Gelerntes sollte auch verstanden sein

Bisher hätte ich die Maya nie mit unserer heutigen Zeit verglichen – Adam und Eva schon gar nicht. Aber je mehr ich lerne, desto deutlicher werden die Zusammenhänge. Auch wir haben uns, mit all den z.B. technischen Neuerungen und Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung zu einer Hochkultur entwickelt. Wie bei den Maya, entwickeln wir in schwierigen Zeiten, die Tendenz, unsere Wünsche durch Gier und Eifersucht, langfristig umzusetzen. Genau wie sie, werden wir unsicher, wenn wir das Gefühl haben, dass auch andere wollen was wir haben. Sehen wir unsere Eigenständigkeit durch andere bedroht, sehen wir, wie die Maya, unsere Lösung darin, das Ungleichgewicht im Miteinander wiederherzustellen, Kriege zu führen. So gesehen, besteht zwischen dem Götterkult der Maya und unserem Streben nach Macht, Reichtum und Ansehen auch kein großer Unterschied.

Ich frag` mich nur, warum der Mensch in all den Jahrtausenden scheinbar so rein gar nichts gelernt zu haben scheint. Zugegeben, das was Großonkelchen Oberlehrer, Ur-Oma und die anderen so von sich geben, um uns das Leben zu erklären, ist schon des Öfteren schwere Kost – aber Ihr und ich, beißen uns da doch auch durch. Selbst wenn Ur-Oma uns, fürs bessere Verständnis und nachhaltiges Merken, die Eier nur so um die Ohren haut… „Tja, sich Zeit nehmen und ernsthaft über sein Wissen nachdenken, hat heutzutage keinen allzu großen Stellenwert mehr. Wissen das man in bare Münze umsetzen kann, schon eher.“ … womit wir wieder beim Götterkult wären, Ur-Opa. Aber warum? …

„Der Mensch verbindet ein gutes, erfülltes und reiches Leben, mit besseren Arbeitsmöglichkeiten, besseren Kariere Chancen, besserem Geldverdienen, und all den anderen Möglichkeiten, die ein Leben bequemer machen.“ … deshalb gibt es wohl auch immer mehr Großstädte, weil es dort schneller möglich ist, Wissen in Geld umzusetzen, indem man den Menschen, die dort leben, durch gute Ideen das Leben angenehmer macht, z.B. Restaurants, Waschsalons, allerlei Geschäfte, diverse Fachärzte… „Für kurze Wege und eine große Vielfalt, zahlt der Mensch gerne. Denn wenn er nicht mehr alle Arbeiten selbst erledigen muss, die im normalen Alltag anfallen, bleibt ihm mehr Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie er seine Ideen und sein Wissen, durch die anderen Stadtbewohner in bare Münze verwandeln kann.“ … so verwerflich ist das jetzt aber auch wieder nicht. Einem Hund die Krallen rosa zu lackieren, ist vielleicht ungewöhnlich, aber für den Beruf einer Tierkosmetikern, doch eine Arbeit, wie jede andere auch? Irgendwie muss sie ja ihre Miete bezahlen und wenn andere dafür Geld ausgeben und der Flokati sich das gefallen lässt…

„Da hast du schon recht, Herr Cater. Allerdings bedeutet diese Individualität, mit der wir heute unser Geld verdienen und auf die wir großen Wert legen, dass wir Stück für Stück, das Wissen, das wir zum Überleben aller benötigen, verlieren und es nicht merken.“ … was meinst du damit? Ist das wie neulich dein Beispiel vom Eiersalat den ich wegwerfe, obwohl er noch gut ist, nur weil mich die Fleischwurst gerade mehr reizt? … „So ist es. Je interessanter es für uns wird, in Großstädten zu leben, desto mehr vergessen wir, welche Vorteile uns ein Leben in einer Dorfgemeinschaft bietet. Wissen das früher in der Dorfgemeinschaft über Generationen hinweg gelernt wurde und für das eine fundierte Ausbildung genügte, z.B. in der Alten- und Krankenpflege, Geburtshilfe, Kinderbetreuung, Nahrungsmittelanbau, Tierhaltung und -pflege, kann heute scheinbar nur noch in einem Studium erworben werden. Das Wissen, der aus heutiger Sicht, sehr alten Berufe, z.B. des Trog Bauers oder Korbflechters, verschwindet mit den letzten ihrer Zunft ganz. Die letzte Bastion, bilden die kleinen Manufakturen, die tapfer versuchen, den Individualisten, den Wert dieser Arbeiten wieder zu vermitteln.“ … Klingt ja logisch, aber jeder sieht seine Werte woanders. Nicht zuletzt, weil wir aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen kommen. Wie soll der Mensch da jemals auf einen Nenner kommen? …

„Denke doch einmal nach. Mit dem was du bisher gelernt hast, solltest du darauf kommen.“ … mmhhh… Zeit nehmen, nachdenken… Wissen als Wert nutzen … die großen Zusammenhänge … Ur-Opa, kann es sein, dass ich vergessen habe, das, was ich über Werte gelernt habe, in die großen Zusammenhänge zu übertragen? … „Na siehst du, geht doch!“ … ja aber wie mache ich das? … was sind denn jetzt die großen Zusammenhänge in meinem Fall? … „Das sind der Eiersalat und die Fleischwurst. Das was du in die großen Zusammenhänge übertragen musst, ist dein Alltagsbestreben und das hat jeder Mensch, egal aus welcher Kultur oder Religion er kommt.“ … ach so. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, bedeutet das für mich: Entscheide ich mich in meinem Leben nach dem, was ich durch mein Wissen gelernt habe, strebe ich nach meinen Werten, um etwas Gutes für mich zu erreichen, laufe aber Gefahr, die großen Zusammenhänge, von denen mein gutes Leben abhängt, ins Ungleichgewicht zu bringen. Mögliche Folge: Ur-Oma packt mich am Kragen und setzt mich auf Strafdiät … grrr … Lerne ich, mein Wissen in die großen Zusammenhänge zu übertragen, dann habe ich mein Wissen auch verstanden. Damit erreiche ich ein gutes, da dank Eiersalat, sattes Leben, lasse die großen Zusammenhänge in ihrem Gleichgewicht und bekomme, wenn auch etwas später, meine Fleischwurst. …schnüff … muss wohl so sein, denn ich kann den Wert des Verstanden Habens förmlich riechen … schnüff … schmatz … Fleischwurst… schleck … Danke Ur-Opa, du bist der Beste …

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater