Archiv für den Tag: 11. Juni 2020

Resilienz

… rülps … fühlt sich an, als wäre ich, vollgefressen wie ich bin, bereit für die nächste Lektion. Einer von Euch hat mir neulich geschrieben, dass die Herr Cater Texte bei ihm manchmal Gehirngulasch verursachen. Während daraufhin Frauchen prüfend die Augenbraue nach oben gezogen hat, hielt sich Opa vor Lachen den Bauch. Ur-Oma sah es wie üblich eher pragmatisch: „Ein typischer Herr Cater Leser ist eben wissenshungrig. Ob Fleischwurst, Eiersalat oder Gehirngulasch, geschmacklich mit ein paar Humoralien verfeinert, ergibt das optimale Voraussetzungen für effizientes Lernen und ein gutes, da schmackhaftes Leben.“

… mal gespannt was uns Ur-Opa heute wieder kredenzt. Obwohl ich das Letzte Mal dachte, die Sache mit „Logik, leicht – beschützen“ und „Emotion, schwer – behüten“ verstanden zu haben, bin ich doch ins Grübeln gekommen. Ähnlich wie beim Essen, wenn ich mir etwas lecker Aussehendes, einverleibe und mich im Nachhinein frage, wonach das jetzt genau geschmeckt hat, geht es mir mit dem, was mein Hirn so von sich gibt, auch oft. Im ersten Moment klingt logisch, was auf den zweiten Blick verwirrt. Warum? Ganz einfach. Emotionen und das Behüten, bringen wir doch eher mit Frauen in Verbindung, während wir die Logik und das Beschützen, den echten Kerlen zuschreiben. Nach der Leicht – Schwer Formel würde das allerdings bedeuten, dass man „leicht“ den Männern und „schwer“ den Frauen zuordnen müsste. Wie geht das dann jetzt mit der „schweren“ Arbeit der Männer und dem „leichten“ Haushalt der Frauen zusammen? … „Herr Cater!“ … tschuldigung Oma. Das war mein Wissenshunger auf der Suche nach Gulasch…

„Bevor du dich wieder mit Oma anlegst, erkläre ich es dir wohl besser.“ … ich bin gespannt, Ur-Opa … „Es geht hier nicht um die Voraussetzungen, also Frau oder Mann, sondern darum, warum dir, in deinem Handeln, manches schwer und manches leichtfällt und wie du dir das, was dir schwerfällt, leichter machen kannst.“ … und wie geht das? … „Die Formel dafür lautet: je besser du etwas kannst und je mehr du magst, was du tust, desto leichter fällt es dir zu handeln.“ … das bedeutet, dass wenn ich ein guter Esser bin und gerne mit euch Brotzeit mache, es mir leichtfällt, keinen Happen übrig zu lassen?! … „So könnte man es auch formulieren. Kannst du mir jetzt auch erklären, warum aus einem verfressenen und oft unbelehrbaren Kater wie dir ein Musterschüler geworden ist?“ … mmhhh … seit ich erkannt habe, dass Lernen bei euch mit Extra-Happen belohnt wird, bin ich lernhungrig geworden. Allerdings fällt Lernen an sich schon noch manchmal schwer. Wird das irgendwann auch leichter? … „Bestimmt. Spätestens wenn du verstanden hast, wie du dich durch Resilienz wieder aus Krisen befreien kannst.“ … ist das der Schinken über die psychische Widerstandskraft in Frauchens Bücherregal? Das sag ich dir gleich, Ur-Opa, der ist mir zu hoch … „Keine Angst, den kann man auch katergerecht erklären – ja, inklusive Motivationshäppchen.“ … meine Ohren sind bei dir … knurps …

„Resilienz ist einfach ausgedrückt, die Fähigkeit, zwischen Emotion und Logik, je nach Bedarf, hin und her schalten zu können. So gelingt es, die Wahrnehmung und die Entwicklung auf einer gemeinsamen und stabilen Ebene zu halten – die Grundvoraussetzung für ein gutes Leben.“ … und warum sollte die beiden im Gleichgewicht sein? … „Die Wahrnehmung prägt unsere Emotionen, die wiederum unser Handeln beeinflussen. Unser Handeln andererseits beeinflusst die Entwicklung, die über das was wir wissen, bzw. lernen, bestimmt. Am Ende färbt das, was wir durch unser Lernen verstehen, unsere Wahrnehmung. Kommt das Ganze in ein Ungleichgewicht, stimmt unsere Wahrnehmung nicht mehr mit der tatsächlichen Entwicklung überein.“ … und wie sieht so ein Ungleichgewicht im Leben aus? … „Das siehst du sehr gut daran, wenn du beobachtest, wie die Menschen mit der Corona Krise umgehen. Sie sehen ihre Rechte bedroht, statt zu erkennen, dass die Beschränkungen sie vor dem Virus schützen sollen. Statt zu begreifen, dass aus der Massentierhaltung und den Schädigungen der Umwelt, die Bedrohung für ein Auftauchen eines neuen Virus, extrem steigt, erhöhen sie z.B.  lieber die Fleischpreise und schaffen neue Gesetzte, die eine Massentierhaltung weiter möglich machen. In Sachen Umwelt ist das genauso. Urlaub, Party machen und all die Dinge, an denen der Mensch in seiner Wahrnehmung, Freude hat, verfälschen den Blick auf das, wohin die Entwicklung führt, wenn sich nichts ändert.“

… knurps … das bedeutet also, dass wenn ich meine Wahrnehmung auf die wichtigen Werte im Leben richte und diese mit positiven Emotionen fülle, erkenne ich, was ich für eine positive Entwicklung tun kann. Dadurch lerne ich wiederum viele Dinge über das Leben, mich und mein Handeln, was wiederum meine Wahrnehmung schult und damit das notwendige Gleichgewicht zur Entwicklung herstellt… knurps … knurps … dann wäre die Sache mit dem Paradox und der Resilienz ein Zusammenspiel von Erkenntnis und Lösung. Das Paradox zeigt mir wo der Ursprung des Problems liegt und damit genau die Stelle, an der die Lösung am leichtesten ist. Die Resilienz hilft mir Wahrnehmung und Entwicklung im Gleichgewicht zu halten. Wenn mein Leben im Gleichgewicht ist, geht es mir gut. Da ist es dann auch leichter einmal Wege zu gehen, die nicht gleich Begeisterungsstürme in mir auslösen. Ganz nach dem Motto: wenn es meinen Emotionen gut geht, kann ich mich voll und ganz auf die Logik konzentrieren…

„Du wolltest doch eigentlich sagen, dass wenn dem Ur-Opa die Schleckerlies nicht ausgehen, dann lernt sogar ein Herr Cater dazu.“ … mööhhh… ein bisschen Sicherheit brauchen meine Emotionen schon um im Gleichgewicht zu bleiben. Hat die Resilienz sowas auch im Gepäck? … „Hat sie. Davon erzähl ich dir dann nach der Brotzeit. Ja auch ein Ur-Opa hat hin und wieder Hunger.“ … da bin ich dabei … schmatz…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater