Resilienz vergrößert die Wahrnehmung und gibt Sicherheit

Ur-Opa kann ja manchmal ganz schön fies sein. Von wegen, meinen Willen testen – die Belohnung fürs letzte Lernen gibt es erst heute… pfhhh… nicht mit mir! Allerdings frage ich mich schon, warum Großtantchen bei meinem letzten Besuch, nach dem Belohnungsdebakel von letzter Woche, so herzhaft gelacht hat. Auch Frauchen hatte so ein hinterlistiges Grinsen im Gesicht. Langsam glaube ich, die machen sich lustig über mich… mööhhh…

„Mal abgesehen davon, dass ich das mit dem „Fies“ gehört habe, fanden die beiden es nur urkomisch, dass du deinen Willenstest bestanden hast, ohne es zu merken.“ … tschuldige Ur-Opa, war nicht so gemeint – kennst mich ja. Aber wie meinst du das mit bestanden und nicht gemerkt? … „Ganz einfach. Du hast die fehlende Belohnung von mir, für dein Lernen, kurzerhand auf dem Weg zu deiner Wolke, bei Großtantchen und ihrem Kuchen, selbst ersetzt und bist heute wieder da.“ … so bin ich eben. Aber inwiefern habe ich damit den Test bestanden? … „Hier, da ist ein Schleckerlie für dich.“ … als Belohnung für mein Bestehen? … „Nein, damit du dich bewegst und nicht länger auf der Leitung stehst.“ … knurps… knurps … da bin ich jetzt aber gespannt…

„Nehmen wir einmal an, du wärest ein Pessimist. Dann hätte dich die fehlende Belohnung für dein Lernen deprimiert. Auf dem Weg zu deiner Wolke hättest du dich mit deinen negativen Emotionen beschäftigt. Ärger, Wut und Enttäuschung hätten sich bei dir breit gemacht. Sie hätten dich in deiner früheren Sichtweise über das Lernen bestätigt – lernen bringt nichts. Du hättest auf deiner Wolke geschmollt und dir geschworen, dass der Unterricht dich nie wiedersieht. Irgendwann wäre dir dann der Gedanke gekommen, dass du mit dieser Einstellung nicht weißt, wie ich auf dein „lernen ist doof“, reagieren würde. Ob der Ur-Opa jetzt so böse auf dich ist, dass es keine gemeinsame Brotzeit mehr gibt? Wie sieht wohl die nächste Begegnung mit mir aus? Wird mit dir geschimpft? Ja, Angst ist in der Lage die Zukunft in tief schwarzen Farben zu malen. Ergebnis: Ich hätte dir heute gesagt, dass du den Test nicht bestanden hast.

Als Optimist hättest du dir vielleicht, nach dem ersten Wutanfall, gedacht: kann schon mal passieren. Bestimmt hält der Ur-Opa sein Wort und gibt dir die Belohnung beim nächsten Mal. Die Enttäuschung über die entgangene Brotzeit, hättest du im Zaum gehalten, indem du dir eingeredet hättest, dass du so ein paar Kalorien sparst und damit etwas für deine nicht ganz so schlanke Linie tust. Dein im Laufe der Woche immer wieder hochkommende Ärger, hätte dich dazu angeregt, die unterschiedlichsten Erklärungen für das Fehlen der Belohnung zu finden. Nein, Ur-Opa trifft keine Schuld – abhaken unter dumm gelaufen. Du klammerst dich an die Hoffnung, dass es beim nächsten Mal klappt. Zumindest versuchst du es die ganze Woche lang, auch wenn es ab und zu schwerfällt, denn zum nächsten Unterricht willst du wieder gehen. Ergebnis: Ich hätte dir heute gesagt, dass du den Test gerade noch so bestanden hast. Just in dem Moment, in dem du dich gefreut hättest, hätte ich dir dann gesagt, dass wir den Test noch einmal wiederholen. Trotz Bestehen keine Belohnung und wieder ab auf deine Wolke.

… aber warum das? Ich hätte als Optimist den Test doch gerade so bestanden!? Kapier ich nicht… „Das „Gerade so“, hat einen Haken. Wiederholt man den Test mehrere Male, zeigt sich, wie lange du in der Lage bist deinen Optimismus aufrecht zu erhalten. Denn deine Belohnung rückt damit in weite Ferne. Irgendwann wird sich so zeigen, ob du letztendlich doch dein Ziel, mangels Belohnung, zu Lernen, aufgibst und zum Pessimisten wirst oder vom Optimisten auf Resilienz umschaltest.“ … wie soll ich das jetzt wieder verstehen?… „Ur-Oma würde es dir so erklären: Der Optimist hält sich an den alten Spruch, „Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht“. Die Resilienz geht munter weiter – wenn es sein muss auch mit einem Eimer.“

… langsam fange ich an zu verstehen. Meinen Ärger und meine Wut über die entgangene Brotzeit, habe ich genutzt, um über andere Möglichkeiten an eine Belohnung zu kommen, nachzudenken. Dabei ist mir Großtantchens Kuchen eingefallen. Mir ist auch nicht entgangen, dass du mich zwar auf meine Wolke geschickt hast, aber mir auf dem Weg dorthin nicht verboten hast bei ihr vorbei zu schauen. Dadurch hat sich meine Enttäuschung über das Ende der letzten Unterrichtsstunde minimiert, denn ein Stück Kuchen schmeckt mir ebenso wie eine deftige Brotzeit. Also kein großes Ding, der nächste Unterricht kann kommen. … schleck … bekomme ich für diese Erkenntnis jetzt noch ein Schlecherlie von dir? … „Nein und zu Großtantchen darfst du heute auch nicht.“ … ne, Ur-Opa. Mich führst du nicht aufs Eis! Wenn das so ist, geh ich heute zu Oma, die hat immer ein Schälchen Milch für mich. Aber eine Frage hab` ich noch. Wenn ich doch Resilienz technisch alles richtig gemacht habe, warum hatte ich dann so ein mulmiges Gefühl, dass Großtantchen und Frauchen über mich lachen? In Wahrheit haben sich ja beide gefreut, dass ich mit meinem Handeln den Test von dir bestanden habe… „Das liegt daran, Herr Cater, weil du die Resilienz aus dem Bauch heraus angewendet hast. Das Bauchgefühl ist geprägt von Emotionen und das macht unsicher, denn Emotionen können leicht vom Positiven ins Negative kippen. Wendest du die Resilienz bewusst an, folgst du der Logik. Sie folgt den Fakten und gibt dir dadurch Sicherheit, denn ein Fakt ist und bleibt ein Fakt. Mit der Sicherheit verschwindet auch das mulmige Gefühl, denn die Logik besagt, dass es vollkommen egal ist, mit welcher Intension jemand über dein Handeln lacht. Wichtig ist einzig und alleine, dass du durch dein Handeln, dein Ziel nicht aus den Augen verlierst. Am Ende, wenn du dein Ziel erreicht hast, bist dann du derjenige, der aus vollem Herzen lacht.“ … genial. Wer mein Lachen dann für ein hämischen Lachen hält, statt eines vor Freude, dem empfehle ich dann deinen Unterricht in Sachen Resilienz Ur-Opa…

„Na dann komm. Laß uns Brotzeit machen, du Schlaumeier.“ … jauu… bin dabei…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater