Symbole – warum sie für unser Leben wichtig sind

Heute war für Frauchen mal wieder ein Tag voller Erinnerungen oder anders ausgedrückt – Abstauben unter erschwerten Bedingungen. Wie das zusammenpasst? Ganz einfach. Normaler weise gehört Frauchen zu der Kategorie „Schnellabstauber“, doch an den sogenannten Gefühlsdusseltagen, wird ihr diese Arbeit zum zeitlichen Verhängnis. Irgendwie scheint sie dann jeder noch so kleine Gegenstand an irgendjemand oder irgendetwas zu erinnern. Statt Opas Bild einfach nur vom wöchentlichen Staub zu befreien, hört man sie tief seufzen und ihm erzählen, dass sie ihn gerade heute wieder sehr vermisst. Mit den Worten: „Ach wie schön war es damals als wir noch alle zusammen waren…“, schwenkt der Staublappen dann weiter zum großen Familienfoto von Ur-Omas acht Geschwistern nebst Eltern – das kann dauern! Aber auch an der Vase von Groß-Tantchen, Omas Brosche oder einer meiner aus dem Nichts auftauchenden Spielmäuse, scheint sie eine Art Safety-Car Runde des Abstaubens einzulegen. Ganz nach dem Motto: „Rettet die Erinnerungen!“

„Na, was macht dein Frauchen gerade?“ …Hallo Ur-Oma…, die hat heute wieder Gefühlsdusseltag…gäähn… „Lass sie doch. Du hast zu deinen Lebzeiten doch auch mit dem Pulli deines Frauchens in deinem Körbchen gelegen, wenn sie mal wieder etwas länger weg war und sie dir gefehlt hat.“ …Schon, aber warum macht man sowas eigentlich?… „Das liegt an unserem Schutzbedürfnis.“ …???…

Symbole geben uns das Gefühl beschützt zu sein

Unser Leben ist ständigen Veränderungen unterlegen. Zum einen macht uns die Ungewissheit wohin diese Veränderungen führen Angst, zum anderen machen uns die Situationen in die sie führen auch oft unzufrieden.

Ebenso gibt es Situationen, in denen wir das Gefühl haben, nichts tun oder anstehende Verluste nicht verhindern zu können. Manchmal fühlen wir uns auch einfach nicht geliebt oder wertgeschätzt.

Symbole helfen uns in solchen Situationen ein Gefühl zu entwickeln, dass wir nicht ganz allein sind und auch in für uns schwierigen Situationen Hilfe bekommen. Sie geben uns immer wieder das Gefühl, dass am Ende alles gut wird und unterstützen uns dabei unsere Ängste zu überwinden.

Symbole finden ihre Verwendung in allen Lebensbereichen

Symbole der unterschiedlichsten Art, sollen uns im Besten Falle vor z.B.  Unfällen, Liebeskummer oder Krankheit schützen. Sie sollen helfen unsere Ängste zu überwinden und unser Leben langfristig gut zu meistern.

Auch dienen sie uns dazu, unüberwindbar scheinende Grenzen zu überwinden, unerreichbar scheinende Ziele zu erreichen und unendlich lang erscheinende Zeiten zu überstehen.

Symbole erhalten die Hoffnung

Egal ob ein uns nahestehender Mensch schwer erkrankt und nicht mehr wie gewohnt am Leben teilhaben kann, oder ein Familienmitglied bzw. guter Freund stirbt – schwere Verluste machen uns sprachlos, da sie uns die Hoffnung auf ein gutes Ende nehmen.

Auch Streit innerhalb der Familie, Partnerschaft oder Freundschaft, hinterlassen allzu oft ein Gefühl der Leere, Angst und Verzweiflung in uns.

In all diesen Lebenssituationen helfen uns Symbole eine ganz eigene Form der Kommunikation zu finden. Sie trägt die Hoffnung für uns in sich, dass Abschiede nicht gänzlich mit Stille und Einsamkeit verbunden sind und auch in den verfahrensten zwischenmenschlichen Beziehungen, irgendwann wieder Kommunikation möglich sein wird, sofern man das möchte.

Symbole helfen uns zu lernen, wie man sich Hoffnung schafft und erhält.

Symbole dienen der Kommunikation und unserem Lernen

Ein Strauß roter Rosen oder ein Töpfchen Glücksklee sagen oft mehr als tausend Worte. Symbole, deren Bedeutung allgemeingültig ist, verwenden wir wie eine Art Bildsprache: „Ich liebe Dich!“ oder „Viel Glück!“ Ein Vergissmeinnicht ersetzt oft das unangenehme bitten müssen und eine Schachtel „Merci“ unterstützt all jene, die ein Danke nur schwer über die Lippen bringen.

Doch Symbole sind auch gute Lehrer. In unsicheren Situationen lehren sie uns Geduld zu entwickeln. Begegnungen, die wir nicht gleich einordnen können, lehren sie uns Zeit zu geben. Unseren Zweifeln lehren sie uns Hoffnung entgegenzusetzen und helfen uns trotz Verzögerungen, die Freude nicht verlieren zu lassen.

Symbole speichern Erinnerung und Wissen

Individuelle Symbole dienen unserer Erinnerung an Menschen, Orte oder unsere Wünsche. Sie stärken uns darin immer wieder neu beginnen zu können, da sie uns an die Versprechen anderer erinnern, nie allein zu sein, bei dem was wir tun. Sie erinnern uns an das was wir können und helfen uns neues zu erfahren, indem sie unseren Blick auf das Leben schärfen. Ob eine Urkunde oder eine Medaille für erreichte Ziele, oder ein Amulett von der Großmutter als Zeichen der Liebe – es erinnert uns daran was wir bereits geschafft oder erhalten haben und zeigt uns, dass wir es wieder schaffen können und immer noch haben.

Symbole stärken unser Handeln

Sich gegen Neid und Missgunst durchsetzen, im Streit behaupten, Dinge auf sich zukommen lassen können oder durch den Glauben an sich selbst erfolgreich zu werden, bei all dem helfen uns Symbole, indem sie unseren Willen stärken und damit das Vertrauen in uns und andere, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort das richtige zu tun werden.

Sie zeigen uns den Weg, wie wir unsere Lösungen finden, unsere Sorgen verringern und gleichzeitig an unseren Schwächen wachsen können, indem sie uns stets daran erinnern, dass es, egal wo in unserem Leben wir stehen, immer einen Hoffnungsschimmer gibt.

„Na ja, und weil dieser Hoffnungsschimmer im Leben nicht immer so leicht zu erkennen ist, gibt es eben die Symbole, die wir notfalls eben auch in der Hosentasche mit uns herumtragen können und sie somit immer griffbereit sind.“

…Also muss ich mir an Gefühlsdusseltagen um Frauchen keine Sorgen machen, Ur-Oma?… „Nein, musst du nicht, mein Lieber. Diese Tage sind für dein Frauchen wie für ein Auto die Tankstelle. Sie füllt damit ihre Energien wieder auf und du wirst sehen, es wird nicht lange dauern und sie steht mit Oma in der Küche und sie backen lachend und schwatzend wieder einen leckeren Kuchen für uns alle.“ …schnüfff…ich glaub` ich kann ihn schon riechen…Kuchen – ein Symbol ganz nach meinem Geschmack…schleck…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Menschen mit Handicap

Spätestens in den Nachrichten erwischt selbst den unsportlichsten Zeitgenossen auf dem Weg zum Wetterbericht, der Sport und mit ihm auch die olympischen Winterspiele. Ne, mit Sport hab` ich es nicht, aber den anderen dabei zuzusehen, kann ich vertreten …schmatz …knister …raschel …knurps …!???… Die Paralympics allerdings erstaunen mich jedes Mal aufs Neue…hust…da bleiben mir vor Aufregung auch schon mal die Chips fast im Hals stecken. WAHNSINN was die Teilnehmer da alles an Leistung erbringen – und das sollen alles behinderte Menschen sein?

Oooopaaaa!…man wo steckt der denn schon wieder? Oooopaaa!…nie da, wenn man ihn dringend braucht… „Was willst du denn schon wieder Herr Cater?“ …Schau dir das an. Schon wieder eine Goldmedaille. Wie machen die das nur, die Behinderten? „Na, wie alle anderen Sportler auch. Sie geben ihr Bestes.“ …ja aber es heißt doch immer Behinderte, also Menschen mit Handicap sind nicht so normal wie gesunde Menschen…???… „Nein, mein Lieber. Sie sind so normal wie du und ich, auch wenn sie in mancherlei Hinsicht ein wenig anders sind – das geht uns aber allen so.“ …geht das auch ein bisschen genauer?… „Na schön, dann will ich es dir erklären.“

Menschen mit Behinderung aus der Sicht der Gesellschaft

In unserer Gesellschaft haben wir ein festgelegtes Bild von einem gesunden Menschen. Alles was davon abweicht, sehen wir im besten Fall als anders, als Handicap, als Behinderung und im schlimmsten Fall als krank.

Fragt man sie selbst, stellt man immer wieder fest, dass diese Einordnung ihres anders Seins sie sehr verletzt, da sie es als Abwertung empfinden. Krank sein, hört sich im Sinne der Einordnung „Behindert“ auch eher wie „kaputt sein“ an. Schon bei der Geburt eines Kindes sind alle glücklich, wenn es zwei Arme, zwei Beine, zehn Finger und zehn Zehen hat – alles dran was ein gesundes Kind braucht. Fehlt etwas, z.B. ein Arm, scheint unser Denken seine Informationen aus der Schublade „kaputte Dinge“ zu ziehen: Fehlt der wertvollen Porzellanpuppe ein Arm, ist sie kaputt und damit nicht mehr so viel wert.

Menschen mit Behinderung aus ihrer eigenen Sicht

Die meisten Behinderten sehen ihr Handicap eher als Herausforderung im normalen Leben. Normal deshalb, da sie mit ihrer Behinderung ein ganz normaler Mensch sind, der wie wir alle im Leben bestehen muss. Sie sehen die Hilfe, die sie benötigen um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen an, wie jemand „gesundes“, der mal eben den Elektriker ruft, weil sein Herd nicht mehr funktioniert oder den Mann vom Schlüsseldienst braucht um wieder in seine Wohnung zu kommen, da er seinen Schlüssel nicht finden kann.

Eine Behinderung ist nicht schön, aber mit der richtigen Einstellung dazu, lässt sich ein Leben durchaus bewältigen. Jeder für sich muss nur die Lösungen suchen, die sein Handicap ausgleichen. Egal ob man dafür z.B. die Braille-Schrift lernt, mit den Füßen schreibt oder auch ein Auto nach den eigenen Bedürfnissen umbaut. Ein Handicap zu haben bedeutet, offen zu sein für die Möglichkeiten und Menschen, die es einem ermöglichen die Ziele zu erreichen, die man sich steckt.

Handicaps sind so eine Sache

Manche haben es von Geburt an, andere bekommen es im Laufe ihres Lebens durch Unfall oder Krankheit und wieder andere haben eines und wissen es scheinbar gar nicht. Dann gibt es noch die Spezialisten, die Handicaps an sich sehen, wo es offenkundig gar keine gibt. Fazit: Den perfekten Menschen gibt es nicht. Auch ist nicht jedes Handicap für jeden eine Behinderung.

Einerseits gibt es Menschen, die malen mangels Armen, die schönsten Bilder mit ihren Füßen. Andererseits gibt es aber Menschen mit zwei gesunden Armen, die nicht in der Lage sind ein schönes Bild zu malen. Stellt sich die Frage: Wer bitte hat denn jetzt das größere Handicap? Geht es darum wer von beiden ein guter Maler sein will, ist es wohl eher der gesunde Mensch, der hier ein Handicap hat, denn für das Malen braucht es in erster Linie Talent.

Was wir von Menschen mit Behinderung lernen können

Das wichtigste von allem: Ein Handicap ist keine Krankheit! Im Gegenteil. Wer das was er nicht hat bzw. nicht kann, nicht immer gleich als Weltuntergang sieht, hat eine reelle Chance ein ganz normales Leben zu führen.

Das zweitwichtigste: Wer trotz Handicap ganz frech ein normales Leben führt, hat genug Zeit und Muße übrig, über die kuriosen Wege, die zu Zielen führen auch einmal herzhaft zu lachen. Humor, besonders der, bei dem man über sich selbst lachen kann, ist der beste Motor im Leben immer weiter vorwärts zu gehen und Hindernisse zu überwinden. Auch hilft er Gesprächsbarrieren zu überwinden und damit ganz neue Erkenntnisse zu erlangen.

Auf die Frage: „Wie schlimm ist es denn für dich seit deinem Unfall im Rollstuhl zu sitzen?“, bekommt man manchmal eine sehr unerwartete Antwort: „Bevor der Zug mir beide Beine abgefahren hat, saß ich am liebsten zu Hause herum und haderte mit meinem Leben, dass es stinke langweilig ist. Nach dem Unfall dachte ich mir, dass es jetzt bis zum Ende auch so bleiben wird. Eines Tages, erzählte mir ein Freund, dass er nach Spanien fahren wollte – ein bisschen Abenteuer erleben und das Land kennenlernen. Tja, da konnte ich nicht mit – Rollstuhlfahrer. Da hat mein Freund angefangen herzhaft zu Lachen. Warum? Dass ich nicht mit nach Spanien fahren kann, läge nicht an meinem Rollstuhl, dafür gäbe es genug Lösungen, die man gemeinsam umsetzen kann, nein, mein Problem sei einzig meine Faulheit – wie vor dem Unfall. Recht hatte er. Jetzt sind meine Reisen zwar aufwendiger als sie vor dem Unfall je gewesen wären, aber dafür habe ich seit meinem Unfall mehr Länder gesehen als zuvor.“

…also das meinst du damit Opa, wenn du sagst, dass wir alle ein bisschen anders sind als andere und uns dadurch nicht wirklich von denen unterscheiden, die wir „behindert“ nennen… „Ja, ein Handicap ist nichts anderes als ein Hindernis im Leben, dass es zu überwinden gilt. Ein jeder von uns hat in irgendeiner Form ein Handicap und so manches davon hat auch seine Vorteile.“ …???… „Ach Herr Cater, glaubst du wirklich, dass ein Abfahrtsfahrer, in der Gruppe der Beinlosen, bei den Paralympics, im Gegensatz zu so manch anderem Skifahrer mit zwei gesunden Beinen, Angst haben muss, sich bei seinem Sport die Beine zu brechen?“ …jetzt wo du das sagst…die Sorgen im Leben hat er schon mal nicht…

…aber, Opa, wie ist es mit dem Tod? Ist der nicht das größte Handicap überhaupt? Er ist ja eine ziemlich endgültige Angelegenheit. „Sollte man meinen, mein Lieber. An dir und unserer Villa Geisterbund sieht man jedoch, dass selbst der Tod kein Hindernis ist, das man nicht irgendwie überwinden kann. Zu Lebzeiten dachte ich auch noch, dass nach dem Tod alles zu Ende ist. Doch wie man sieht – mein Handicap war meine mangelnde Vorstellungskraft. Da ist mir dein Frauchen ein gutes Stück voraus. Mit ihr überwinden auch wir Hindernisse, haben sogar einen eigenen Blog, sind auf Facebook, haben viele Freunde und Fans. Tja und selbst wenn uns einige für ein klein wenig gaga halten, haben wir gemeinsam viel zu lachen, haben uns und entdecken die Geheimnisse des Lebens immer wieder neu – auch wenn alles bei uns ein wenig anders ist als bei anderen.“

…solltet ihr mal probieren. Was? Mit anderen Handicappern über Euer Handicap reden. Wer weiß was für interessante Erlebnisse sich daraus in Eurem Leben ergeben…wenn es am Ende auch nicht für eine Medaille reicht – nette Leute kennen lernen, Spaß haben, neue Ziele und Ideen entwickeln, ist doch auch schon was… 

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Pflegenotstand

Nein, Krankheit, Sterben und der Tod sind keine schöne Sache. Wir hier in der Villa Geisterbund sprechen da aus Erfahrung! Dabei hatten viele bei uns das große Glück, bis zum Schluss bestens betreut worden zu sein. Doch wenn wir so verfolgen, was in der heutigen Zeit so alles zum Thema Pflege zu lesen, sehen und zu hören ist, platzt unsereiner auch schon mal der Kragen. Notstand und nichts als Notstand. Was läuft da falsch?

Die meisten in unserer Villa Geisterbund haben gepflegt um später dann selbst gepflegt zu werden – normal und nichts Besonderes. Zumindest dachten wir das bis jetzt immer. Neulich hat uns Groß-Tantchen die ganze Misere der heutigen Zeit dann einmal erläutert.

Wenn etwas Angst macht, geht man ihm aus dem Weg

Alte, Kranke und Sterbende Menschen verbindet man nicht unbedingt mit Freude. Im Gegenteil. Das woran sie uns erinnern und das jeden Tag aufs Neue ist der Tod. So gerne wir die Betroffenen zu besseren Zeiten auch gehabt haben mögen, jetzt konfrontieren sie uns mit unserem Erzfeind. Damit aber nicht genug. Sabbernd, stöhnend und mit allerlei Wunden gezeichnet, steigt uns der üble Geruch unserer Endlichkeit unaufhaltsam in unsere, doch sehr empfindliche Nasen. Nicht erst seit dem Brandner Kasper sind wir uns sicher, dass es vor dem Tod, egal wie clever wir sind, kein Entrinnen gibt. Unsere Reaktion darauf? Wie die kleinen Kinder hoffen wir, dass das was wir nicht sehen uns auch nicht sieht. Unser „nicht Hinsehen“ oder unser „Weglaufen“ vor dem Tod – daraus ist der Pflegenotstand gemacht.

Optimale Pflege

Unser aller Wunsch ist es, die für uns schwierige Zeit, in welcher Form auch immer, gut behütet, im Kreis unserer Lieben und auch würdevoll zu verbringen.

Früher tat die Familie alles in ihrer Macht stehende dafür ihren Mitgliedern diese Wünsche zu erfüllen. Ja auch Kinder bezog man in diesen Prozess der Pflege mit ein. Es war das Natürlichste von der Welt, dass alle ihren Beitrag leisten mussten und auch wollten. Jeder tat das was er konnte, so gut wie er konnte.

Ebenso wie mit der Pflege, hielt man es auch mit dem Sterben und dem Tod. Zwar hat man auch früher den Tod gefürchtet, aber zu heute gab es einen wesentlichen Unterschied und der lag im Sterben.

Im Sterbeprozess liegt Ehrlichkeit

Die Phase des Sterbens ist die wohl ehrlichste Zeit in unserem Leben. Zumindest sollte sie das sein. Warum? Jeder kennt die Situation, wenn ein nahestehender Mensch ohne Vorwarnung stirbt. Die Trauer ist groß und dass damit verbundene Leid, ihm/ihr nichts mehr von dem sagen zu können, was doch noch wichtig gewesen wäre, verschlimmert es noch.

Nichts mehr sagen, nichts mehr fragen können und des Abschiedes unwiederbringlich beraubt, sollten wir uns heute eine wichtige Frage stellen. Wollen wir das alles nur, weil wir es in dieser Situation nicht mehr können? Oder warum sonst, tun wir es dann immer seltener, wenn wir durch den Prozess des Sterbens die Möglichkeit dazu hätten?

Doch gerade in der Phase des Lebens, in der wir andere pflegen, erhalten wir durch die für alle Seiten ungewohnte Situation, die Möglichkeit gemeinsam Ängste zu überwinden und oft auch für beide Teile sehr bereichernde Gespräche zu führen und so manchen Konflikt aus der Welt zu schaffen.

Pflege ist ein voneinander lernen

Einerseits versucht der Pflegende Mut zuzusprechen und hilft dem Kranken bzw. Sterbenden die aufkommenden Unsicherheiten zu überwinden. Doch auch der Kranke bzw. Sterbende hilft oft dem Pflegenden, seine Unsicherheiten zu umschiffen. Beide lernen, dass Kommunikation auf viele Arten stattfinden kann. Undurchsichtige Situationen gemeinsam aushalten, Zeit miteinander haben oder einfach gemeinsam warten was geschieht.

Während der Pflegende an das Leben erinnert, lehrt der Kranke wie man mit Krankheit umgeht und der Sterbende zeigt, wie es geht das Sterben. Wer diese gegenseitige Vorbildfunktion vor Augen hat, weiß auch um die Verantwortung, die man, auf welcher Seite der Situation man auch in diesem Moment steht, dem anderen gegenüber hat.

Die Pflege ist einer der wichtigsten Berufe, die wir haben

Zum einen braucht es viel Erfahrung und Feingefühl im Umgang mit Menschen und ihren Bedürfnissen in sehr intimen Situationen. Menschen die pflegen zehren von ihrem hohen Wertebewusstsein, denn es ist nicht immer einfach persönliche Grenzen des anderen zu erkennen, bzw. diese an die Gegebenheiten unumgänglicher Situationen anzupassen.

Zum anderen vereint der Beruf des Pflegenden viele unterschiedliche Tätigkeiten in einem. Der Pflegende ist Vertrauensperson gegenüber der Macht des Arztes, er ist Freund, Familie, Helfende Hand, sehendes Auge, Trost in schweren Momenten, Vermittler, Medikamentengeber, Vorleser und neben noch vielen anderen Dingen, dass freundliche Gesicht, das einem jeden Tag die Hoffnung gibt in der Sekunde des Unvermeidlichen, Mut für den entscheidenden, letzten  Schritt zu haben.

Ja, Pflegende, auch die, die es nicht beruflich machen, haben allen Grund stolz auf sich und ihre Leistung zu sein. Alle anderen haben Grund genug anerkennend ihren Hut vor dieser Leistung zu ziehen.

Wenn man etwas wirklich will, dann findet sich auch ein Weg

Wer das Leben im Blick hat, sollte den Tod nicht scheuen. Beides ist nun einmal untrennbar miteinander verbunden.

Deshalb sollte auch in der Pflege gelten, was z.B. im Fußball ganz normal ist. Will ein Verein gute Spieler haben, lässt er sich das dann auch schon mal ein paar hundert Millionen Euro kosten. Ja, stolz ist man auf die Fußballspieler schon. Schließlich müssen sie bei jedem Spiel alles geben auch wenn es schon mal an ihre Substanz geht.

Doch auch bei großen Auktionen gilt, dass wenn man etwas unbedingt haben will, man bereit ist immense Summen zu bezahlen. Da wechseln schnell mal z.B. für ein Bild, ein Kleid, einen Brief einer bekannten Persönlichkeit oder ein Stück Kuchen von der Queen Tausende, wenn nicht sogar einige Millionen den Besitzer.

…Irgendwie hat Groß-Tantchen recht. Beispiele für unglaubliche Gagen, Gehälter und Preise gibt es mehr als genug. Geld genug gäbe es also um die Pflegenden, auf die wir stolz sind, angemessen für ihre Arbeit zu bezahlen und ihnen eine gute Ausbildung zu finanzieren um uns allen ein würdevolles und begleitetes Sterben zu ermöglichen.

Leider erkennt der Mensch nur in seltenen Dingen einen Wert. Je mehr es von etwas gibt, desto billiger wird es gehandelt. Wohl mit ein Grund warum wir scheinbar das Sterben als Massenware behandeln, statt zu begreifen, dass ein erfülltes, glückliches Leben, ohne Angst vor dem Tod, nur möglich ist, wenn wir das individuelle Sterben eines jeden Einzelnen lernen wertzuschätzen…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater