büttner, mit dem Kirchenschlüssel. Mit Maske und Sicherheitsabstand, im Gänsemarsch, gings dann rauf auf den Turm, quer über das Kirchengewölbe, zurück ins heimische Nest. Das Willkommen zurück, war nach Falkenart, herzlich und laut. Mama, Papa und die zwei Geschwister hatten ihren Abendteurer wohlbehalten wieder.

Frauchens „Gott sei Dank“, passte in luftiger Höhe auf dem Glockenturm dann auch als Abschluss Wort in das beeindruckende Ambiente.

Naja, und weil es auf meinem Blog ums Lernen für ein gutes Leben geht, macht natürlich auch die Geschichte des kleinen Falken keine Ausnahme. Was man hier lernen kann, auch wenn man nicht gerade ein Falke ist?

Zum einen, dass selbst wenn es nicht immer so optimal läuft im Leben, man seinen Blick immer auf sein Ziel richten sollte – das Leben findet eine Lösung. Zum anderen, solltet Ihr immer daran denken, dass gute Taten mit ungewöhnlichen Eindrücken belohnt werden. Viel Lehrreiches gab es, durch die Erzählungen von Georg Büttner (Museum Karlstadt), über die Geschichte der Stadt Karlstadt und die Stadtpfarrkirche St. Andreas, noch dazu.

Im aktiven Leben, indem jedes Leben zählt, auch das eines kleinen Falken, entsteht aus unterschiedlichen Menschen, durch ein gemeinsames Ziel, selbst an einem Feiertag, eine glückliche Zeit mit ganz neuen Perspektiven. Ja so ein Blick vom Kirchturm ist schon überwältigend.

Deshalb an dieser Stelle nochmal vielen Dank für ihren Einsatz, an Günther Maier, Alfred Dill und Georg Büttner.

Dank gebührt auch dem kleinen Falken, der uns gezeigt hat, wie gut und schnell, das Miteinander in unserem Karscht funktioniert und das wir zu den Orten gehören, in dem jedes Leben zählt.

Hier noch ein Hinweis: Wer sich keinesfalls außergewöhnliche Erlebnisse im Leben, entgehen lassen will, sollte mal in der Stadt, in der er wohnt nach den Möglichkeiten einer Mitgliedschaft, im örtlichen Vogelschutzverein Ausschau halten. In Karscht findet Ihr ihn hier: https://main-spessart.msp.info/Vogelschutzverein_Karlstadt_eV/3177/seite4/Karlstadt.html

 

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater