Handwerk hat goldenen Boden

Es ist schon paradox. Da gibt es die unterschiedlichsten Innovationen, die einem das Leben erleichtern sollen und am Ende scheint das Leben schwieriger als vorher. Irgendwie erinnert mich das an die Geschichte aus dem großen, alten Bibelbuch, in der Adam und Eva aus dem Paradies flogen, weil sie vom Baum des ewigen Lebens gegessen hatten. Ist tausende von Jahren her und doch scheinen wir nix dazugelernt zu haben.  Statt zufrieden mit dem zu sein, was wir bis jetzt erreicht haben, braucht es für unser Empfinden, immer weitere Innovationen um unser Leben wertiger zu machen. Selbst dann noch, wenn wir erkennen, dass dieser Weg unserer Umwelt und damit unserem Überleben, oder sollte es, unserem „ewiges Leben“ heißen, mehr schaden als nutzen.

Aber um ehrlich zu sein, ich war zu meinen Lebzeiten auch nicht viel besser. Von Frauchen mit dem Feinsten vom Feinen an Futter und Schleckerlies versorgt, konnte ich es mir nie verkneifen, das ein oder andere verlockende Häppchen von Frauchens Teller zu mopsen. Das waren dann oft die Momente, in denen ich Sachen wie z.B. Bauchdrücken oder Unwohlsein kennenlernte und mir der Weg zu meinem Katzenklo fünfmal so lang wie sonst vorkam. Da hab` ich mich des Öfteren verschätzt und Frauchen musste eine extra Putzschicht einlegen…

„Und heute? Hast du etwas dazugelernt?“ … ja Dank der „Vom Ei zum Hühnerbaron“ Strategie, die ihr mir beigebracht habt schon, Ur-Opa. Zumindest versuche ich vor dem Umsetzen meiner Ideen, den eventuellen Wegeverlauf etwas weiter zu durchdenken als früher. Aber wenn du schon mal da bist, kannst du mir erklären, warum ich seit dieser Zeit immer häufiger darüber nachdenke, wie eure Strategien früher ausgesehen haben, um an eure Ziele zu kommen? Ohne die Möglichkeiten von heute…

„Das ist einfach zu erklären. Wer gerne etwas über das Leben lernt und das machst du seit diesem Jahr ja, erweitert automatische seine Wahrnehmung. Lernen führt zu Erkenntnissen, die wiederum dafür sorgen, dass du dir deiner Handlungen und wohin sie führen, bewusster wirst. Dadurch kannst du die wahren Werte, die auch die Gemeinschaft unterstützen, besser von den egoistischen Werten, die einzig dir selbst zugutekommen, unterscheiden. Etwas über das Leben lernen, bedeutet aber auch zu verstehen, dass der Einzelne nur in der Gemeinschaft, die Sicherheit im Leben bekommt, die es für ein gutes Leben braucht. Denn die Gemeinschaft beinhaltet die Vielfalt an Fähigkeiten, die in unsicheren Zeiten, zum Überleben des Einzelnen, wichtig sind. Am meisten Wissen darüber, findest du in der Vergangenheit. Dort gab es in den letzten Jahrtausenden, mehr als genug Krisen, die Mensch und Tier überwinden mussten.“

… du willst damit sagen, dass in guten Zeiten, z.B. Strom zu haben, ein Wert ist, den wir durch Innovation erreicht haben. Statt aber nur nach vorne zu schauen, was man mit Strom so alles machen kann, um uns das Leben zu erleichtern, kann es nicht schaden, auch in stromlose Zeiten zurückzuschauen. Eine Ahnung, z.B. wie man eine Kerze macht, damit es auch ohne Strom ein bisschen hell wird, kann in künftigen Krisen, in denen das Stromnetz nicht funktioniert, nicht schaden. Na ja und auch ohne Krise, sitzt es sich mit Freunden, bei Kerzenschein gemütlicher zusammen und spart nebenbei noch Geld und schont die Umwelt, die nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft einen erhaltenswerten Wert darstellt.

So langsam fange ich an zu verstehen warum ihr immer wieder predigt, dass Handwerk goldenen Boden hat. Denn was nutzt die ganze Innovation, die danach strebt, das Handwerk überflüssig zu machen, wenn in Krisenzeiten, einzig das Handwerk und der Zusammenhalt der Gemeinschaft, einen Weg aus der Krise findet. So gesehen, kann ich mir gut vorstellen, dass Handwerk zu den wahren Werten zählt, während Gold oder Geld an sich, einen sehr individuellen Wert darstellt. Dieser ist zwar in der Lage, in guten Zeiten diverse Wünsche des Einzelnen zu ermöglichen, aber wenn es wirklich eng wird im Leben, ist auch ein ganzer Haufen davon wertlos, wenn es keinen mehr gibt, der mein Schleckerlie-Schränkchen reparieren kann… quietsch… OOOpaaa!!!… ich glaub` wir müssen nochmal in die Werkstatt – Nachölen…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater