Wir machen Urlaub

Nachdem uns Großonkelchen Oberlehrer das letzte Mal daran erinnert hat, dass Gelerntes, nicht nur in der Schule sondern auch im Leben, geprüft wird und wir deshalb gut damit beraten sind, den Lehrstoff zum Thema Resilienz, der vergangenen zehn Monate, eifrig zu wiederholen, haben meine Wolkenmitbewohner folgendes beschlossen:

 

                                                                    WIR MACHEN URLAUB

 

Wer hätte das gedacht. Auch in der Villa Geisterbund wird Urlaub gemacht. Ist allerdings eher eine Art Arbeitsurlaub, denn im November gibt es für uns Wolkenbewohner mehr als sonst im Jahr zu tun. Was, erfahrt Ihr in der nachfolgenden Geschichte, mit passendem Titel:

                                                                           November Stress

Zu meinen Lebzeiten war es mir nie wirklich bewusst wie stressig der so scheinbar ruhige November sein kann. Ja, das merkt man erst wenn man auf seiner Wolke sitzt und plötzlich aus seinen Lebkuchen Gedanken gerissen wird, weil Ur-Oma einem die Wolke unter dem Hinterteil wegzieht um sie wie Frau Holle mal wieder ordentlich aufzuschütteln und von allen Krümeln zu befreien – dabei ist es zu diesem Zeitpunkt erst Mitte Oktober!

Auch Frauchen bekommt das in unserer Villa Geisterbund regelmäßig zu spüren. Während sie früher in alter Tradition eher eine Anhängerin des Frühjahrputzes war, spielt sich das ganze Getöns um Wischlappen, Staublappen und Co jetzt in den letzten zwei Oktoberwochen ab. Warum? Ganz einfach. Unsere alten Damen auf ihren Wolken haben das so beschlossen. Schließlich, dabei sind sie sich alle einig, könne man nicht im November wegfahren solange das Haus nicht blitzt und blinkt. Wie wegfahren? Wo wollen die denn alle hin? Und warum?

In einer Putzpause, bei Kaffee und Kuchen, haben sie es mir dann erklärt. November ist in unserer Wolkenfraktion sowas wie die Hauptreisezeit. Zu den großen Trauer- und Gedenktagen geht`s endlich mal wieder auf die angestammten Friedhöfe. Wäre ja auch blöd, wenn alle möglichen und unmöglichen Leute mit Blumen, Kränzen, Gestecken und Kerzen als Geschenke vorbeikommen und von unsereiner ist keiner da.

Letztes Jahr gab`s fast ein Drama, als Groß-Tantchen noch ganz in Gedanken, ob sie Frauchen auch gesagt hat, dass diese unbedingt noch einmal über den Wohnzimmertisch wischen soll, mit Ur-Oma an deren Grab im Stadtfriedhof stand. „Schön gepflegt, dass muss man deiner Familie lassen.“ „Ja, ich denke die werden jetzt auch bald kommen“, antwortete Ur-Oma schon ein wenig ungeduldig. Doch eine Frage brannte ihr noch auf der Zunge. „Warum bist du eigentlich noch hier, Schwester? Müsstest du nicht längst auf deinem Friedhof in Saarbrücken sein?“ „Ach herrjeh!“ Weg war sie….

Ur-Opa schwänzt ja liebend gerne mal Allerheiligen. Seiner Meinung nach eher was für die Frauen. Er macht es sich dann im großen Ohrensessel an der Heizung bequem und tunkt ein Hörnchen in seinen Kaffee. Doch am Volkstrauertag bleibt ihm keine Wahl. Kaum das es hell wird stolziert Großonkelchen Oberlehrer durchs Haus und sorgt dafür, dass Ur-Opa rechtzeitig, fesch im Anzug, startbereit ist. „Heute müssen wir pünktlich sein – die Bläser kommen. Mal gespannt was es dieses Jahr an Kränzen gibt.“

Das Opa Reisepläne hegt, merkt man meist daran, dass Frauchen sich zu wundern beginnt, warum immer dann, wenn sie den Fernseher einschaltet, der Wetterbericht läuft. Sonnenschein an der Ostsee! Jetzt ist Opa nicht mehr zu halten, volle Fahrt voraus – typisch Seebestattung! Damit Frauchen auch was davon hat, gibt`s im Fernsehen „Die Ostsee von oben“ – die beiden waren schon immer ein gutes Team.

Die einzige, die bei uns auch im November keinen Stress verspürt, ist Oma. Ja auch eine anonyme Bestattung hat ihre Vorteile – eher unwahrscheinlich, dass Besuch kommt. Stattdessen animiert sie Frauchen dazu die seltene heimische Ruhe zum gemeinsamen Kuchen backen, inklusive Mutter Tochter Schwätzchen, zu nutzen.

Nach und nach trödeln nach der Abschlussveranstaltung, dem sogenannten Totensonntag auch alle anderen wieder ein. Doch wie schön die Friedhofsreisen auch sind, in einem sind wir uns in unsere Villa Geisterbund einig. Es geht doch nichts über ein Wolkenleben, in dem sich die Gedanken oder wie wir sagen, Einladungen der Familie und Freunde über das ganze Jahr verteilen. Gemütliches Beisammen sein, wo immer man gerade ist und nicht nur ab und zu ein gemeinsames Frieren auf dem Friedhof!

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Rückschläge sind eine gute Gelegenheit Wissen zu vertiefen und anzuwenden

Bei all dem, was wir jetzt in den letzten zehn Monaten über Resilienz und die wahren Werte für ein gutes Leben gelernt haben, beschleicht mich seit ein paar Tagen ein komisches Gefühl. Ur-Ur-Omas Wolke macht mir zurzeit auch eher den Eindruck einer Gewitterwolke. Irgendetwas ist doch da im Busch, aber was?…

„Der November ist dieses Jahr ein Prüfungsmonat, Herr Cater.“ … wie meinst du das, Großonkelchen Oberlehrer?… „Im Leben ist das wie in der Schule. Zuerst lernst du etwas und dann zeigt sich in der anschließenden Prüfung, ob du auch verstanden hast, was du gelernt hast.“ … du willst damit sagen, dass wir durch den Corona Ausbruch alles über Resilienz und Werte gelernt haben und mit der zweiten Corona Welle jetzt zeigen müssen, ob wir die wahren Werte erkennen und die Sache mit der Resilienz auch bewusst anwenden können?!… „Ja. Diejenigen, die es nicht verstanden haben, werden ihre Erfolge dahinschwinden sehen und sehr unglücklich sein. Diejenigen, die verstanden haben, wie man durch Resilienz, aus ausweglos erscheinenden Situationen, herausfinden kann, werden, da sie die wahren Werte des Lebens erkennen, Lösungen für ein zukünftig gutes Leben finden. Sie werden durch bewusstes Handeln ihre Ziele erreichen und gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

… ja, aber wie kann ich mir sicher sein, genug verstanden zu haben, um die Prüfung auch zu bestehen?… „Indem du es genauso machst, wie in der Schule auch. Immer und immer wieder, das was du bis jetzt gelernt hast, wiederholen und praktisch anwenden.“ … das bedeutet für das Thema Resilienz, dann bitte was?… „Das du dir in den Zeiten der Beschränkungen, durch das Henne – Ei Prinzip klar darüber wirst, dass es neben den Dingen, die du tun willst, aber gerade nicht kannst, zeitgleich auch noch Dinge gibt, die durch deine Wünsche bisher keine Beachtung fanden, die du aber stattdessen auch tun kannst.“ … verstehe. Wie ich dich kenne, Großonkelchen, läuft dein Beispiel unter dem Motto: Statt Party feiern, die Nase in ein schlaues Buch stecken und was Nützliches lernen… „Du könntest aber statt Party feiern auch einem Freund einen Brief schreiben, dich im Zeichnen versuchen oder endlich mal wieder deine Oma anrufen – besser?“ … zumindest wären wir damit bei der Geschichte vom Ei zum Hühnerbaron angelangt. Einem Freund, durch einen Brief, eine schöne Überraschung bereiten, eigene Talente schulen oder Zeit mit Oma verbringen, wenn auch Dank Corona nur am Telefon, zeigt mir den Weg zu den wahren Werten, für die sich mein Zeiteisatz, für alle Beteiligten, lohnt… „Im Zweifel, welche Entscheidung in der Situation die optimale ist, hilft dir dann die Gretchenfrage.“ …genau, die bewahrt mich nachts um eins davor, wenn ich an Oma denke, spontan bei ihr anzurufen um ihr das zu sagen. Da macht es mehr Sinn, ihr um diese Uhrzeit ein Bild zu malen und es ihr am nächsten Tag mit der Post zu schicken…

„Ich sehe schon, du lernst schnell.“… danke. Aber sag mal, warum sieht Ur-Ur-Omas Wolke zurzeit nach Gewitter aus? Wird der November so schlimm?… „Einfach wird er nicht, aber die Prüfung, die er uns auferlegt ist durchaus zu bestehen. Das was Ur-Ur-Oma umtreibt, ist eher ihre Erfahrung mit dem Menschen und seinem Umgang mit Prüfungen.“ …???… „Statt sein Wissen, dass er durch Krisen gelernt hat, zu vertiefen und zu verinnerlichen, meint er, dass sein Weg ab sofort rosig sein müsste und er jetzt ausgelernt hätte. Eine anschließende Prüfung, sieht er nicht als Aufforderung, Wissenslücken zu erkennen, entsprechend nachzulernen und diese zu schließen, sondern als besondere Gemeinheit des Lebens. Ganz nach dem Motto: Das hat man nun davon, zehn Monate alles über Resilienz und Werte zu lernen, nur damit man am Ende des Jahres, angesichts leerer Regale, wieder zusehen kann, woher man genug Toilettenpapier bekommt.“

… arme Ur-Ur-Oma… mmhhh??!… ich glaub ich hab`s. An einer Gewitterwolke kann man zwar nix ändern, aber wenn man ihr genug Sonnenschein entgegenstellt erhöht das die Chance auf einen Regenbogen. Es wird zwar viele geben, die so denken wie Großonkelchen Oberlehrer sagt, aber es gibt auch die Herr Cater Leser, die im trüben November die Zeit der Beschränkungen nutzen und eifrig ihr Wissen vertiefen, indem sie alle Unterrichtsstunden über Resilienz und Werte, die wir hier auf meinem Blog seit Januar genießen durften, wiederholen. Das bringt sicher ein Strahlen in Ur-Ur-Omas Gesicht und uns allen am Ende einen tollen Regenbogen, der uns in ein gutes Leben führt.

Ich lauf dann schon mal los. Treffpunkt Januar 2020 hier: http://www.herrcater.de/das-naechste-jahrzehnt

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Handwerk hat goldenen Boden

Es ist schon paradox. Da gibt es die unterschiedlichsten Innovationen, die einem das Leben erleichtern sollen und am Ende scheint das Leben schwieriger als vorher. Irgendwie erinnert mich das an die Geschichte aus dem großen, alten Bibelbuch, in der Adam und Eva aus dem Paradies flogen, weil sie vom Baum des ewigen Lebens gegessen hatten. Ist tausende von Jahren her und doch scheinen wir nix dazugelernt zu haben.  Statt zufrieden mit dem zu sein, was wir bis jetzt erreicht haben, braucht es für unser Empfinden, immer weitere Innovationen um unser Leben wertiger zu machen. Selbst dann noch, wenn wir erkennen, dass dieser Weg unserer Umwelt und damit unserem Überleben, oder sollte es, unserem „ewiges Leben“ heißen, mehr schaden als nutzen.

Aber um ehrlich zu sein, ich war zu meinen Lebzeiten auch nicht viel besser. Von Frauchen mit dem Feinsten vom Feinen an Futter und Schleckerlies versorgt, konnte ich es mir nie verkneifen, das ein oder andere verlockende Häppchen von Frauchens Teller zu mopsen. Das waren dann oft die Momente, in denen ich Sachen wie z.B. Bauchdrücken oder Unwohlsein kennenlernte und mir der Weg zu meinem Katzenklo fünfmal so lang wie sonst vorkam. Da hab` ich mich des Öfteren verschätzt und Frauchen musste eine extra Putzschicht einlegen…

„Und heute? Hast du etwas dazugelernt?“ … ja Dank der „Vom Ei zum Hühnerbaron“ Strategie, die ihr mir beigebracht habt schon, Ur-Opa. Zumindest versuche ich vor dem Umsetzen meiner Ideen, den eventuellen Wegeverlauf etwas weiter zu durchdenken als früher. Aber wenn du schon mal da bist, kannst du mir erklären, warum ich seit dieser Zeit immer häufiger darüber nachdenke, wie eure Strategien früher ausgesehen haben, um an eure Ziele zu kommen? Ohne die Möglichkeiten von heute…

„Das ist einfach zu erklären. Wer gerne etwas über das Leben lernt und das machst du seit diesem Jahr ja, erweitert automatische seine Wahrnehmung. Lernen führt zu Erkenntnissen, die wiederum dafür sorgen, dass du dir deiner Handlungen und wohin sie führen, bewusster wirst. Dadurch kannst du die wahren Werte, die auch die Gemeinschaft unterstützen, besser von den egoistischen Werten, die einzig dir selbst zugutekommen, unterscheiden. Etwas über das Leben lernen, bedeutet aber auch zu verstehen, dass der Einzelne nur in der Gemeinschaft, die Sicherheit im Leben bekommt, die es für ein gutes Leben braucht. Denn die Gemeinschaft beinhaltet die Vielfalt an Fähigkeiten, die in unsicheren Zeiten, zum Überleben des Einzelnen, wichtig sind. Am meisten Wissen darüber, findest du in der Vergangenheit. Dort gab es in den letzten Jahrtausenden, mehr als genug Krisen, die Mensch und Tier überwinden mussten.“

… du willst damit sagen, dass in guten Zeiten, z.B. Strom zu haben, ein Wert ist, den wir durch Innovation erreicht haben. Statt aber nur nach vorne zu schauen, was man mit Strom so alles machen kann, um uns das Leben zu erleichtern, kann es nicht schaden, auch in stromlose Zeiten zurückzuschauen. Eine Ahnung, z.B. wie man eine Kerze macht, damit es auch ohne Strom ein bisschen hell wird, kann in künftigen Krisen, in denen das Stromnetz nicht funktioniert, nicht schaden. Na ja und auch ohne Krise, sitzt es sich mit Freunden, bei Kerzenschein gemütlicher zusammen und spart nebenbei noch Geld und schont die Umwelt, die nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft einen erhaltenswerten Wert darstellt.

So langsam fange ich an zu verstehen warum ihr immer wieder predigt, dass Handwerk goldenen Boden hat. Denn was nutzt die ganze Innovation, die danach strebt, das Handwerk überflüssig zu machen, wenn in Krisenzeiten, einzig das Handwerk und der Zusammenhalt der Gemeinschaft, einen Weg aus der Krise findet. So gesehen, kann ich mir gut vorstellen, dass Handwerk zu den wahren Werten zählt, während Gold oder Geld an sich, einen sehr individuellen Wert darstellt. Dieser ist zwar in der Lage, in guten Zeiten diverse Wünsche des Einzelnen zu ermöglichen, aber wenn es wirklich eng wird im Leben, ist auch ein ganzer Haufen davon wertlos, wenn es keinen mehr gibt, der mein Schleckerlie-Schränkchen reparieren kann… quietsch… OOOpaaa!!!… ich glaub` wir müssen nochmal in die Werkstatt – Nachölen…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater