Emotion vs Logik

Seit meiner letzten Lehrstunde bei Ur-Oma, frage ich mich, warum an den einfachsten Lösungen, scheinbar die meisten Probleme hängen. Aber irgendwie muss ja aus leicht, schwer werden, wenn das Paradox weiter existieren will. Weniger ist mehr, hab` ich ja anhand meiner Lernhäppchen verstanden. Da geben viele kleine Portionen ja am Ende auch mehr als ein einziges großes Stück vom Kuchen. Vielleicht liegt der Ursprung des Fehlers gerade da. Ich kann mich noch an eine Geschichte aus dem Bibelbuch erinnern. Da hat Gott dem Moses 10 einfache Gebote mit auf den Weg gegeben, damit die Menschen gut durchs Leben kommen. Vergleicht man das mit den unzähligen dicken und komplizierten Gesetzesschinken von heute, die unser „gutes“ Leben regeln, … groaarr… krieg ich Hunger. Für eine deftige Brotzeit ist es noch zu früh, aber Ur-Opa hat immer ein paar Schleckerlies in seiner Jacke.

Warum macht mich Lernen eigentlich immer so hungrig, Ur-Opa? … „Weil Wissen, wenn es dir nutzen soll, auch verarbeitet werden muss, Herr Cater.“ … Aber es hat doch nicht jeder Hunger, wenn er lernt…???… „Stimmt. Während du hungrig wirst, haben andere z.B. ein gutes, schlechtes oder mulmiges Gefühl im Magen. Trotz der Unterschiedlichkeiten, reagiert der Magen bei allen, auf Emotionen, die das Lernen auslöst.“ … wieso das? … „Das Gehirn, funktioniert ähnlich wie eine Kamera. Es nimmt ständig Eindrücke, Ereignisse und Gelerntes auf und speichert sie. Wenn sich etwas wiederholt, werden Informationen aktualisiert und Lernprozesse auf den neuesten Stand gebracht. Allerdings bewertet dein Gehirn diese Informationen nicht. Das übernehmen die Emotionen. Da diese aber von deiner eigenen Wahrnehmung abhängig sind, können sie, bei jedem unterschiedlich ausfallen. Während du bei dem Wort „Gesetzesschinken“, verfressen wie du bist, Hunger bekommst, hat der gewiefte Anwalt ein gutes Bauchgefühl für seine nächste Verhandlung und dem faulen Jura Studenten, dreht sich der Magen um, wenn er an die bevorstehende Prüfung denkt. Das einzig deshalb, weil jeder im Zusammenhang mit dem Wort „Gesetzesschinken“ andere Erfahrungen verbindet. Du verbindest das Wort mit leckerem Schinken – der Hunger stellt sich ein. Der Anwalt verbindet es mit seinem Wissen, um den Prozess zu gewinnen – er hat ein gutes Gefühl. Der Student verbindet es mit seiner Abneigung zum Lernen – sein Gefühl ist ein negatives.“

… und wie hängt das alles jetzt mit dem Paradox „Leicht kann manchmal ganz schön schwer sein“ zusammen? Ich meine, wenn man doch erkannt hat, dass Massentierhaltung uns mehr schadet als nutzt, gebietet doch die Logik, dass man sie einfach abschafft – basta! … „Das wäre sicher so, wenn da nicht die unterschiedlichen Erfahrungen und damit die unterschiedlichen Emotionen, der Einzelnen mit diesem Thema, wären. Beispiele gibt es da viele. Die Fleischindustrie sieht die Massentierhaltung positiv, da sie gutes Geld damit verdienen kann. Arbeiter finden sie gut, da sie dadurch einen Arbeitsplatz bekommen und ihre Familien ernähren können. Viele Verbraucher finden sie gut, denn sie haben so die Möglichkeit, täglich, günstig Fleisch zu kaufen und so Geld für andere Wünsche zu sparen. Tier- und Umweltschützer finden sie nicht gut, da sie das Wohl der Tiere und die intakte Umwelt in Gefahr sehen.“ … das heißt also, dass wenn ich gegen die Massentierhaltung bin, ich im Grunde auch gegen das bin, was andere in ihrem Leben gut finden. Ist das ist der eigentliche Grund, warum Tier- und Umweltschutz nicht funktionieren? … „Ja, Herr Cater.“ … kann man das denn so gar nicht ändern? … „Doch, indem wir erkennen, zu welchem Ursprung uns dein Paradox führt. Dort ist das Problem ja bekanntlich am leichtesten zu lösen.“ … und wo ist der Ursprung? …

„Denk nach, Herr Cater! Wie war das bei dir, als Oma dich am Kragen gepackt und in den Wolkenarrest gesperrt hat, um zu verhindern, dass du den Kuchen für das Kaffeekränzchen ruinierst?“ … ich war stinke sauer … fauch … „Und warum?“ … weil ich nichts vom Kuchen abbekommen habe und ich mich nicht mehr bewegen konnte, wie ich es gewohnt war … „In deinen Augen hat Oma dir genommen, was du für gut befunden hast und es dir damit wichtig war.“ … äh … ja … zumal ich damit Opa helfen wollte Kalorien zu sparen, wenn ich ihm beim Kuchen essen helfe – ich wollte ja eigentlich nichts Böses … „Wie siehst du die Situation heute?“ … es ist besser mit meiner Kalorienhilfe für Opa zu warten, bis er ein Stück Kuchen auf seinem Teller hat. Auch hab` ich gemerkt, dass mein Lernen mit vielen kleinen Häppchen belohnt wird, was in der Summe mehr ergibt als ein Sprung in den Kuchen. Aber was hat das Ganze mit dem leicht und schwer Paradox zu tun? Könnte ich vielleicht ein Schleckerlie als Denkhilfe haben? … knurps … knurps … „Und?“

… kann es sein, dass es leicht ist etwas zu tun oder nicht zu tun, wenn ich der Logik folge?! Sprich warten bis Opa Kuchen auf seinem Teller hat. Dann kann ich mich auf die Entsorgung seiner Kalorien konzentrieren und nehm` sie, wie im großen Kuchen, niemandem anderen weg. Es ist dagegen schwer etwas zu tun oder nicht zu tun, wenn ich meiner Emotion, der Angst folge, etwas zu verlieren oder zu kurz zu kommen?! … „Genauso ist es. Ähnlich dem Unterschied zwischen „Behüten“ und „Beschützen“, den du in deinen Lektionen ja schon kennengelernt hast.“ … das bedeutet dann, dass die Logik, das „Leichte“, für das „Beschützen“ steht, während die Angst, das „Schwere“, für das Behüten steht.

Groarrr … Hört sich so an, als wären sich meine Logik und meine Emotionen gerade einig. Es muss dringend ein Mittagessen her, wenn da noch mehr Lernstoff zu bewältigen ist, Ur-Opa. Wie ich dich kenne, hast du nämlich auch eine „aus schwer mach leicht“- Lektion in der Hinterhand. „Natürlich.“ … wie solls auch anders sein…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater