Ein evolutionärer Gedanke

Versteh` einer die Menschen. Seit Ewigkeiten beschäftigen sie sich mit der Erforschung der Entwicklung des Affen zum Menschen. Dabei brüsten sie sich, wie viel mehr an Hirnleistung sie gegenüber den sogenannten Primaten haben, nur um sich kurz darauf wie selbstverständlich zum Affen zu machen. Von wegen, der Storch bringt die Kinder! … Pffhhh …! Da stimmt doch was nicht mit der Evolutionsgeschichte.

Nehmen wir doch mal mein Frauchen. Sie prahlt zwar nicht damit, wie klug sie ist, aber sie beweist mir in unserem alltäglichen Zusammenleben immer wieder, wie groß ihr Gedächtnisspeicher ist. Mit der Präzision eines Computers kann sie mir detailgenau rezitieren, wann, wo und wie ich was wie oft gemacht habe. Selbst Ereignisse, die schon Jahre zurückliegen, serviert sie mir bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in allen Einzelheiten. So etwas kann sich doch wohl kaum aus einem Primatenhirn entwickeln, oder?

Meine verzweifelte Suche in Frauchens Porzellanschrank brachte mir zwar meine vermisste Gummispinne nicht wieder, aber mich der dabei mit lautem Getöse in tausend Stücke zersprungene Teller auf eine bahnbrechende Theorie. Was, wenn die Evolution einen kleinen Abstecher in die Familie der Elefanten gemacht hat? Bliebe nur die Frage, wie ich, im Gegensatz zu der für mein Frauchen positiven Auswirkung in Form eines Elefantengedächtnisses, aus meiner Elefantennummer mit dem Porzellanladen wieder rauskomme. Frauchen nahm nämlich den zerbrochenen Teller dankbar zum Anlass, mir mal wieder die Kosten und den Aufwand, die ich durch meine Existenz jeden Monat verursache, präzise aufzulisten: „Milch, Futter, Katzenstreu, Streicheleinheiten, Waschmittel, Putzmittel, Wandfarbe, Katzenkörbe…“ Eine nicht enden wollende Liste …grrr…

Doch dank eines in letzter Sekunde auftauchenden Artikels konnte ich Frauchen ein paar neue Fakten zur Abspeicherung in ihr Superhirn geben. So benötigt ein waschechtes Elefantenkind, um zu überleben, eine rund um die Uhr Betreuung. Seine monatlichen Pflegekosten liegen bei ca. 750 Euro, und zählt man die notwendigen Unterhaltskosten noch mit dazu, kommt man im Jahr auf runde 150.000 Euro, die Kosten für die benötigten Nerven noch nicht mitgerechnet!

Frauchen räumte nach einem gründlichen Datenvergleich ein, dass ich in Anbetracht dieser Sichtweise ein noch relativ günstiger Vertreter meiner Art sei. Seither mäkelt sie nicht mehr an meinem halben Liter Milch herum, den ich täglich zu trinken pflege. Schließlich steht er ja in keinem Verhältnis zu den 30 Litern, die ein Elefantenbaby am Tag verschlingt.

Allerdings frage ich mich, was Frauchen damit meint, wenn sie mit einem sündhaft teuren Kleid statt mit einer neuen Gummispinne für mich vom Einkaufen nach Hause kommt und meinen fragenden Blick nach dem „Was soll das?“ mit einer Gegenfrage beantwortet: „Wie viel, glaubst du, kostet ein großer Elefant?“

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater