Archiv für den Tag: 16. April 2020

Krisen machen sichtbar wie unsere Ziele unsere Lebensgrundlage beeinflussen

Nachdem Ur-Ur-Oma den April als guten Monat bezeichnet hat, eine Rückschau auf das zu halten, was wir bis jetzt gelernt haben, hab` ich im Archiv gekramt und noch mal nachgelesen. Solltet Ihr auch tun – besonders die unter Euch, die neu bei uns lernen. Im Zusammenhang merkt man erst, wieviel wir bis jetzt schon für den Weg in ein gutes Leben gelernt haben. Zugegeben, ich hab` nicht immer gleich verstanden, wie sich das, was wir da gelernt haben immer gleich auf unsere momentane Lage bezieht. Seit dem letzten Mal, dem Turmbau zu Babel, ist mir aber etwas klar geworden. Zu wissen, warum es so wichtig ist, dass wir das  Gleichgewicht, auch der großen Zusammenhänge erhalten, mittels dem Henne-Ei Problem Werte bestimmen, durch die Gretchenfrage uns unser Handeln bewusst machen und durch die Wegbeschreibung vom Ei zum Hühnerbaron erkennen wohin unser gewählte Weg führt, bildet die stabile Basis für ein gutes Leben. All das sind die Dinge, die, um beim Beispiel der Turmbaugeschichte zu bleiben, die Stadt bauen, die unsere Lebensgrundlage sichert. Aber wie das beim Lernen nun mal so ist, entstehen durch das Begreifen einiger Zusammenhänge auch schon wieder neue Fragen. Daher kommt wohl der Spruch: Im Leben lernt man nie aus – egal wie alt man wird…

„Na, aus dir wird ja noch ein richtiger Streber, Herr Cater.“ … erzähl das nur nicht weiter, Ur-Oma. Am Ende bekommen Presse und Medien noch Wind davon und schon ist es vorbei mit der Ruhe in unserer Villa Geisterbund… „Keine Angst, mein Lieber, die sind noch eine Weile mit den Irrungen und Wirrungen des Turmbaus beschäftigt und halten andere auf Trab.“ … weil du das gerade sagst. Da fällt mir meine Frage wieder ein. Hast du eine Erklärung dafür, warum die Menschen, in der Bibelbuchgeschichte, aufhörten eine Stadt zu bauen, nur weil sie keinen Turm bauen konnten, Gott ihre Sprache verwirrte und sie in alle Winde verstreut wurden?…

„Um dieses Symbol in unserer heutigen Zeit verstehen zu können, trifft es der alte Spruch „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“, wohl am besten. Da die Menschen so fokussiert darauf waren, wie sie mit ihrem Wissen einen Turm bauen können, haben sie nicht erkannt, dass sie mit dem gleichen Wissen auch eine Stadt bauen können. Ohne einen Turm hatte ihr Wissen keinen Wert für sie.“ … und was bedeutet das für die heutige Krisensituation, in der wir uns befinden? …

„Das erkennst du ganz leicht, indem du die Presse- und Medienberichte verfolgst. Alle überschlagen sich damit, aus den Dingen, die wir jetzt gerade nicht haben oder vielleicht in Zukunft nicht mehr haben werden, einen Sonderbericht oder eine Sondersendung zu gestalten. Z.B. zum Thema zuhause bleiben, Grenzen schließen und Mundschutz tragen, werden Experten befragt, die klären sollen, ob sich das noch mit unseren Grundrechten vereinbaren lässt. Experten zum Thema Wirtschaft diskutieren darüber, ob die Regierung nicht einen großen Fehler macht, wenn sie, um Menschenleben zu schützen, riskiert die Unternehmen in den Ruin zu treiben. Andererseits trifft die Regierung innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen, auch finanzielle, für die sie in guten Zeiten Jahre gebraucht hätte, wenn überhaupt.“ … aber das ist doch das, was uns in dieser Zeit auch beschäftigt – oder nicht? … „Sicher, aber das Fatale daran ist, dass wir uns durch diese Art von Diskussionen und den daraus resultierenden Handlungen, in der Hauptsache mit dem Weiterbau an unserem „Turm“ beschäftigen.“ … und was müssten wir tun um an der Stadt zu bauen? …

„Aus der Krise für den Erhalt unserer Lebensgrundlage zu lernen.“ … das heißt jetzt genau was? … „In erster Linie sollten wir eine Krise als das verstehen lernen, was sie ist. Eine gute Gelegenheit, unsere Ziele aus guten Zeiten, auf ihre Auswirkungen auf unsere Lebensgrundlage zu überprüfen. In guten Zeiten scheint vieles erstrebenswert, was in schlechten Zeiten sehr schnell die Existenz gefährden kann. Eine Krise bringt stets die Unternehmen als erstes ins Straucheln, die auf Aspekte außerhalb der Existenzsicherung des Lebens aufgebaut sind, wie z.B. das Hotel-, Freizeit-, Künstler- oder Reisegewerbe. Es spricht nichts dagegen, in guten Zeiten sein Geld in diesen Branchen zu verdienen. Doch im Vergleich zu Gewerben, wie z.B. Bäcker, Metzger oder auch in Handel und Produktion von Lebensmitteln, die zur Existenzsicherung des Lebens zählen und deshalb immer gebraucht werden, gilt: Unternehmen sollten erst dann wachsen, wenn sie auch ohne Einkünfte mindestens ein halbes bis dreiviertel Jahr überleben können. Im besten Fall ist die Krise innerhalb dieser Zeit vorüber. Im schlechtesten Fall, gibt es dem Unternehmer genügend Zeit, sich andere Lösungen für sich und seine Mitarbeiter zu suchen. Doch nicht nur Gewerbetreibende sollten aus der Krise lernen. Die Krise zeigt auch dem Einzelnen, dass richtiges Haushalten in guten Zeiten hilft, leichter durch Krisen zu kommen. Hier gilt ebenso: Erst wer seinen Lebensunterhalt, auch ohne Gehalt ein halbes bis dreiviertel Jahr, bestreiten kann, kommt leichter durch Krisen. Besonders dann, wenn er in der Krise in dem was, bzw. wo er arbeitet flexibel bleibt.“

… klinkt logisch was Ur-Oma da sagt, auch wenn das „Sparen für schlechte Zeiten“ einen etwas alten und verstaubten Nachgeschmack hat. Sportlich gesehen, ist nach der Krise vor der Krise. Also nutzen wir die Zeit dazwischen, weiter für ein gutes Leben zu lernen. Apropos sparen. Ur-Opa kommt ja noch aus der krisenerprobten „guten, alten“ Unternehmerzeit. Ich wette, der hat mir ein Stück Fleischwurst aufgehoben … schnüff … schleck…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater