Das Jahr 2020

Ur-Oma wäre nicht Ur-Oma, hätte sie da nicht so ihre Tricks und Kniffe, wie man unsere Wolkenmänner, aus der Kellerwerkstatt lots, damit sie Ur-Ur-Omas Prophezeiung für das Jahr 2020 nicht verpassen. Tja, eine zünftige Brotzeit, mit Weiß- und Rotgelegtem, frischem Brot, Käse und Essiggurken, einem guten Schoppen und Bier, kann wahre Wunder bewirken … schmatz … So unpassend, wie manch einer von Euch denken mag, ist diese Brotzeit für das neue Jahr, gar nicht. Gibt sie einem doch die Gelegenheit, gemeinsam und ohne Hektik, über das Für und Wider diverser Angelegenheiten zu sinnieren und zu diskutieren.

So ist laut Ur-Ur-Oma das Jahr 2020 ein Jahr, in dem wir uns Zeit für das Leben nehmen sollen. Bei all den guten Vorsätzen, zukünftig alles besser machen zu wollen, sollten wir uns die Zeit nehmen über diese „besseren Ziele“ erst einmal genauer nachzudenken. Sind diese wirklich so „hochwertig“ wie wir glauben?

Auch unserer Sicht auf die Welt, die Menschen als gesamtes und den Einzelnen, sollten wir ein paar Gedanken widmen, bevor wir losstürmen. Denn während wir unser Wissen nur allzu gerne darauf verwenden, die Welt zu retten, mangelt es uns nur allzu oft an Lösungsmöglichkeiten für ganze Volksgruppen oder den einzelnen Menschen. Unser Handeln ist immer noch bestimmt von der nicht überwundenen Eifersucht, zu kurz zu kommen und der daraus entstehenden Gier, die den Werteverlust für alle initiiert.

Innehalten und die großen Zusammenhänge dessen, wie und unter welchen Einflüssen, unser Handeln unser Leben und damit unsere Welt, bestimmt, wird uns helfen, das, was wir tun zu verstehen. Tun wir das nicht, wird unsere Gier, die kleinen und größeren Erfolge unseres Handelns, wieder zunichtemachen. Die Folge daraus werden Unwetterkatastrophen, Unfälle und Krankheiten sein. Die Befürchtungen um die wenige Zeit, die uns bleibt, unser Leben wieder ins Lot zu bringen, wird uns weitere große Unsicherheiten bringen. Falsche Kommunikation und Kriege zwischen den Völkern und das daraus resultierende Leid der Menschen, führt uns immer tiefer in die Negativspirale. Das Jahr 2020 fordert uns durch die Geschehnisse auf, zu erkennen, dass wir selbst es sind, die der alles zerstörenden Gier, stetig Nahrung geben. Deshalb gilt es dieses Jahr, sich Zeit zu nehmen, die großen Zusammenhänge des Lebens zu verstehen.

… na super … typisch Ur-Ur-Oma. Knallt einem die Prophezeiung, wie eine neue Wurstscheibe, aufs Brotzeitbrett und wenn man so darüber nachdenkt, hat sie mal wieder den Senf vergessen. Wie bitte lernt man denn nun die großen Zusammenhänge zu verstehen? Kannst du mir das erklären Ur-Opa?… „Da fragst du besser unseren alten Pfarrer, der neben Ur-Oma sitzt. Er ist von deinem Frauchen, was knifflige Fragen anbelangt, von früher noch so einiges gewohnt.“ … ??? … „Na dein Frauchen hat ihn im Religionsunterricht mal gefragt, warum sie zur Beichte gehen müsse, obwohl Gott, laut Bibel, doch alles weiß, sieht und hört.“ … was war seine Antwort? … „Er sagte zu deinem Frauchen, dass sie schon recht hätte, mit ihrer Annahme, dass es wegen Gott keine Beichte bräuchte, da der eh alles weiß. Aber für ihn als Pfarrer und Diener Gottes, mit dem göttlichen Auftrag, den Menschenkindern zu helfen, ist die Beichte wichtig. Denn sonst wäre er, der helfen soll, der einzige, der keine Ahnung hat um was es geht. Damit hat dein Frauchen den Sinn der Beichte auch verstanden.“ … Na, das hört sich an, als wäre der Herr Pfarrer genauso gewieft wie unsere Wolkenfrauen. Ich hätte da mal eine Frage …

Ob Ihr es nun glaubt oder nicht, der Mann kann einem anhand eines kleinen Apfels die großen Zusammenhänge, erschreckend einfach erklären. Ok, er bedient sich dabei einer kleinen Geschichte aus der Bibel. Genesis 3,1 – 3, 24, der Sündenfall, aber das sollte man einem Pfarrer mit Leib und Seele auch mal nachsehen. Vor allem da er sie praktischer Weise in unsere heutige Zeit, völlig glaubensneutral, übersetzt. Bei ihm klingt das dann so:

Lebt der Mensch sein Leben so, wie ihm die großen Zusammenhänge (Gott) den natürlichen Verlauf vorgeben, ist alles gut (Paradies). Doch hängt er sein ganzes Streben an den Fortschritt (der Apfel vom Baum des Wissens), macht er sich unglücklich und unzufrieden (sie erkannten, dass sie nackt waren). Denn Fortschritt bedeutet, dass man zwar natürliche Gegebenheiten verändern kann (wer nackt ist, wird sich etwas zum Anziehen suchen), aber er sagt noch nichts darüber aus, ob wir ihn auch brauchen (im Paradies waren auch alle nackt und es war gut so). Aus Sicht der heutigen Menschheit, war die Schlange aus dem Paradies wohl eher der größte Influencer in der Geschichte. Früher als Teufel verschrien, machen wir sie heute zu einem erstrebenswerten, vielschichtigen Berufsbild von Jung und Alt. Ab hier dürfte es jetzt niemanden mehr wundern, dass uns die Vertreibung aus dem Paradies, als Klimakatastrophe um die Ohren fliegt. Und wozu? Der Herr Pfarrer bringt`s auf den Punkt: „Wir könnten alle schon längst in einem Paradies leben, wenn wir endlich lernen würden, zu unterscheiden, zwischen dem, was wir erreichen können und dem, was wir wirklich im Leben brauchen (Gut und Böse).“ Die Chance dazu, hatten wir, seit Adam und Eva, schon viele Generationen lang. Aber wer weiß, vielleicht klappt es jetzt durch die Bewohner unserer Villa Geisterbund. Gewieft und mit allen Wassern gewaschen sind sie ja…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater