Das Paradox

Laut Ur-Ur-Oma ist der Juni ein Monat der Weichenstellung für das, was wir langfristig erreichen können. Gerade die bisher wenig beachteten Dinge, bringen jetzt große Erkenntnisse für die Zukunft. Statt unzufrieden zu sein, über das, was wir die letzten Monate nicht haben konnten, gilt es unsere Werte zu überdenken. Die richtigen Werte zu beschützen, statt die falschen zu behüten, ermöglicht es uns, nach und nach, unser Verhalten in die richtige Richtung zu verändern. Das gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Wirtschaft. Bis zum Herbst, wird es noch einige Schließungen, manche auch unerwartet, geben. Doch wer aus der Krise gelernt hat und diese Erkenntnisse schnell umsetzt, wird seine Ziele nachhaltig verwirklichen können. Wer die Krise nutzt, um zu verstehen, was wir für ein langfristig glückliches Leben, lernen sollen, findet mit ein wenig Geduld auch Lösungen. Freude am Lernen, schafft neue, ungeahnte Möglichkeiten.

„Na, da liegt mal wieder ein lehrreicher Monat vor dir, Herr Cater.“ … freut mich, dass du dich darüber so freust, Großonkelchen Oberlehrer. Kann es sein, dass du ein Erscheinungsmonopol auf das Wort „Lernen“ hast? … „Nein, aber Freude am Lernen, wie Ur-Ur-Oma schon sagt, ist eine wichtige Voraussetzung im Leben, um das Optimale aus seinen Möglichkeiten zu schöpfen.“ … hört sich so an, als müsste ich, um ein gutes Leben zu führen, ein ewiger Schüler bleiben … mööhhh … „Manchmal bist du ein kleiner Schwarzseher. Lernen ist das ganze Leben wichtig. Doch es liegt an dir, ob du dich dabei vom Schüler zum Lehrer und wer weiß, am Ende zum Weisen entwickelst.“ … na schön. Was bringt mich denn als nächstes meinem Ziel ein Weiser zu werden näher? …

„Indem du lernst, richtige Werte zu beschützen und erkennst, wohin das Behüten der falschen Werte im Leben führt, damit du dein Handeln entsprechend ändern kannst.“ … am Anfang steht dann wohl die Lektion, richtige von falschen Werten unterscheiden zu lernen. Aber wie bitte geht das? Liegt richtig oder falsch nicht eher im Sinne des Betrachtens, des Einzelnen? Für mich war meine Kuchenaktion, die mich in den Wolkenarrest gebracht hat, richtig. Aus Omas Sicht war es falsch. Allerdings muss ich gestehen, dass ich meinen Wolkenarrest anfangs als falsch empfand. Doch seit ich die Sache mit „Weniger kann oft viel mehr sein“ dazu gelernt habe, finde ich zu meinem Erstaunen, dass er das Beste war was mir passieren konnte. Irgendwie paradox und nicht gerade eine große Hilfe, richtige von falschen Werten unterscheiden zu lernen…

„Im Gegenteil. Gerade das Paradoxe bringt oft die Lösung.“ … ??? … „Nimm doch das Beispiel der Demonstranten. Sie gehen auf die Straße um für ihre Grundrechte, gegen die Maskenpflicht und gegen die Impfpflicht zu demonstrieren. Auf den ersten Blick kann man nichts Falsches daran finden. Du hast ja auch gefaucht, als die Oma dich in den Wolkenarrest geschickt hat – deine Meinung darfst du ja auch kundtun. Allerdings entstehen Meinungen aus Emotionen, die eine bestimmte Situation auslöst. Die Menschen fühlen sich durch die Beschränkungen, die dazu dienen sollen, alle gut durch die Krise zu bringen, frustriert und bevormundet. Aus diesen Emotionen entsteht bei vielen die Meinung, dass die Regierung, die uns diese Beschränkungen vorgibt, sich zu sehr in unsere Entscheidungsfreiheit einmischt. Das Gemisch aus Frust und Bevormundung, ergibt über einen längeren Zeitraum das Gefühl, für dumm gehalten zu werden. Die Lebenserfahrung hat uns jedoch gelehrt, dass dumme Menschen leicht auszunutzen sind. Die Folge: der Mensch überlegt in solch einer Situation fieberhaft, in welchen Bereichen die Regierung versuchen könnte, die momentane Situation für sich auszunutzen.“ … und da öffnet sich an dieser Stelle Tür und Tor für alle Verschwörungstheoretiker, Querdenker und Extremisten aller Art. Na super. Da bin ich doch froh, dass wir hier so gute Lehrer wie euch haben, Großonkelchen. Wie ich dich kenne, kannst du uns bestimmt auch erklären, wohin das führt …

„In ein Paradox.“ …??? … „Beeinflusst von all jenen, die die negativ emotional geprägte Situation ausnutzen, führen die Demonstrationen dazu, dass die Menschen von der Regierung, die Nutzung der Rechte einfordern, die genau in die Situation der Krise geführt haben – kein Abstand, kein Mundschutz, jeder schaut nur auf sich und seine Vorteile, aber nicht auf die Gemeinschaft. Genaugenommen gehen die Menschen also auf die Straßen, um für das Recht zu demonstrieren sich selbst ihrer Freiheit zu berauben, anstatt sich die Verantwortung ihres eigenen Handels und ihrem Streben nach falschen Werten, bewusst zu machen. … was müsste denn geschehen, damit wir aus der Corona Krise heraus, eine Lösung für die Zukunft finden?…

„Die Corona Krise dient der Aufmerksamkeit unserer Fehler im Tier- und Umweltschutz. Beides funktioniert nicht, da es unmöglich ist etwas zu beschützen, das Werte, die man behüten will in Frage stellt. Die Wirtschaft kann es sich, um weiter hohe Gewinne einzufahren, nicht leisten Tierschutz und bessere Arbeits- und Verarbeitungsbedingungen zu realisieren. Der Konsument selbst, „behütet“ seine vermeintlich eigenen Werte – billig, viel, schnell und immer verfügbar.“ … du willst also sagen, dass nur eine Verhaltensänderung des Einzelnen, zu einer Lösung führt. Dumm nur, dass wir „sich ändern“ immer als Schuldzuspruch verstehen. Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann hat man mit dem Paradox einen genialen Trumpf in der Hand. Warum?

Ganz einfach. Paradoxes Denken, macht sogar aus Extremisten, ganz passable Tierschützer. Die einen rufen: „Wir sind das Volk“, die anderen fühlen sich durch die Beschränkungen an das 3. Reich erinnert. Erster Blick – gar nicht gut. Zweiter, der paradoxe, Blick: Den bedrohten Bienen- und Ameisenvölkern, allesamt Nützlinge, sollte man Gehör verschaffen. Auch die Erinnerung trifft auf den Tierschutzgedanken zu: Aller Rechte beraubt und zum qualvollen Tod verurteilt, sind die Tiere in schlechter Haltung und unwürdigen Transporten!

Ich frage mich gerade, was wäre, wenn man statt gewisse Demos verbieten zu wollen oder Gegendemonstrationen zu organisieren, einfach selbstbewusst, zu Tier- und Umweltschutzzwecken mitläuft? Wenn die so dumm sind, wie viele meinen, können sie die Aufschriften auf Plakaten und Fahnen weder lesen noch begreifen. Da ist es für sie kein Problem für eine gute Sache zu marschieren. Sind sie jedoch klug, erkennen sie, dass aus ihrer Parolen Demo eine Tier- und Umweltschutz Demo wird. Dagegen können sie aber nichts haben, denn kluge Menschen wissen, dass alle Parolen der Welt zweitrangig sind, da ohne intakte Umwelt kein Volk, egal welcher Art überleben kann. Ganz schön pfiffig so ein Paradox…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater