Wenn die Wolkenfamilie zum Familienessen ruft

Nein, Einkaufen gehört nicht gerade zu Frauchens Lieblingsbeschäftigungen. Einzig Buchläden, egal ob groß oder klein, neu oder antiquarisch, lassen ihre Käuferseele höher und schneller schlagen. Da vergisst sie Raum und Zeit. Alle anderen unvermeidlichen Einkäufe, erledigt sie im Schnelldurchlauf nach Notwendigkeiten-Liste.

Diese Liste kann einem die Freude an so einem Einkaufstag gründlich verderben. Nicht nur, dass es keine Extras gibt, wie Schokolade oder einfach etwas Neues, das man mal so eben ausprobiert, nein, auch das Vorbeischlendern an so manchem Regal bleibt einem verwehrt, weil nichts von dessen Auslegware auf dieser blöden Liste steht. Da bin ich dann schon so manches Mal dazu geneigt, Frauchen diese Liste vergessen zu lassen und sie ohne los zu schicken. Doch Frauchen ist ein Improvisationstalent. Sie erledigt ihren Einkauf dann einfach nach Rezept. Dauert dann zwar drei Minuten länger bis sie ihre Zutaten zusammen hat, ist aber immer noch zu schnell für Extras, die das jeweilige Rezept ohnehin nicht beinhaltet.

Also was tun? Ablenkung und geballte Gedankenpower. Wer wäre für so etwas geeigneter als Uroma und Groß-Tantchen. Während Uroma eher ein Fan der süßen und salzigen Regale ist, beschäftigt sich Groß-Tantchen eher mit all den leckeren Sachen, die der Rest der Familie gerne isst.

Opa braucht Äpfel, für abends ein bisschen Rotgelegten und dazu ein knackiges Brötchen. Uropa hat Hunger auf Käse. Am liebsten Limburger. Oh, die haben wieder Nussschnecken. Für die können sich alle erwärmen. Am besten gleich ein paar mehr mitnehmen. Opa möchte bestimmt noch gerne was von dem guten Fleischsalat und weiter hinten im Gang, waren da nicht noch die leckeren Gewürzgurken? Zwei Gläser – essen die Männer ja gerne. Fisch! Der Herr Cater braucht noch Thunfisch. Unter drei Dosen geht da nichts. Aber bitte Natur – ohne Öl. Ach herrjeh, bloß nicht den Joghurt vergessen. Erdbeer für Herrn Cater, Pfirsich für Uroma, Vanille, Himbeere, Brombeere für Groß-Tantchen …. und Kartoffeln. Wir brauchen noch Kartoffeln ….

„Sag mal Schwester, ist das da vorne beim Gemüse nicht Luise?“ „Ja, ich glaube schon.“ … Na super, während ich alle Pfoten voll zu tun habe, Frauchen von unserer „himmlischen“ Einkaufsliste abzulenken, haben Ur-Oma und Groß-Tantchen nichts Besseres zu tun, als sich wie früher ins nächste Schwätzchen zu stürzen.

„Wie geht`s mit der Gesundheit? Was macht der Vater? Ah, im Pflegeheim. Wie kommt er denn da zurecht? Der Mann? Ah, schon seit geraumer Zeit in Rente…“ Während Frauchen sich insgeheim, wie so oft, fragt, woher sie die nette Frau eigentlich kennt, sind Ur-Oma und Groß-Tantchen ganz aus dem Häuschen. Luise ist nämlich die Enkelin einer alten Freundin der beiden und dank der gerade eingekauften Nussschnecken, steht dem nächsten Kaffeeklatsch auf deren Nachbarwolke nun nichts mehr im Wege. Heist es nicht immer „Wie im Himmel so auf Erden“?

Ping …Ping … Ping …Jetzt noch durch die Kasse und dann nichts wie raus und nach Hause, bevor Frauchen doch noch was spitzkriegt. „Oh man, war das wieder ein Einkaufen. Jetzt mach` ich mir meine wohlverdienten Schinkennudeln… ??? …!!! …Thunfisch???… Limburger???… TAAANTCHEN!!!!!“

Das sind die Momente in Frauchens Leben, in denen ihr schnell klar wird, dass sie Gäste zum Essen hat. Da wird dann schonmal aus geplanten Schinkennudeln ein Lieblingsessen von Ur-Opa. Limburger mit Kartoffeln und Gurke. Schön, die Vorfreude auf den abendlichen Rotgelegten mit Thunfisch, hält sich bei ihr noch sehr in Grenzen, aber spätestens beim Joghurt, handelt sie mit Ur-Oma für den zweiten Becher die Schinkennudeln für den nächsten Tag raus.

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater