Das nächste Jahrzehnt

Diesmal ist der Jahreswechsel etwas Besonderes. Es beginnt nicht nur ein neues Jahr, sondern auch ein neues Jahrzehnt. Jeder geht damit anders um. Während die einen hoffen, Greta möge endlich wieder in die Schule gehen und die Nerven der Erwachsenen schonen, hoffen die anderen, dass sie nicht recht behält und sich endlich alles zum Guten wendet. Beim Rest wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Ein Jahr rumbringen ist im Regelfall ja schon lang und beschwerlich genug, aber jetzt auch gleich noch ein ganzes Jahrzehnt? Ach du meine Güte…

… ??? … was ist denn nun schon wieder los? Unsere Wolken – Frauen sitzen bei Kaffee und Kuchen schwatzend in Frauchens Büro beieinander, während die Wolken – Männer bei Schoppen und Bier, in Opas alter Werkstatt im Keller, lange Gesichter ziehen … Ur-Opa??? … „Der Hexenzirkel tagt, wie jedes Jahr um diese Zeit!“ … Hexenzirkel? … „Ur-Ur-Oma ist zu Besuch und hat ihre Karten mitgebracht. Jetzt fachsimpeln die Mädels wieder darüber was die Zukunft bringt – schwere Kost.“ … na, schwerer als die Kalorien im Kuchen kann das doch auch nicht sein … wie viele davon kann so ein luftig leichtes Quark-Sahnetörtchen mit Mandarinen und Schaumküssen schon davon haben? … schmatz …

Laut Ur-Ur-Omas prophetischem Blick, beschert uns das Leben eine Zeit der Unsicherheiten, die es zu überwinden gilt. Klingt banal, ist es aber nicht. Der Ursprung dieser Unsicherheiten, begleitet uns wie ein Fluch seit Anbeginn der Zeit. Es sind die natürlichen Abläufe der Dinge, im großen Zusammenhang zwischen Himmel und Erde, die wir nicht beeinflussen können – bestes Beispiel ist der Tod.

Alles Lernen und Forschen brachte uns bis heute zwar ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens, wirklich befriedigend sind die Antworten, unserem Empfinden nach, jedoch bis heute nicht. In unserer Wahrnehmung liegt nach wie vor die Einstellung, dass Unsicherheiten im Leben erfolgreich zu verhindern sind, wenn wir möglichst schnell in der Lage sind, die natürlichen Abläufe des Großen und Ganzen zu beeinflussen. Danach haben wir bis heute unser Handeln ausgerichtet. Erreicht haben wir dadurch: Streit, Krieg und Krankheit. Statt unser erlangtes Wissen zu einer positiven Einstellung dem Leben gegenüber zu nutzen, haben wir es, durch unser unbedingtes „Haben wollen“ und dem fehlenden Verständnis für die großen Zusammenhänge nach und nach, in kleinen Schritten, dazu missbraucht unsere Verlustängste zu schüren. Wir haben verlernt die richtigen Fragen zu stellen und die kleinen Antworten zu schätzen. Dies alles führte zu unserer heutigen Unzufriedenheit, zu unserem Gefühl der Abhängigkeit von Zeit und Gegebenheiten und der Unsicherheit was aus unseren Wünschen für die Zukunft noch werden kann. Je größer unsere Verlustängste sind, desto schneller versuchen wir die natürlichen Gesetze der großen Zusammenhänge zu überwinden um die Unsicherheiten zu beherrschen.

Das kommende Jahrzehnt wird uns jedoch sehr schnell zeigen, dass wir die Unsicherheiten nur dann wirklich überwinden und unsere Wünsche erreichen werden, wenn wir das Gleichgewicht zwischen „etwas Erreichen“ und „etwas Erhalten“ wiederherstellen. Erst wenn wir unser erworbenes Wissen verstehen, d. h. auch einmal innehalten und darüber nachdenken, in welcher Form es unsere Sicht auf das Leben beeinflusst und wohin es uns im Begriff ist zu führen, werden wir die richtigen Erkenntnisse, für unser zukünftiges Handeln, aus ihm ziehen können. Nur dann sind wir in der Lage den Unsicherheiten des Lebens positiv zu begegnen und Lösungen zu finden, die uns das entstandene Ungleichgewicht überwinden lassen.

Es wird uns im kommenden Jahrzehnt gelingen, dieses Gleichgewicht herzustellen und unser Leben in eine positive Richtung zu lenken, wenn der Einzelne erkennt, wie er mit unserem vorhandenen Wissen in der Anwendung richtig umgeht, d. h. richtig von falsch zu unterscheiden lernt. Dann müssen wir uns auch um den Schutz unserer Nachkommen keine Sorgen machen, denn wir schaffen damit heute das Werteverständnis der Generationen von morgen.

… na super … Ur-Opa hatte recht – schwere Kost … rülps … „So schwer nun auch wieder nicht, Herr Cater!“ … doch, ich platze gleich, Ur-Oma… „Na dann lernst du hoffentlich was aus Ur-Ur-Omas Prophezeiung.“ … ??? … „Es ist gut, dass es das Rezept für Quark-Sahnetörtchen mit Mandarinen und Schaumküssen gibt. Stopft man sich jedoch wie du, gierig, eines nach dem anderen in sich hinein, beginnen die Unsicherheiten. Platzt du? Wird dir schlecht? Hast du jetzt endgültig Übergewicht und dein Lieblingskörbchen wird zu eng? Nimmst du dir aber vor dem Genuss des nächsten Törtchens die Zeit darüber nachzudenken, wie sinnvoll es für dich ist, noch eines in dich hineinzustopfen, lernst du viel über die Werte im Leben. Der scheinbare Verzicht auf ein weiteres Törtchen, erspart dir viele Fragen für die Zukunft, auf die es im Moment keine Antworten gibt, erhält dein Gewicht und dir damit die wohlige Geborgenheit deines Körbchens und lässt dich Beispiel sein für all jene, die immer noch darüber streiten, ob die Verbesserungen des Törtchen Rezeptes oder gar dessen Verbot, die Körbchen- und Gewichtsproblematik in Zukunft verbessern könnten.“

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater