Der Algorithmus

Seit wir Villa Geisterbund-Bewohner das Internet für uns entdeckt haben, geistern wir schon auch gerne und oft im World Wide Web herum. Unsere – also meine „Herr Cater“ und Frauchens „Schneider Gabriele“ Facebookseite, die wir als Möglichkeit neue Freundschaften zu schließen nutzen, bringen uns immer wieder mit den interessantesten Leuten in Kontakt.

Kriminalisten, Autoren, Verlage, Presse, Politik, Unternehmer aller Art und eben auch ganz normale Leute. Bunt gemischt und deshalb auch immer wieder aufregend und spannend. Während die einen im Urlaub sind, veröffentlichen andere neue Bücher oder es gibt die neuesten Infos und Tipps aus den Unternehmernetzwerken – unglaublich was man durch andere so alles lernen und Neues erfahren kann.

Doch seit einiger Zeit sehen wir immer öfter einen Post unserer Facebook-Freunde, den Ihr bei Euren Freunden wohl auch schon gesehen habt:

„Hallo allerseits. Ok, ich spring auch auf den Zug … Kämpfe gegen diesen Facebook Algorithmus, weil ich merke, dass ich nicht mehr so viele Posts meiner Freunde sehe. Hier ist nun, wie man es vermeidet, immer von den gleichen 25 FB-Freunden und niemand anderem zu hören. Dieser Post erklärt, warum wir nicht alle Posts von unseren Freunden sehen…“

…Wie? Algorithmus? Freunde verschwunden? Kann sowas sein? Und wenn ja warum? Was steckt dahinter?… grrrr…fauch… „Bleib mal ganz ruhig Herr Cater. Wenn man die Sache mit dem Algorithmus verstanden hat, liegt die Lösung auch schon da!“ …Was weist du als Schmied über einen Algorithmus, Ur-Opa? Das ist doch so ein Computerdings und damit hattes du doch zu deinen Lebzeiten gar nichts zu tun!?… „Tja mein Lieber, Algorithmen gab es schon vor dem Computerzeitalter.“ …Wirklich? Da bin ich jetzt aber gespannt…

Was ist ein Algorithmus?

Ein Algorithmus ist nichts anderes als eine Handlungsvorschrift, eine Anweisung zur Lösung eines Problems, in endlich vielen Schritten.

Das Problem bezeichnet das Ziel, das man erreichen will und die Lösung zeigt die einzelnen Schritte auf, die, wenn man sie befolgt, zu diesem Ziel führen.

Der Facebook Algorithmus

Um den Facebook Algorithmus zu verstehen, muss man Facebook verstehen. Facebook ist ein Unternehmen und als solches will es Geld verdienen. Doch wie macht man das, wenn man den Nutzern seine Dienste gleichzeitig kostenlos zur Verfügung stellt? Man bemüht sich Werbung an Marken, Unternehmen und Medien zu verkaufen, indem man für eine Gebühr verspricht, mehr Menschen mit seinen Posts zu erreichen.

Mark Zuckerbergs Umbau des Facebook Algorithmus, indem er mehr Wert auf „bedeutungsvolle soziale Interaktionen“ legen, und zukünftig Beiträge von „Freunden, Familienmitgliedern und Gruppen“ stärken will, zielt dabei hintergründig darauf ab, den Druck auf Medien und Seitenbetreiber zu erhöhen, vermehrt Werbung zu kaufen, um für die privaten Nutzer auch weiterhin sichtbar zu bleiben.

Da sich Posts aber nur verbreiten, wenn sie kommentiert und geliked werden, muss man um sein Werbeziel zu erreichen, auch die kostenlosen Nutzer dazu bringen, dies vermehrt zu tun. Der groß angekündigte Umbau des Algorithmus ist ein wirksames Mittel dafür. Kombiniert man ihn dazu mit einer Art Kettenbrief,

„Hallo allerseits. Ok, ich spring auch auf den Zug … Kämpfe gegen diesen Facebook Algorithmus, weil ich merke, dass ich nicht mehr so viele Posts meiner Freunde sehe…“

bringt man die Nutzer dazu, zu üben was man in Zukunft von ihnen möchte: Post sollen mehr kommentiert und geliked werden! Und mit wem übt sich das am einfachsten? Mit Freunden, Familie und Gruppen.

Wie man einen Algorithmus überlistet

Am einfachsten überlistet man einen Algorithmus, indem man ihn durch das geschickte Einfügen von Zwischenschritten nutzt.

  1. Zuerst sollte man sich der Ziele des zugrundeliegenden Algorithmus bewusst werden. Im Fall Facebook geht es um Umsatz, Reichweite und Interaktionen.
  2. Danach sollte man sich seiner eigenen Ziele bewusst werden. Im Fall der privaten Nutzer und Seitenbetreiber geht es um Reichweite.
  3. Nutze den Algorithmus einer Tasse Kaffee und füge mögliche Zwischenschritte ein.

Der Kaffee Algorithmus

  1. a  Wasser in Behälter füllen
  • Tausche dich mit Freunden aus, ob du dazu Leitungswasser oder lieber Stilles Wasser verwendest
  1. b  Behälter in Kaffeemaschine setzen
  • Tausche dich mit Freunden aus, wie gut sich z.B. der Behälter reinigen lässt. Frage nach deren Erfahrungen.
  1. c  Filter in Kaffeemaschine legen
  • Tausche dich mit Freunden darüber aus welche Art/ von Kaffeefilter du verwendest und warum
  1. d  Kaffeepulver in Filter füllen
  • Tausche dich mit Freunden darüber aus welches Kaffeepulver/Land Region du verwendest. Wo du es kaufst, welche anderen Sorten du noch verwendest
  1. e  Kaffeemaschine anschalten
  • Zeige deinen Freunden welche Kaffeemaschine/Automat du verwendest
  1. f  Tasse aus Schrank holen
  • Erzähle deinen Freunden welches deine Lieblingstasse ist, woher du sie hast, oder wie lange du sie schon hast
  1. g  Wenn Kaffee durchgelaufen ist, in Tasse füllen
  • Erzähle was du machst, während du deinen Kaffee trinkst. Z.B. die neuesten Geschichten vom Herrn Cater lesen.
  • Indem du und deine Freunde über das was ihr postet interagiert, also kommentiert und liked, erhöht ihr automatisch eure Reichweite. Denn all das sehen auch eure Freunde, mit denen ihr interagiert. Demzufolge steigt die Reichweite, je mehr Freunde du hast, mit denen du kommentierst und likest.

…Na super Ur- Opa. Aber was wird dann aus meinen Freunden, die keinen Kaffee mögen?… „Da kommen dann Ur-Oma und Groß-Tantchen ins Spiel.“ …???…

Das Prinzip vom Hundertsten ins Tausende zu kommen

Dieses Prinzip beherrschen Ur-Oma und Groß-Tantchen wie kein anderer. Wenn Ur-Oma die Tasse aus dem Schrank holt, fällt Groß-Tantchen die bezaubernde Tasse ein, die beide vor Jahren in Rom, in einem kleinen Laden gesehen haben. Die Verkäuferin hatte ein wunderschönes rotes Kleid an, dass sie Jahre später an der Nachbarin, die mittlerweile, entgegen der Erwartungen aller, eine gute Partie gemacht hat, in ähnlicher Form gesehen haben. Während sie einen reichen Unternehmer geheiratet hat, ist ihre Schwester mit einem Künstler nach Malta gegangen… Apropos Malta, was macht eigentlich Eva? Ist sie schon wieder aus dem Urlaub zurück? Komm wir fragen sie mal ob sie zum Kaffee kommt…

Stellt man sich jetzt vor, dass ein Kaffee Algorithmus alles sammelt was Euch zum Thema Kaffee interessiert und Euch die passenden Posts anderer dazu zeigt, kommt man mit Ur-Omas und Groß-Tantchens Methode von der Tasse, nach Rom, zu Kleidern, kleinen Lädchen, diversen Unternehmen über die Kunst bis Malta und findet noch jemanden fürs Kaffeekränzchen.

…Da hast du recht Ur-Opa. Vor einem Algorithmus muss man sich nicht fürchten. Wenn man ihn mit den richtigen Informationen füttert, ist er lernfähig und bringt einen immer wohin man will.

Naja und statt sinnlos irgendwelche Kettenbriefe zu verbreiten, kann man bei der nächsten Tasse Kaffee ja mal wieder seine Freundesliste nach vermissten oder längst vergessenen Freunden durchforsten. Wie? Ihr wisst nicht was Ihr mit denen schreiben sollt? Na wie wär`s denn einfach damit:

„Habe soeben die neueste Herr Cater Geschichte gelesen und auf meiner Seite geteilt. Jetzt würde mich mal interessieren was du von den Erklärungen zum Algorithmus hältst. Gefällt dir! Super! Teile es auch mit deinen Freunden und liked die Herr Cater Seite, dann habt ihr immer zum Kaffee etwas Interessantes und Lehrreiches zu lesen.“

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater