Archiv für den Tag: 7. Mai 2020

Krisen dienen nicht der Schuldfrage – sie bieten eine Chance eigene Fehler zu erkennen

…schmatz … schmatz … was ich schon wieder esse? Eiersalat! Großtantchen hat ihn mir heute zur Lockerung meines Wolkenarrestes, mit den Worten „Wer brav lernt, hat auch eine Belohnung verdient“, vorbeigebracht… rülps… Über unsere Wolkengemeinschaft kann ich mich wirklich nicht beschweren. Die hält zusammen und kümmert sich um den Einzelnen. Dank meiner Corona-Oma-Krise und der daraus folgenden Ausgangssperre, hab` ich eines begriffen. Krisen überwindet man am besten, wenn man die Herausforderung annimmt Wissenslücken zu überwinden. Großonkelchen Oberlehrer sagt immer: „Wie gut dein erworbenes Wissen ist, zeigt sich in der Überprüfung durch Anwendung.“ Eine gute Gelegenheit dafür sind die Corona-Spezial Sendungen, die Gesprächsrunden oder auch so manche Äußerung auf Facebook und Co. Seit ich einen Wald trotz Bäumen erkennen kann, finde ich es sehr interessant zu beobachten, dass es doch immer noch einige kluge Leute gibt, die weiterhin vehement an der Grundrechtefront diskutieren und noch mehr und schnellere Lockerungen einfordern. Sind wohl alles noch keine Herr Cater Leser…

„Jetzt sei mal nicht so streng, Herr Cater. Du lernst zwar tapfer das Leben zu verstehen, aber in der Anwendung liegen auch bei dir noch genügend Fallstricke auf dem Weg in ein gutes Leben.“ … hast ja Recht Opa. Gar nicht so einfach Wissen und Anwendung in Einklang zu bringen. Besonders dann, wenn einen die ersten hochmotivierten Versuche, direkt in den Wolkenarrest bringen… „Bist du immer noch wütend auf deine, wie du sie nennst, Corona-Oma?“ … nein. Mittlerweile hab` ich verstanden, dass sie mir viel Ärger erspart hat. Hätte sie mich nicht so schnell und unverhofft am Kragen in den Wolkenarrest verfrachtet, wären dank meiner nicht optimal durchdachten Bemühungen für dich und deine schlanke Linie, jetzt alle sauer auf mich. Das wäre mit Sicherheit noch schlimmer als meine jetzige Situation. Aber jetzt mal ernsthaft Opa, denkst du wirklich, mit diesem Auftauchen dieses Corona Virus ist das genau wie mit Oma und mir? …

„Auch wenn das einige anzweifeln werden, es ist so! Das Problem der Menschen liegt darin, dass es ihnen nicht gelingt, Situationen, wie deine banal erscheinende Krise mit dem Kuchen und Oma, mit der fatal erscheinenden Krise, durch das Corona Virus und der Wirtschaft in Verbindung zu bringen. Dabei liegt beidem der gleiche Lernaspekt zugrunde. Einzig die Dimension ist eine andere.“ … heißt das jetzt, mein Problem ist unbedeutender? … grrrr… „Nein, denn dem Leben ist es egal ob du deine Lektion, wie ein gutes Leben funktioniert, im Kleinen oder im Großen lernst. Der Unterschied besteht einzig darin, dass du Im Kleinen oft leichter erkennst, was du lernen sollst und wenn du es im Großen vermasselst, ist der Schaden dementsprechend gewaltiger.“ … geht das auch genauer? …

„Ob Kuchen oder Corona Krise, unterm Strich geht es bei beidem um die Einschränkungen der Freiheit des Einzelnen, zum Wohle der Gemeinschaft. An und für sich eine gute Sache. Bleibt die Frage, warum es uns so schwerfällt, damit umzugehen. Zum einen liegt es daran, dass wir mit dem Begriff Freiheit zwei grundlegende Dinge verbinden. Dies sind die Bewegungsfreiheit und die Handlungsfreiheit. Wohnen, Reisen und hingehen wohin wir wollen, tun was wir uns vorgenommen haben sowie die Möglichkeit individuelle Ziele zu erreichen. Kurz gesagt, ein Leben ist für uns ein gutes Leben, wenn wir es so gestalten können, wie wir es wollen. Zum anderen zählen wir unsere Freiheit zu unserem höchsten Gut. Gesetze, gleich welcher Art, verstehen wir als Begrenzung unserer individuellen Freiheit. Kein Wunder also, dass wir Hürden jeglicher Art, auch die im Leben natürlich vorkommenden, unserer Freiheit zuliebe, versuchen zu überwinden. Dies tun wir selbst dann, wenn wir erkennen, dass wir mit unserem Handeln, der Gemeinschaft und der Umwelt, schaden. Statt aus Krisen zu lernen, versuchen wir unsere Freiheit zu bewahren, indem wir anderen die Schuld zuschieben.“ … so wie ich Oma. Dabei kann sie ja nichts für mein gieriges Verhalten. Sie versucht ja nur, für die anderen aus der Familie, den Kuchen zu retten. Aber was hat der Corona Virus, der auf einem Tiermarkt in Wuhan ausgebrochen sein soll, damit zu tun? …

„Unterm Strich macht er das Gleiche wie Oma – Schlimmeres verhindern.“ … ??? … Während viele die Schuld an der Krise auf die Chinesen schieben, sollten wir eher einmal darüber nachdenken, in welcher Weise wir ähnliche Fehler begehen. Denn aus einer Krise Lernen bedeutet umdenken und eigenes Handeln ändern. Leider steht uns auch hier unser Freiheitsbegriff im Weg. Warum etwas ändern, da wir das, was wir tun doch nur tun, weil wir es für gut empfinden? Auf einem Markt wie in Wuhan, wird das Festhalten an alten Traditionen, zum Problem, da es sich nicht den Gegebenheiten der steigenden Menschenzahl und des knapper werdenden örtlichen Raumes anpasst. Aus unserer Sicht eine Tierquälerei und ein kaum vermeidbarer Seuchenherd. Was aber wenn wir aus dieser Krise nicht lernen, dass die nächste Pandemie auch durch uns ausgelöst werden kann? Wir erschaffen zwar nicht für den Erhalt einer Tradition aber für unseren wirtschaftlichen Gewinn ebenfalls Tierquälerei, indem wir Massentierhaltungen und wochenlange Tiertransporte durch die ganze Welt zulassen.“

… ja, nicht nur auf unseren Wolken kann Freiheit, wenn Grenzenlos, zum Bumerang werden. Während mich zum Glück nur Oma am Kragen packt, wehrt sich die Natur mit einem Virus, der uns auf seine unerbittliche Art unmissverständlich erklärt, dass auch Tiere das Recht auf ein gutes Leben haben. Ne, da streng ich mich lieber an, wieder Omas Liebling zu werden. Genaugenommen, ging es mir bei ihr noch nie schlecht – trotz Eierdiät …schleck…schmatz…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater