Frohe Weihnachten

Liebt Ihr Geschenke? Ich schon. Am liebsten mag ich große Pakete, die morgens mit der netten Briefträgerin kommen. …schnurrr … Das sind die Tage, die meine Schnurrhaare vor Aufregung vibrieren lassen. Kaum auszuhalten ist die Zeit, die Frauchen braucht um das Paket zu öffnen und mitten ins Wohnzimmer zu stellen. Dann hat sie Pause und ich entwickle mich zum großen Forscher, der freudig erregt einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang entgegen geht. Es gilt Massen von Verpackungsmaterial zu überwinden und all die kleinen und großen Überraschungen zu erkunden… ach waren das noch Zeiten…

Frauchen ist da eher das Gegenteil von mir. Da wird jedes Einwickelpapier vorsichtig auseinandergefaltet, wieder schön glattgestrichen und für zukünftige Eventualitäten sorgsam in einer Kiste aufgehoben. Genauso sorgsam geht sie mit all den bunten Schleifen und kleinen und größeren Kistchen und Kästchen um. Kann man ja alles wieder gebrauchen, wenn man mal was verschenken will. „Das hat sie von Uroma. Die war genauso!“ … na dann kannst du mich ja verstehen, Uropa …wo bitte bleibt denn da der Spaß? …

Laut Frauchen liegt der eigentliche Spaß im Erbitten von Geschenken…???… Ja, hab` ich am Anfang auch nicht verstanden. Ist doch normal, dass man sich Geschenke wünscht, oder? Ur-Oma hat mir dann den Unterschied zwischen wünschen und erbitten erklärt. Wünscht man sich von jemandem etwas, weiß man ja meist, was in dem Geschenkpaket, das man bekommt, steckt. Schließlich beinhaltet ein Wunsch genaue Angaben was man haben will. Erbittet man allerdings ein Geschenk von jemandem, hat man keine Ahnung was und vor allem wie man sein Geschenk bekommt. In diesem Falle überlässt man es dem anderen was und wie er es einem schenkt.

Frauchen ist diesbezüglich ein …wie hast du Frauchen früher immer genannt Opa? … „Ein Muster ohne Wert.“ …richtig, danke Opa …Also dieses Muster ohne Wert, („weil so wertvoll, dass es eh keiner bezahlen kann“ Anmerkung von Uropa) steht mehr auf Geschenke, die es nicht gerade an jeder Ecke zu kaufen gibt. Ganz nach dem Motto: In wirkliche Geschenke gehört Seele und das geht nur mit wünschen nicht. Allerdings sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass dieses Motto bei Frauchen meist zu Sachen führt, die andere bei einfacher Betrachtung, eher für paranormal, im günstigsten Falle, mit positiver Sichtweise, für ein Wunder halten. All das ist für Frauchen schlicht ein Geschenk mit Seele und endet für mich, Opa und die anderen, nicht selten in einer Herausforderung.

An einem schönen Weihnachtstag hat es ihren Jugendfreund, der wie ein großer Bruder für sie war und immer noch ist, erwischt. „Wann bekomme ich eigentlich einmal ein Weihnachtsgeschenk von dir, Brüderlein? Das wäre es – ein Geschenk aus dem Himmel.“ Mit diesem Wunsch in ihren Gedanken, schlief sie beim doch etwas langweiligen weihnachtlichen Fernsehprogramm auf ihrem Sofa ein.

Ihr „Brüderlein“ war zu seinen Lebzeiten nicht gerade der Traum einer jeden Schwiegermutter …“Ich hab` ihn damals schon gemocht!“ …ja Uroma, wir wissen das, auch wenn es Oma bis heute ein Rätsel geblieben ist… Seinem Image als, von Beruf Matrose, versuchte er nicht gerade zu entgehen. Dazu gehörte neben allerlei Unarten und unzähligen Tätowierungen auch sein ziemlich lautes Hören von Musik. Am liebsten Punkrock von Billy Idol. Irgendwann sah er seinem Lieblingsmusiker, inklusive blonder, nach oben gebürsteten Haaren sehr ähnlich. Alles in allem ein liebenswerter, verrückter Kerl mit viel Herz und Humor.

Ohne diese Eigenschaften ist man bei Frauchens Geschenkebestellung aber auch hoffnungslos im Hintertreffen. Nicht aber er. Während Frauchen so auf ihrem Sofa dahin schlief, schaffte er es irgendwie, dass Frauchen sich kurz auf die Fernbedienung legte und damit auf einen Musikvideosender umschaltete. Noch ein wenig an der Lautstärke drehen… Die Stimme, die sie da hörte, holte sie schlagartig aus ihren Träumen. Ungläubig, da sie sich nicht so sicher war, ob sie noch träumte oder doch schon wach war, rieb sie sich die Augen und schaute auf den Bildschirm. „Ne, das glaube ich jetzt nicht… Das kann nicht sein…“ Was sie da gesehen hat? Ich sag es Euch. In Anzug, Krawatte, Lackschuhen und schick die Haare gebürstet, saß da Billy Idol an einem Klavier und sang die schönsten Weihnachtslieder. Na, wenn das nicht ein Geschenk mit Seele ist… „Und so schön verpackt!“ …bravo Brüderchen… „Danke Herr Cater.“

Vielleicht macht Ihr diese Weihnachten mal den Selbstversuch und erbittet von Euren Lieben ein Geschenk. Das verspricht ein ganz neuer Weihnachtsspaß zu werden.

In diesem Sinne,

besinnliche Weihnachten,

Euer Herr Cater