Archiv für den Tag: 18. Juni 2020

Der kleine Falke – ein Meister in Sachen Resilienz

Das ist wieder einmal typisch Villa Geisterbund. Da komm` ich stolz wie Bolle von der Rettungsaktion des kleinen Falken zurück auf meine Wolke, freu mich über den reichlich gedeckten Kaffeetisch und all die Wolkenmitbewohner, die nicht dabei waren, aber dadurch jetzt gute Zuhörer für meine Falken – Abenteuer – Geschichte abgeben und dann das… mööhhh… Was passiert ist? Das kann ich Euch sagen. Statt sich einfach mit mir zu freuen, dass der kleine Falke wieder in seinem Nest sitzt und ich von meinem Ausflug jede Menge geschichtliches Wissen über Kirche und Stadt mitgebracht habe, kommt Großonkelchen Oberlehrer um die Ecke und fragt: „Welche Lektion hat dir das Leben mit dieser Aktion erteilt?“ …???… Das war bei mir so in etwa der Moment, wie bei Euch, wenn Ihr zu der Auffassung kommt, dass Ihr grad einen Text, trotz Bemühen, nicht verstanden habt und es wohl nötig ist, ihn ein zweites oder auch drittes Mal zu lesen. Ich kann Euch beruhigen, es ist keine Schande. Großonkelchen ist der Meinung, wir sollen hier ja auch nicht nur lesen, sondern lernen!

Mein Versuch die Kurve noch zu kriegen, ließ mich erwähnen, dass ich, auch in schwierigen Lebenslagen, wie der kleine Falke, immer mein Ziel im Auge haben sollte und das jedes Leben etwas wert ist. Wenn ich im Leben etwas gut gemacht habe, gibt es auch in irgendeiner Form eine Belohnung für mich. Hier bekomme ich von meinen Mitbewohnern das ein oder andere Häppchen fürs Lernen und für die Falkenhilfe gab es Geschichtsunterricht. Hättet Ihr auch so gesagt? Na, dann freut Euch mal nicht zu früh. Großonkelchen konterte nämlich mit dem Spruch: „Klingt wie in der Schule das Mathegenie, das im Leben eins und eins nicht zusammenzählen kann, Herr Cater!“ Ich gebe es ja zu. Es war das …Fauch… das mir in diesem Moment entwischt ist, was uns den heutigen Teil 5 unserer Lektionen diesen Monat eingebracht hat. Nachsitzen … pfhhhh…

„Ich würde es eher als Chance bezeichnen, dein Wissen zu vertiefen. Denn das beste Wissen nutzt dir nichts, wenn du im Leben nicht erkennst, wo du es nutzbringend für dich einsetzen kannst.“ … na schön. Und was ist jetzt bitte meinem Blick in puncto Lektion vom Leben entgangen? … „Der kleine Falke hat dir sehr viel über Resilienz gezeigt.“ … ??? … der kann doch noch nicht einmal fliegen! Woher weiß der was über Resilienz? Unterrichtet ihr den heimlich oben auf dem Kirchturm? … „Nein, bei ihm sorgt die Natur dafür.“ … wie muss ich das wieder verstehen? Ich bin doch auch Natur – so als Kater. Warum hilft mir die Natur dann nicht, dass ich die Sache mit der Resilienz besser kapiere?…

„Das liegt wohl daran, dass du dich im Laufe deines Lebens, wie die Menschen, zu sehr auf deine Emotionen konzentriert hast. Die Natur folgt in erster Linie der Logik, während der Mensch von seinen Emotionen geprägt ist. Dennoch besitzt die Natur Emotionen und der Mensch Logik. In beiden Fällen sorgt die Fähigkeit der Resilienz dafür, dass Emotionen und Logik immer wieder ins Gleichgewicht finden.“ … geht`s ein bisschen genauer?…

„Nimm den kleinen Falken. Die unfreiwillige Ankunft im Gewölbekeller, bedeutet für ihn eine Krisensituation. Von jetzt auf gleich, ist nichts mehr wie vorher. Er ist allein, im Keller ist es dunkel, er ist von seiner Familie getrennt und an Nahrung zu kommen ist unmöglich. Durch das Gitter des Kellerfensters kann er zwar nach draußen schauen und seine Familie auch hören, aber der Weg in die Freiheit ist ihm versperrt. Sicher hat der kleine Falke in dieser Situation Angst. Würde er in dieser Situation seiner Emotion der Angst folgen, würde er wie wild umherflattern und schreien. Dieses Handeln würde dazu führen, dass er seine Energiereserven verbraucht und die Gefahr einer Verletzung erhöht. Sein natürlicher Instinkt, das was wir Logik nennen, sagt ihm, dass es besser für ihn ist, wenn er ruhig am Gitter sitzen bleibt. Auch wenn ihm dieses Verhalten noch keine Lösung für sein Problem bringt, spart es ihm wertvolle Energie und damit Zeit, in Ruhe auf eine Lösung zu warten. Das Eintreffen der Menschen, die ihm ja eigentlich nur helfen wollen, vergrößert seine Krisensituation. Wer ist das? Was haben die mit mir vor? Für den kleinen Falken ein Moment mit vielen neuen Unsicherheiten. Würde er sich jetzt auf seine Emotion, die Angst, konzentrieren, würde er erneut Energie verbrauchen und durch aufgeregtes Flattern und dem Versuch den Menschen zu entfliehen, sein Verletzungsrisiko erhöhen.“

… du willst also sagen, dass er in der unsicheren Situation, stattdessen seine Fähigkeit der Resilienz nutzt, um statt seiner Emotion, seinem Naturinstinkt zu folgen. So bewahrt er trotz der für ihn bedrohlich erscheinenden Situation die Ruhe… „So ist es. Damit ermöglicht er es den Menschen, ihm zu helfen ohne ihn zu verletzen. Zwar ist auch der Weg in den Transportkorb für ihn eine unbekannte Erfahrung, aber da seine Emotion, die Angst nicht über sein Handeln bestimmt, merkt der kleine Falke sehr schnell, dass ihm nichts Schlimmes passiert und gibt den Menschen so die Chance ihm zu helfen.“ … heißt das jetzt Emotionen sind schlecht? … „Nein. Als Mahnung in einer unbekannten Situation vorsichtig zu sein, ist sie sogar wichtig. Sie schärft unsere Wahrnehmung. Damit erhöht sich allerdings auch das Risiko, wenn wir diese nur auf unsere Emotionen richten, dass aus anfänglicher Angst, ganz schnell Panik wird. Bildet sie die Grundlage für unser Handeln, führt das oftmals zu Fehlentscheidungen und das kann fatale Folgen für uns haben.“ … ach so. Damit das nicht passiert, gibt es die Resilienz. Die nutzt dann quasi unsere, durch die Angst gesteigerte Wahrnehmung, um uns in Erinnerung zu bringen, was wir alles Wissen und dieses zur Grundlage unserer Entscheidungen zu machen. Dies führt zu besseren Entscheidungen und hilft uns optimale Lösungen in Krisensituationen zu finden…

„Genauso ist es, Herr Cater.“ … aber was mache ich, wenn ich kein so ein Naturtalent in Sachen Resilienz bin, wie der kleine Falke?… „Dann kannst du durch fleißiges Üben auch zu einem Meister in Resilienz werden.“ … und wie übt man das?… „Das erfährst du das nächste Mal. Jetzt lass uns Brotzeit machen.“ … jauuu…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater