Künstler haben`s schwer

Haben Sie auch so einen Kunstbanausen zu Hause sitzen? Na, dann kennen Sie ja vielleicht den Zustand, wenn Sie durch Einsatz Ihrer ganzen Fantasie ein monumentales Meisterwerk geschaffen haben und von Ihren Lieben am Ende doch nur Hohn und Spott ernten.

Lernen Sie es mit Fassung zu ertragen, denn all das ist nichts gegen die Gardinenpredigt, die ich immer nach einer meiner künstlerischen Schaffensphasen von meinem Frauchen zu hören kriege. Die Gute hat absolut keinen blassen Schimmer von Kunst …pfhhh …

Persönlich zähle ich mich mit meiner künstlerischen Ausdrucksform zu der kleinen Gruppe der elementaren Fragmentisten. Schließlich ist es in der Kunst wie im Leben – mit dem Wesentlichen viel erreichen. So entstand neulich, mit wenigen Kratzern an der Tapete im Flur, eine exakte Kopie des Bullenschädels, den Frauchen als Abwehr von bösen Geistern gegenüber der Eingangstür aufgehängt hat.

(„Bullenschädel“ – Herr Cater ART)

Doch anstatt vor Begeisterung in Ekstase zu geraten, packte mich Frauchen recht unsanft am Kragen und faselte was von Vandalismus und Respektlosigkeit vor dem Eigentum anderer.

(„Pferdekopf“ – Herr Cater ART)

So ging es mir auch mit meiner „liegenden Katze“ an der Wand neben der Badtür und dem „Pferdekopf“ auf der Schlafzimmertapete …grrr … Was genug ist, ist genug!

Doch Gott sei Dank gibt es auch für meiner einer Experten. Nach langer Suche in Frauchens Bücherregal fand ich endlich die Bibel für uns Katzenkünstler – „Warum Katzen malen“, von Heather Busch und Burton Silver.

Nachdem ich Frauchen das Buch ein paarmal vor die Füße geschoben habe, begann sie langsam zu verstehen. Na ja, ich muss zugeben, es waren weniger die darin abgebildeten Arbeiten als die kleine Bemerkung am Rande, was den Amerikanern solche Kunstwerke wert sind, die sie neugierig machte. Aber was soll`s. Hauptsache, sie fängt allmählich an, meine Wandkratzer als das zu betrachten, was sie sind – nämlich Kunst.

Den Bullenschädel und den Pferdekopf hat sie nach zwei Tagen ständigen Betrachtens schneller erkannt, als ich erwartet hatte. Mit meinem Katzenbild tat sie sich etwas schwerer.

Und dann überrascht mich Frauchen doch immer wieder. Zwar hat sie nicht die geringste Ahnung, was mein Panorama auf der anderen Seite des Flurs darstellen soll, doch vorsorglich hat sie schon mal einen schönen Rahmen vom Einkaufen dafür mitgebracht – wenn`s Geld bringt?!

Am besten, Sie machen das bei sich zu Hause auch so mit Ihrem kleinen großen Künstler. Statt sich aufzuregen, umgeben Sie das Meisterwerk einfach mit einem schönen Rahmen. Schließlich weiß man ja nie, wann der nächste Amerikaner bei einem vorbeischaut.

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater