Archiv für den Monat: Juni 2020

Resilienz

… rülps … fühlt sich an, als wäre ich, vollgefressen wie ich bin, bereit für die nächste Lektion. Einer von Euch hat mir neulich geschrieben, dass die Herr Cater Texte bei ihm manchmal Gehirngulasch verursachen. Während daraufhin Frauchen prüfend die Augenbraue nach oben gezogen hat, hielt sich Opa vor Lachen den Bauch. Ur-Oma sah es wie üblich eher pragmatisch: „Ein typischer Herr Cater Leser ist eben wissenshungrig. Ob Fleischwurst, Eiersalat oder Gehirngulasch, geschmacklich mit ein paar Humoralien verfeinert, ergibt das optimale Voraussetzungen für effizientes Lernen und ein gutes, da schmackhaftes Leben.“

… mal gespannt was uns Ur-Opa heute wieder kredenzt. Obwohl ich das Letzte Mal dachte, die Sache mit „Logik, leicht – beschützen“ und „Emotion, schwer – behüten“ verstanden zu haben, bin ich doch ins Grübeln gekommen. Ähnlich wie beim Essen, wenn ich mir etwas lecker Aussehendes, einverleibe und mich im Nachhinein frage, wonach das jetzt genau geschmeckt hat, geht es mir mit dem, was mein Hirn so von sich gibt, auch oft. Im ersten Moment klingt logisch, was auf den zweiten Blick verwirrt. Warum? Ganz einfach. Emotionen und das Behüten, bringen wir doch eher mit Frauen in Verbindung, während wir die Logik und das Beschützen, den echten Kerlen zuschreiben. Nach der Leicht – Schwer Formel würde das allerdings bedeuten, dass man „leicht“ den Männern und „schwer“ den Frauen zuordnen müsste. Wie geht das dann jetzt mit der „schweren“ Arbeit der Männer und dem „leichten“ Haushalt der Frauen zusammen? … „Herr Cater!“ … tschuldigung Oma. Das war mein Wissenshunger auf der Suche nach Gulasch…

„Bevor du dich wieder mit Oma anlegst, erkläre ich es dir wohl besser.“ … ich bin gespannt, Ur-Opa … „Es geht hier nicht um die Voraussetzungen, also Frau oder Mann, sondern darum, warum dir, in deinem Handeln, manches schwer und manches leichtfällt und wie du dir das, was dir schwerfällt, leichter machen kannst.“ … und wie geht das? … „Die Formel dafür lautet: je besser du etwas kannst und je mehr du magst, was du tust, desto leichter fällt es dir zu handeln.“ … das bedeutet, dass wenn ich ein guter Esser bin und gerne mit euch Brotzeit mache, es mir leichtfällt, keinen Happen übrig zu lassen?! … „So könnte man es auch formulieren. Kannst du mir jetzt auch erklären, warum aus einem verfressenen und oft unbelehrbaren Kater wie dir ein Musterschüler geworden ist?“ … mmhhh … seit ich erkannt habe, dass Lernen bei euch mit Extra-Happen belohnt wird, bin ich lernhungrig geworden. Allerdings fällt Lernen an sich schon noch manchmal schwer. Wird das irgendwann auch leichter? … „Bestimmt. Spätestens wenn du verstanden hast, wie du dich durch Resilienz wieder aus Krisen befreien kannst.“ … ist das der Schinken über die psychische Widerstandskraft in Frauchens Bücherregal? Das sag ich dir gleich, Ur-Opa, der ist mir zu hoch … „Keine Angst, den kann man auch katergerecht erklären – ja, inklusive Motivationshäppchen.“ … meine Ohren sind bei dir … knurps …

„Resilienz ist einfach ausgedrückt, die Fähigkeit, zwischen Emotion und Logik, je nach Bedarf, hin und her schalten zu können. So gelingt es, die Wahrnehmung und die Entwicklung auf einer gemeinsamen und stabilen Ebene zu halten – die Grundvoraussetzung für ein gutes Leben.“ … und warum sollte die beiden im Gleichgewicht sein? … „Die Wahrnehmung prägt unsere Emotionen, die wiederum unser Handeln beeinflussen. Unser Handeln andererseits beeinflusst die Entwicklung, die über das was wir wissen, bzw. lernen, bestimmt. Am Ende färbt das, was wir durch unser Lernen verstehen, unsere Wahrnehmung. Kommt das Ganze in ein Ungleichgewicht, stimmt unsere Wahrnehmung nicht mehr mit der tatsächlichen Entwicklung überein.“ … und wie sieht so ein Ungleichgewicht im Leben aus? … „Das siehst du sehr gut daran, wenn du beobachtest, wie die Menschen mit der Corona Krise umgehen. Sie sehen ihre Rechte bedroht, statt zu erkennen, dass die Beschränkungen sie vor dem Virus schützen sollen. Statt zu begreifen, dass aus der Massentierhaltung und den Schädigungen der Umwelt, die Bedrohung für ein Auftauchen eines neuen Virus, extrem steigt, erhöhen sie z.B.  lieber die Fleischpreise und schaffen neue Gesetzte, die eine Massentierhaltung weiter möglich machen. In Sachen Umwelt ist das genauso. Urlaub, Party machen und all die Dinge, an denen der Mensch in seiner Wahrnehmung, Freude hat, verfälschen den Blick auf das, wohin die Entwicklung führt, wenn sich nichts ändert.“

… knurps … das bedeutet also, dass wenn ich meine Wahrnehmung auf die wichtigen Werte im Leben richte und diese mit positiven Emotionen fülle, erkenne ich, was ich für eine positive Entwicklung tun kann. Dadurch lerne ich wiederum viele Dinge über das Leben, mich und mein Handeln, was wiederum meine Wahrnehmung schult und damit das notwendige Gleichgewicht zur Entwicklung herstellt… knurps … knurps … dann wäre die Sache mit dem Paradox und der Resilienz ein Zusammenspiel von Erkenntnis und Lösung. Das Paradox zeigt mir wo der Ursprung des Problems liegt und damit genau die Stelle, an der die Lösung am leichtesten ist. Die Resilienz hilft mir Wahrnehmung und Entwicklung im Gleichgewicht zu halten. Wenn mein Leben im Gleichgewicht ist, geht es mir gut. Da ist es dann auch leichter einmal Wege zu gehen, die nicht gleich Begeisterungsstürme in mir auslösen. Ganz nach dem Motto: wenn es meinen Emotionen gut geht, kann ich mich voll und ganz auf die Logik konzentrieren…

„Du wolltest doch eigentlich sagen, dass wenn dem Ur-Opa die Schleckerlies nicht ausgehen, dann lernt sogar ein Herr Cater dazu.“ … mööhhh… ein bisschen Sicherheit brauchen meine Emotionen schon um im Gleichgewicht zu bleiben. Hat die Resilienz sowas auch im Gepäck? … „Hat sie. Davon erzähl ich dir dann nach der Brotzeit. Ja auch ein Ur-Opa hat hin und wieder Hunger.“ … da bin ich dabei … schmatz…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Emotion vs Logik

Seit meiner letzten Lehrstunde bei Ur-Oma, frage ich mich, warum an den einfachsten Lösungen, scheinbar die meisten Probleme hängen. Aber irgendwie muss ja aus leicht, schwer werden, wenn das Paradox weiter existieren will. Weniger ist mehr, hab` ich ja anhand meiner Lernhäppchen verstanden. Da geben viele kleine Portionen ja am Ende auch mehr als ein einziges großes Stück vom Kuchen. Vielleicht liegt der Ursprung des Fehlers gerade da. Ich kann mich noch an eine Geschichte aus dem Bibelbuch erinnern. Da hat Gott dem Moses 10 einfache Gebote mit auf den Weg gegeben, damit die Menschen gut durchs Leben kommen. Vergleicht man das mit den unzähligen dicken und komplizierten Gesetzesschinken von heute, die unser „gutes“ Leben regeln, … groaarr… krieg ich Hunger. Für eine deftige Brotzeit ist es noch zu früh, aber Ur-Opa hat immer ein paar Schleckerlies in seiner Jacke.

Warum macht mich Lernen eigentlich immer so hungrig, Ur-Opa? … „Weil Wissen, wenn es dir nutzen soll, auch verarbeitet werden muss, Herr Cater.“ … Aber es hat doch nicht jeder Hunger, wenn er lernt…???… „Stimmt. Während du hungrig wirst, haben andere z.B. ein gutes, schlechtes oder mulmiges Gefühl im Magen. Trotz der Unterschiedlichkeiten, reagiert der Magen bei allen, auf Emotionen, die das Lernen auslöst.“ … wieso das? … „Das Gehirn, funktioniert ähnlich wie eine Kamera. Es nimmt ständig Eindrücke, Ereignisse und Gelerntes auf und speichert sie. Wenn sich etwas wiederholt, werden Informationen aktualisiert und Lernprozesse auf den neuesten Stand gebracht. Allerdings bewertet dein Gehirn diese Informationen nicht. Das übernehmen die Emotionen. Da diese aber von deiner eigenen Wahrnehmung abhängig sind, können sie, bei jedem unterschiedlich ausfallen. Während du bei dem Wort „Gesetzesschinken“, verfressen wie du bist, Hunger bekommst, hat der gewiefte Anwalt ein gutes Bauchgefühl für seine nächste Verhandlung und dem faulen Jura Studenten, dreht sich der Magen um, wenn er an die bevorstehende Prüfung denkt. Das einzig deshalb, weil jeder im Zusammenhang mit dem Wort „Gesetzesschinken“ andere Erfahrungen verbindet. Du verbindest das Wort mit leckerem Schinken – der Hunger stellt sich ein. Der Anwalt verbindet es mit seinem Wissen, um den Prozess zu gewinnen – er hat ein gutes Gefühl. Der Student verbindet es mit seiner Abneigung zum Lernen – sein Gefühl ist ein negatives.“

… und wie hängt das alles jetzt mit dem Paradox „Leicht kann manchmal ganz schön schwer sein“ zusammen? Ich meine, wenn man doch erkannt hat, dass Massentierhaltung uns mehr schadet als nutzt, gebietet doch die Logik, dass man sie einfach abschafft – basta! … „Das wäre sicher so, wenn da nicht die unterschiedlichen Erfahrungen und damit die unterschiedlichen Emotionen, der Einzelnen mit diesem Thema, wären. Beispiele gibt es da viele. Die Fleischindustrie sieht die Massentierhaltung positiv, da sie gutes Geld damit verdienen kann. Arbeiter finden sie gut, da sie dadurch einen Arbeitsplatz bekommen und ihre Familien ernähren können. Viele Verbraucher finden sie gut, denn sie haben so die Möglichkeit, täglich, günstig Fleisch zu kaufen und so Geld für andere Wünsche zu sparen. Tier- und Umweltschützer finden sie nicht gut, da sie das Wohl der Tiere und die intakte Umwelt in Gefahr sehen.“ … das heißt also, dass wenn ich gegen die Massentierhaltung bin, ich im Grunde auch gegen das bin, was andere in ihrem Leben gut finden. Ist das ist der eigentliche Grund, warum Tier- und Umweltschutz nicht funktionieren? … „Ja, Herr Cater.“ … kann man das denn so gar nicht ändern? … „Doch, indem wir erkennen, zu welchem Ursprung uns dein Paradox führt. Dort ist das Problem ja bekanntlich am leichtesten zu lösen.“ … und wo ist der Ursprung? …

„Denk nach, Herr Cater! Wie war das bei dir, als Oma dich am Kragen gepackt und in den Wolkenarrest gesperrt hat, um zu verhindern, dass du den Kuchen für das Kaffeekränzchen ruinierst?“ … ich war stinke sauer … fauch … „Und warum?“ … weil ich nichts vom Kuchen abbekommen habe und ich mich nicht mehr bewegen konnte, wie ich es gewohnt war … „In deinen Augen hat Oma dir genommen, was du für gut befunden hast und es dir damit wichtig war.“ … äh … ja … zumal ich damit Opa helfen wollte Kalorien zu sparen, wenn ich ihm beim Kuchen essen helfe – ich wollte ja eigentlich nichts Böses … „Wie siehst du die Situation heute?“ … es ist besser mit meiner Kalorienhilfe für Opa zu warten, bis er ein Stück Kuchen auf seinem Teller hat. Auch hab` ich gemerkt, dass mein Lernen mit vielen kleinen Häppchen belohnt wird, was in der Summe mehr ergibt als ein Sprung in den Kuchen. Aber was hat das Ganze mit dem leicht und schwer Paradox zu tun? Könnte ich vielleicht ein Schleckerlie als Denkhilfe haben? … knurps … knurps … „Und?“

… kann es sein, dass es leicht ist etwas zu tun oder nicht zu tun, wenn ich der Logik folge?! Sprich warten bis Opa Kuchen auf seinem Teller hat. Dann kann ich mich auf die Entsorgung seiner Kalorien konzentrieren und nehm` sie, wie im großen Kuchen, niemandem anderen weg. Es ist dagegen schwer etwas zu tun oder nicht zu tun, wenn ich meiner Emotion, der Angst folge, etwas zu verlieren oder zu kurz zu kommen?! … „Genauso ist es. Ähnlich dem Unterschied zwischen „Behüten“ und „Beschützen“, den du in deinen Lektionen ja schon kennengelernt hast.“ … das bedeutet dann, dass die Logik, das „Leichte“, für das „Beschützen“ steht, während die Angst, das „Schwere“, für das Behüten steht.

Groarrr … Hört sich so an, als wären sich meine Logik und meine Emotionen gerade einig. Es muss dringend ein Mittagessen her, wenn da noch mehr Lernstoff zu bewältigen ist, Ur-Opa. Wie ich dich kenne, hast du nämlich auch eine „aus schwer mach leicht“- Lektion in der Hinterhand. „Natürlich.“ … wie solls auch anders sein…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater