Archiv für den Tag: 9. April 2020

Der Turmbau zu Babel oder Krisen haben eine wichtige Lehrfunktion

Keine Ahnung wie es Euch geht, aber ich habe die Befürchtung, dass obwohl ich bis jetzt viel gelernt habe, es noch das ein oder andere gibt, was ich daran noch nicht so ganz verstanden habe. Wenn, wie unser Herr Pfarrer sagt, die einzelnen Glaubensrichtungen wie unterschiedliche Sprachen sind, warum gibt es dann nicht so eine Art „Amtsglaube“, der für alle verständlich ist? Damit sich die Menschen aus verschiedenen Ländern untereinander verständigen können, gibt es ja auch die Amtssprache Englisch …!? … Eine unruhige Nacht bereitet hat mir auch die Frage: Was hat das, was wir hier lernen, überhaupt man der momentanen Lage, der Corona Krise, zu tun?…

„Mehr als du denkst Herr Cater.“ … ach und was bitte schön, Großonkelchen? … „Alles schon einmal dagewesen.“ … sag jetzt nicht, dass es in dem großen Bibelbuch auch darüber eine Geschichte gibt!? … „Gibt es mein Lieber. Genesis 11,1 – 11,9 Der Turmbau zu Babel.“ … na super, was hat der Bau eines Turms jetzt wieder mit der Corona Pandemie zu tun? Ist das nicht ein bisschen sehr weit hergeholt? … „Nein. Denn wenn sie sich auch nicht direkt auf den Virus bezieht, erklärt sie uns doch, warum uns dieser so sehr aus der Bahn wirft. Auch zeigt die Bibelgeschichte, weshalb der Mensch selbst mit, wie du es formulierst, einem Amtsglauben, nicht erkennt, was für ein gutes Leben wichtig ist.“ … ??? …

„In der Geschichte heißt es, dass alle Menschen eine Sprache und dieselben Worte hatten. Zuerst wollten sie eine Stadt bauen und danach einen Turm, dessen Spitze bis in den Himmel reicht und mit dem sie sich einen Namen machen. Als Gott sah, dass ihnen nichts mehr unmöglich sein würde, was immer sie sich zu tun vornehmen, verwirrte er ihre Sprache und zerstreute sie in die Welt. Da ließen die Menschen davon ab, die Stadt zu bauen.“ … versteh` ich nicht. Gerade dann, wenn der Mensch einmal was gemeinsam und in schöner Einigkeit macht, findet Gott das nicht gut. Dabei könnten wir doch gerade jetzt in der Corona Krise eine Gemeinsamkeit aller dringend brauchen um z.B. die Wirtschaft aufrecht zu erhalten …

„Da hast du schon Recht, Herr Cater. Allerdings hast du, wie die Menschen aus der Bibelgeschichte, das Wesentliche nicht verstanden.“ … dann erklär` es mir bitte … „Übertragen auf unsere Zeit, meint die Geschichte folgendes: Wir haben, trotz unterschiedlicher Religionen, die alle unser Wissen über das Leben, über lange Zeiträume hinweg erhalten, eine Art gemeinsamer Sprache gefunden. Sie trägt den Namen „Wissenschaft“ und „Forschung“. Mit ihrer Hilfe können wir eine Stadt bauen. Das heißt im übertragenen Sinne, dass wir durch das Wissen, das wir haben, in der Lage sind unser Überleben zu sichern – Symbol dafür ist der Bau der Stadt, in der Bibelgeschichte. Allerdings erwerben wir durch Wissenschaft und Forschung auch die Möglichkeit, vieles zu erreichen, dass auf den ersten Blick unmöglich erscheint. Unser Wissen dient dann aber nicht mehr „nur“ der Lebenssicherung. Die Bibel spricht davon, sich mit dem Turmbau einen Namen zu machen. In unserer heutigen Zeit, bedeutet das in erster Linie, dass wir mit dem, womit wir uns einen Namen machen, Geld verdienen wollen. Das wäre auch weiter nicht verwerflich, wenn wir das nicht mit Dingen tun würden, die mit der Grundsicherung des Lebens nichts zu tun haben – Symbol dafür ist der Turm, der bis in den Himmel reicht. Was Gott, in der Bibelgeschichte an dem, was der Mensch erreichen will, nicht gefällt ist, dass er die Stadt nur bauen will um sich mit dem Turm einen Namen zu machen. Übertragen auf unsere heutige Zeit, bedeutet das: Wir vernachlässigen für das, was wir erreichen wollen, das, was uns unser Leben sichert.“ … wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, Großonkelchen, sind wir mit dieser Erkenntnis, geradewegs bei der Ursache der aktuellen Corona Krise angekommen…

„Richtig. Es ist nicht der Virus an sich, der uns heute die Schwierigkeiten bereitet, sondern die Tatsache, dass wir über unser Streben nach Fortschritt, die Grundstruktur unseres Überlebens, vernachlässigt haben. Das Normale wird im Fortschritt und seinen Werten, nur allzu oft zum Banalen ohne Wert, bis uns das Leben eines Besseren belehrt. Ja, auch Katastrophen haben ihren Sinn im Leben.“ … ich sehe schon. Ein zorniger Gott ist, im wahren Leben, oft wie ein wütendes Frauchen – Umdenken in Sachen Werten ist gefragt! Hätt` ich das mal lieber schon zu meinen Lebzeiten verstanden. Ein über meine Unordnung schimpfendes Frauchen, wollte mir nur den Wert meiner Spielmäuse wieder in Erinnerung bringen. Doch statt umzudenken, war ich beleidigt und genervt, weil mich das Aufräumen von so vielen anderen interessanten Sachen abhielt. Erst der Spielmäuse fressende Staubsauger, hat mich erkennen lassen, wie wertvoll sie für mich sind – da war es dann aber zu spät.

Ganz ähnlich ist es mit unserem Gesundheitssystem und der Corona Krise. Statt die vielen kleinen Krankenhäuser, die es einmal gab, wertzuschätzen, wurden sie aufgrund angeblicher Unwirtschaftlichkeit geschlossen. Oder sollte man sagen, „dem Fortschritt der exzellenten Medizin“, geopfert. Ja, der Corona Virus hat ein bisschen was von einem Spielmäuse fressenden Staubsauger. Er zeigt wie wertvoll die kleinen Krankenhäuser waren, wenn es darum geht, in Krisenzeiten genug Betten für Kranke zu haben. Er zeigt uns aber auch, dass hätten wir erst dafür gesorgt, dass die Krankenhäuser erhalten und das Pflegepersonal ein wertschätzendes Gehalt bekommen hätte, bevor wir zu einer exzellenten Medizin übergegangen wären, wir das heutige „es fehlen Betten und Personal Caos“ nicht hätten. Vielleicht ein guter Zeitpunkt sich Gedanken darüber zu machen, ob man sich nach der Krise nicht doch für den Wiederaufbau der alten Krankenhäuser und eine Gehaltserhöhung für das Pflegepersonal einsetzen sollte. Ich für meinen Teil lauf` jetzt los und trotz dem Staubsauger, mit Hilfe von Frauchen, meine alten Spielmäuse wieder ab … und weil ich was gelernt hab` räum ich sie auch gleich auf…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater