Archiv für den Tag: 20. August 2020

Resilienz schafft Möglichkeiten

Keine Ahnung wie es Euch geht, aber ich finde die Sache mit den Werten immer noch ganz schön paradox. Da gibt es ein dickes Buch, genannt BGB, das die Werte für alle gleich regeln soll und doch gibt es mit der Einhaltung und Auslegung immer wieder Probleme. Warum ist das so?…

„Weil der Mensch gerne Bedürfnisse mit Werten verwechselt.“ … also ehrlich Großtantchen, von dir als Krankenschwester hätte ich jetzt nicht gerade erwartet, dass du mir Kopfzerbrechen machst. Was soll das denn nun schon wieder bedeuten?… „In meinem Beruf, gerade auch in Kriegszeiten, habe ich viele Menschen gesehen, die im Angesicht ihres Todes schnell erkannt haben, worin der Unterschied besteht. Rückblickend auf ihr Leben, haben sie vieles was sie vorher für Werte hielten, als sinnlos oder vertane Zeit erkannt. Auch dagegen hilft die Resilienz.“ …wie meinst du das?…

„Das Leben ist auf die Existenz von Gegensätzen aufgebaut, die stets versuchen im Gleichgewicht zu bleiben. Nebenbei besteht Leben auch aus den unterschiedlichsten Systemen, die zeitgleich existieren.“ …???… „Ein gutes bildliches Beispiel dafür ist die Matroschka Puppe. Auf den ersten Blick sieht man eine große Puppe. Öffnet man sie kommt eine kleinere zum Vorschein. Öffnet man diese, findet man eine weitere etwas kleinere Puppe usw.“ …das erinnert mich an das Henne – Ei Problem und die gleichzeitige Existenz der Dinge. Damit hab` ich gelernt, kann ich mir bewusst machen, was ich neben meinem Problem, das ich lösen will, noch auf dem Schirm haben sollte. Aber was hat das mit Werten und Bedürfnissen zu tun?…

„Sehr viel. Das Henne – Ei Problem hilft dir auch zu verstehen, in welchem der vorhandenen Systeme du dich mit deinem Problem befindest.“ … und wofür ist das wichtig?… „Weil du nur in der Ebene des Ganzen, in der du dich befindest, ein Gleichgewicht erschaffen kannst. Denke an die Matroschka Puppe. Sie stecken zwar alle ineinander, aber jede Puppe für sich ist eigenständig, eine in sich geschlossene Einheit.“ …ach so. Du meinst damit also, dass es mir nicht das Geringste nutzt, wenn ich den Wolkenarrest, den ich mir durch meine falsch durchdachte Kuchenaktion eingehandelt habe, wieder geradebiegen will, auf besseres Wetter durch die großen Zusammenhänge zu hoffen. Besser wäre es, in meinem System zu bleiben und fleißig zu lernen, damit mir sowas nicht nochmal passiert… „Ja, so kann man das sagen.“ … trotzdem. Das mit den Werten und Bedürfnissen versteh` ich immer noch nicht so ganz…

„Da geht es dir wie so vielen Menschen. Dabei ist es, wenn man der Resilienz folgt, gar nicht einmal so schwer.“ … da bin ich jetzt mal gespannt… „Der Mensch sieht sich gerne als Teil, der Ebene des Universums und der Erde. Im Prinzip ist er das auch, aber anders als er denkt. Übertragen auf unser Beispiel der Matroschka Puppe, ist er zwar Teil der großen Puppe, aber eben nur in Form einer der kleineren Puppen. Er ist nicht die Große. So ist der Gegensatz, indem er ein Gleichgewicht schaffen kann, nicht das Universum und die Erde, sondern die „Puppe“, das System mit dem Namen „Mensch“, dass sich in der Puppe „Natur“ befindet. Die Gesetzmäßigkeiten in der Puppe „Natur“ sind die gleichen wie in der Puppe „Mensch“.“ … daher kommt wohl der alte Spruch „Es ist im Großen wie im Kleinen“ … „Ja und deshalb können wir auch von der Natur viel über Resilienz lernen.“ …???…

„Die Natur strebt nach Entwicklung, wohl wissend, dass diese immer wieder den Einwirkungen der größeren Systeme, wie Universum und Erde, unterworfen ist. Um trotz dieser Einwirkungen, immer wieder in ein Gleichgewicht zu finden, hat die Natur gelernt, dass ihr größter Wert in der Vielfalt besteht.“ … warum?… „Weil die Vielfalt der Natur, die Möglichkeiten sichert, das Gleichgewicht zu schaffen, dass sie für ihre Entwicklung braucht. Nimm einmal die Pflanzen. Es gibt so viele verschiedene Arten. Die einen brauchen viel Wasser um zu überleben, die anderen wenig und wieder andere kommen mit beidem zurecht. Da all diese Pflanzen, wenn auch in unterschiedlichen Regionen, gleichzeitig existieren, tragen sie zur Sicherheit der Entwicklung bei. Sind die Einflüsse so, dass es an einem Ort eine Dürre gibt, sorgen Pflanzen an anderer Stelle dafür, dass Tier und Mensch überleben können, auch wenn sie dafür z.B. wandern müssen. Doch nicht nur in der Art, sondern auch in der Funktion setzt die Natur auf Vielfalt. Der Löwenzahn z.B. wächst nicht nur an den unwegsamsten Orten, er bietet Mensch und Tier auch Nahrung und gilt als wirksame Naturarznei. So lindert er z.B. Ekzeme, Akne, Harnwegsbeschwerden und regt den Körper zum Entgiften an.“

… das bedeutet dann also, dass die Natur alles innerhalb ihres Systems wertschätz, da sich das kleinste, unscheinbarste Etwas, je nach Einfluss der großen Systeme, im Fall des Falles als nützliche Möglichkeit für den Erhalt des Gleichgewichts und damit der Entwicklung, herausstellen kann. So kann ein und dieselbe Pflanze der Natur helfen, Vegetation zu erhalten, um z.B. Boden-Erosion zu verhindern und bei Bedarf für Nahrung und Gesundheit sorgen…??!… das heißt aber doch jetzt auch, dass es der Natur in erster Linie nur um die Entwicklung des Ganzen und nicht um die des Einzelnen, z.B. den Löwenzahn, geht!??… „Das genau ist der Grund, weshalb der Mensch die Natur auch gerne für grausam hält.“ … ganz nach dem Motto: wer sich im Kleinen verzettelt, riskiert die Sicherheit des Ganzen… na super… aber irgendwie interessant der Gedanke, dass für die Natur ein kleiner Löwenzahn den gleichen Wert hat wie Mensch und Tier. Wenn das aber so ist, warum macht der Mensch dem Löwenzahn dann mit Pestiziden den Gar aus?…

„Weil der Mensch in seiner emotionalen Wahrnehmung sich selbst als den größten Wert wahrnimmt. Als Hasenbesitzer wird er den Löwenzahn deshalb als Futterpflanze schätzen. Als Chemiegegner schätzt er ihn als natürliches Hausmittel. Doch als Liebhaber eines englischen Rasens wird er ihn gnadenlos bekämpfen. Statt, wie die Natur den Wert in der Vielfalt des Ganzen zu sehen, sieht er den Wert in der Vielfalt seiner Bedürfnisse. Da bleibt es nicht aus, dass er seine Welt in „gut“ für ihn und „schlecht“ für ihn einteilt. Damit begrenzt er aber auch die Möglichkeiten mit den jeweilig auftretenden Einwirkungen, gut umgehen zu können. Um sein Überleben dadurch nicht zu gefährden, richtet er, im Gegensatz zur Natur, seine Entwicklung auf die Vielfalt seiner Fähigkeiten aus, mit denen er glaubt, die Einflüsse, die auf ihn einwirken, nach seinen Bedürfnissen verändern zu können.“ … is ja irre. Da vernichtet der Mensch jede Menge Möglichkeiten, die ihm beim Überleben helfen könnten, nur um seine ganze Energie auf die Entwicklung von Fähigkeiten zu setzen, die letztendlich einzig und allein dazu beitragen, seine Möglichkeiten, mit denen er trotz der Einflüsse überleben kann, noch mehr zu begrenzen. Denn die ganze Aktion schafft ja noch mehr „gut“ für mich, „schlecht“ für mich…

„Du siehst, Herr Cater, die wichtigste Fähigkeit des Menschen sollte die Resilienz sein, denn sie befähigt uns, neben unseren Bedürfnissen auch das Große und Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.“ … ich habe es verstanden, Großtantchen – ich lerne brav weiter. Aber meinst du, die Resilienz hätte etwas dagegen, dass bevor ich das tue, ich mein Bedürfnis nach Milch und Kuchen stille?… „Solange du damit nicht die Welt verändern willst, sondern es als Motivation fürs Lernen siehst, bestimmt nicht.“ … schleck… du bist die Beste…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater