Ein glückliches Jahr 2020

Wie jedes Jahr zum Jahreswechsel sind die guten Vorsätze wieder einmal überall Thema Nummer eins. Früher hab` ich meine guten Vorsätze gerne in eine von Frauchens Toilettenpapierrollen eingeritzt. Warum? Erstens waren es meist sehr viele Vorsätze und zweitens funktionierte das Prinzip „Mit einem Wisch – alles weg“ so am besten.

Ur-Opa bezeichnet das Aufschreiben von guten Vorsätzen auch gerne als „Das Schiebelisten führen.“ Recht hat er irgendwie. Diese Listen schieben sich von Jahr zu Jahr weiter. Bis auf das sich ab und zu die Reihenfolge der Vorsätze ändert oder auch hin und wieder mal ein neuer Vorsatz hinzukommt, ändert sich an ihnen so gut wie nichts. Doch warum ist das so? Warum ist es für uns immer so schwierig die einmal gefassten guten Vorsätze einfach in die Tat umzusetzen? Ur-Opa ist Jahrgang 1896 und kennt daher das Prinzip der Schiebelisten schon ein ganzes Weilchen. Er hat es mir so erklärt:

Das Wesen der guten Vorsätze

Gute Vorsätze bestehen in der Regel aus unserem Werteempfinden, unserem Gerechtigkeitsempfinden sowie unserer individuellen Einstellung dazu, was uns glücklich, erfolgreich und eigenständig macht. Egal ob wir uns vornehmen endlich abzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören oder endlich damit anzufangen einen Beitrag für den Umweltschutz oder das Tierwohl zu leisten – stets geht es darum Negatives in Positives zu wandeln. Dahinter steckt der Wunsch auf das was wir tun stolz sein zu können und damit unseren inneren Wert zu steigern.

Warum unsere Wahrnehmung entscheidend zum Misslingen bei der Umsetzung der guten Vorsätze beiträgt

Hat man einen guten Vorsatz ins Auge gefasst, ist man meist hoch motiviert diesen sogleich in die Tat umzusetzen. Ganz nach dem Motto: „Jetzt oder nie!“ Tja, genau mit dieser Betrachtungsweise versetzt man die Berge in die falsche Richtung. Statt sie aus dem Weg zu räumen, baut man sie sich mitten hinein in den Weg zum Ziel. Warum? Ganz einfach. Die meisten Dinge, die man in seinem Leben ändern will brauchen Zeit. Der Körper stellt sich nicht von heute auf morgen um und findet nikotinfrei cool. Auch die über Jahre angefutterten Pfunde sind einfach zu träge um bis übermorgen verschwunden zu sein. Selbst ein chaotischer Schreibtisch braucht Zeit für die Recherche nach wohin die Ablage der einzelnen Briefe, Unterlagen und Büroutensilien am sinnvollsten ist um sie bei Bedarf möglichst schnell zur Hand zu haben.

Aber alles was nicht gleich ist, ist später und später wird laut besagter „Jetzt oder nie“ Einstellung, ganz unbemerkt zum „Nie“.

Doch auch unsere Erinnerung macht uns so manchen unbewussten Strich durch die Gute-Vorsatz-Rechnung. Wieso? Na, weil wir aus Erfahrung nur zu genau wissen, dass so manche Kleinigkeit im Leben zu bahnbrechenden Veränderungen geführt hat ohne uns am Ende unserem eigentlichen Ziel näher gebracht zu haben. Kein Wunder, dass wir uns von unseren Emotionen, die ja bekanntlich von unseren Erinnerungen gespeist werden, dazu bringen lassen an unseren guten Vorsätzen zu zweifeln.

Ist das wirklich gut für uns was wir uns vorgenommen haben? Was wenn wir es nicht schaffen? Was wenn wir es schaffen und feststellen, dass dadurch Beziehungen zu Bruch gehen, weil andere eifersüchtig oder neidisch werden oder auch wir selbst bestehende Beziehungen anders sehen? Wie wird es sein, so ohne Rauchen? Welchen Kleidungsstil wähle ich mit einigen Kilos weniger auf den Rippen aus? Wie wirke ich dann auf andere? Was wird mich Unangenehmes auf meinem Weg zum Ziel erwarten?

Hört man Ur-Opa so zu, braucht man sich nicht wundern, dass es uns so schwer fällt gute Vorsätze umzusetzen. Irgendwie scheinen wir diese, wenn auch unbewusst mit Dingen oder Situationen zu verbinden, die uns ein großes Maß an Unwohlsein bescheren und uns Angst machen. Sie stehen also für genau das, was wir im Leben stets versuchen zu vermeiden.

Ist das jetzt das Ende aller guten Vorsätze? „Nein, Herr Cater ist es nicht! Wie dein Ur-Opa schon sagt, liegt das Problem in der Wahrnehmung und die kann man ändern.“ Wie das geht hat mir Groß-Tantchen dann so erklärt:

Richte deine Wahrnehmung stehts auf die Entwicklung, die der gute Vorsatz in dein Leben bringen soll

Als erstes sollte man sich bewusstmachen, dass jeder nur die Wünsche entwickelt, die er auch erreichen kann. Allerdings gehört dazu auch die Einsicht, dass je größer der Wunsch ist umso mehr Arbeit bzw. Einsatz dazu gehört. Die Freude an bereits kleinen Erfolgen erhöht dabei die Aussicht sich immer wieder neu zu motivieren und am Ball zu bleiben. Ebenso steigert sie die Fähigkeit vorhandene Hilfe zu erkennen und diese für die Umsetzung seiner Wünsche zu nutzen.

Der Weg zum Erfolg ist mit so mancher Niederlage gepflastert. Doch wer in den Niederlagen die Möglichkeit zu Lernen sieht, lässt sich durch sie nicht demotivieren, sondern sieht sie als Ansporn neue Wege zu seinem Ziel zu finden. Das gilt auch für Kritik von anderen. Man sollte lernen, Menschen die sich von einem abwenden dankbar zu sein. Denn sie machen den Weg frei für all die anderen, die neu auf einen zukommen und einem helfen, seinen inneren Wert zu erkennen.

Denn nur wer stolz auf sich selbst ist, kann auch stolz auf das sein was er für sich selbst und andere tut. Stolz in seiner neutralen Betrachtung ist nichts anderes als sich der inneren wie äußeren Werte bewusst zu sein.

Wenn man es dann noch schafft den Weg zum Ziel als Weg zu betrachten und nicht als Zeitraum, dann hat man die letzten Bedenken bzw. Ängste auch schon überwunden. Denn es geht nie um die Frage „ob“ wir ein Ziel erreichen, sondern nur um die Frage nach dem „Wann“ wir es erreichen, wenn es mit den guten Vorsätzen nicht klappen will.

Ur-Oma hat es dann zu guter Letzt noch auf den Punkt gebracht. „Wer stolz auf sich und sein Leben ist, egal wo er darin grad steht, hat die schwierigste Hürde beim Umsetzen von guten Vorsätzen bereits genommen. Denn er beherrscht die Kunst aus guten Vorsätzen die ängstigen, Ziele zu machen die man liebt!“

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater