Archiv für den Monat: Dezember 2019

Frohe Weihnachten

Liebt Ihr Geschenke? Ich schon. Am liebsten mag ich große Pakete, die morgens mit der netten Briefträgerin kommen. …schnurrr … Das sind die Tage, die meine Schnurrhaare vor Aufregung vibrieren lassen. Kaum auszuhalten ist die Zeit, die Frauchen braucht um das Paket zu öffnen und mitten ins Wohnzimmer zu stellen. Dann hat sie Pause und ich entwickle mich zum großen Forscher, der freudig erregt einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang entgegen geht. Es gilt Massen von Verpackungsmaterial zu überwinden und all die kleinen und großen Überraschungen zu erkunden… ach waren das noch Zeiten…

Frauchen ist da eher das Gegenteil von mir. Da wird jedes Einwickelpapier vorsichtig auseinandergefaltet, wieder schön glattgestrichen und für zukünftige Eventualitäten sorgsam in einer Kiste aufgehoben. Genauso sorgsam geht sie mit all den bunten Schleifen und kleinen und größeren Kistchen und Kästchen um. Kann man ja alles wieder gebrauchen, wenn man mal was verschenken will. „Das hat sie von Uroma. Die war genauso!“ … na dann kannst du mich ja verstehen, Uropa …wo bitte bleibt denn da der Spaß? …

Laut Frauchen liegt der eigentliche Spaß im Erbitten von Geschenken…???… Ja, hab` ich am Anfang auch nicht verstanden. Ist doch normal, dass man sich Geschenke wünscht, oder? Ur-Oma hat mir dann den Unterschied zwischen wünschen und erbitten erklärt. Wünscht man sich von jemandem etwas, weiß man ja meist, was in dem Geschenkpaket, das man bekommt, steckt. Schließlich beinhaltet ein Wunsch genaue Angaben was man haben will. Erbittet man allerdings ein Geschenk von jemandem, hat man keine Ahnung was und vor allem wie man sein Geschenk bekommt. In diesem Falle überlässt man es dem anderen was und wie er es einem schenkt.

Frauchen ist diesbezüglich ein …wie hast du Frauchen früher immer genannt Opa? … „Ein Muster ohne Wert.“ …richtig, danke Opa …Also dieses Muster ohne Wert, („weil so wertvoll, dass es eh keiner bezahlen kann“ Anmerkung von Uropa) steht mehr auf Geschenke, die es nicht gerade an jeder Ecke zu kaufen gibt. Ganz nach dem Motto: In wirkliche Geschenke gehört Seele und das geht nur mit wünschen nicht. Allerdings sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass dieses Motto bei Frauchen meist zu Sachen führt, die andere bei einfacher Betrachtung, eher für paranormal, im günstigsten Falle, mit positiver Sichtweise, für ein Wunder halten. All das ist für Frauchen schlicht ein Geschenk mit Seele und endet für mich, Opa und die anderen, nicht selten in einer Herausforderung.

An einem schönen Weihnachtstag hat es ihren Jugendfreund, der wie ein großer Bruder für sie war und immer noch ist, erwischt. „Wann bekomme ich eigentlich einmal ein Weihnachtsgeschenk von dir, Brüderlein? Das wäre es – ein Geschenk aus dem Himmel.“ Mit diesem Wunsch in ihren Gedanken, schlief sie beim doch etwas langweiligen weihnachtlichen Fernsehprogramm auf ihrem Sofa ein.

Ihr „Brüderlein“ war zu seinen Lebzeiten nicht gerade der Traum einer jeden Schwiegermutter …“Ich hab` ihn damals schon gemocht!“ …ja Uroma, wir wissen das, auch wenn es Oma bis heute ein Rätsel geblieben ist… Seinem Image als, von Beruf Matrose, versuchte er nicht gerade zu entgehen. Dazu gehörte neben allerlei Unarten und unzähligen Tätowierungen auch sein ziemlich lautes Hören von Musik. Am liebsten Punkrock von Billy Idol. Irgendwann sah er seinem Lieblingsmusiker, inklusive blonder, nach oben gebürsteten Haaren sehr ähnlich. Alles in allem ein liebenswerter, verrückter Kerl mit viel Herz und Humor.

Ohne diese Eigenschaften ist man bei Frauchens Geschenkebestellung aber auch hoffnungslos im Hintertreffen. Nicht aber er. Während Frauchen so auf ihrem Sofa dahin schlief, schaffte er es irgendwie, dass Frauchen sich kurz auf die Fernbedienung legte und damit auf einen Musikvideosender umschaltete. Noch ein wenig an der Lautstärke drehen… Die Stimme, die sie da hörte, holte sie schlagartig aus ihren Träumen. Ungläubig, da sie sich nicht so sicher war, ob sie noch träumte oder doch schon wach war, rieb sie sich die Augen und schaute auf den Bildschirm. „Ne, das glaube ich jetzt nicht… Das kann nicht sein…“ Was sie da gesehen hat? Ich sag es Euch. In Anzug, Krawatte, Lackschuhen und schick die Haare gebürstet, saß da Billy Idol an einem Klavier und sang die schönsten Weihnachtslieder. Na, wenn das nicht ein Geschenk mit Seele ist… „Und so schön verpackt!“ …bravo Brüderchen… „Danke Herr Cater.“

Vielleicht macht Ihr diese Weihnachten mal den Selbstversuch und erbittet von Euren Lieben ein Geschenk. Das verspricht ein ganz neuer Weihnachtsspaß zu werden.

In diesem Sinne,

besinnliche Weihnachten,

Euer Herr Cater

Wenn die Wolkenfamilie zum Familienessen ruft

Nein, Einkaufen gehört nicht gerade zu Frauchens Lieblingsbeschäftigungen. Einzig Buchläden, egal ob groß oder klein, neu oder antiquarisch, lassen ihre Käuferseele höher und schneller schlagen. Da vergisst sie Raum und Zeit. Alle anderen unvermeidlichen Einkäufe, erledigt sie im Schnelldurchlauf nach Notwendigkeiten-Liste.

Diese Liste kann einem die Freude an so einem Einkaufstag gründlich verderben. Nicht nur, dass es keine Extras gibt, wie Schokolade oder einfach etwas Neues, das man mal so eben ausprobiert, nein, auch das Vorbeischlendern an so manchem Regal bleibt einem verwehrt, weil nichts von dessen Auslegware auf dieser blöden Liste steht. Da bin ich dann schon so manches Mal dazu geneigt, Frauchen diese Liste vergessen zu lassen und sie ohne los zu schicken. Doch Frauchen ist ein Improvisationstalent. Sie erledigt ihren Einkauf dann einfach nach Rezept. Dauert dann zwar drei Minuten länger bis sie ihre Zutaten zusammen hat, ist aber immer noch zu schnell für Extras, die das jeweilige Rezept ohnehin nicht beinhaltet.

Also was tun? Ablenkung und geballte Gedankenpower. Wer wäre für so etwas geeigneter als Uroma und Groß-Tantchen. Während Uroma eher ein Fan der süßen und salzigen Regale ist, beschäftigt sich Groß-Tantchen eher mit all den leckeren Sachen, die der Rest der Familie gerne isst.

Opa braucht Äpfel, für abends ein bisschen Rotgelegten und dazu ein knackiges Brötchen. Uropa hat Hunger auf Käse. Am liebsten Limburger. Oh, die haben wieder Nussschnecken. Für die können sich alle erwärmen. Am besten gleich ein paar mehr mitnehmen. Opa möchte bestimmt noch gerne was von dem guten Fleischsalat und weiter hinten im Gang, waren da nicht noch die leckeren Gewürzgurken? Zwei Gläser – essen die Männer ja gerne. Fisch! Der Herr Cater braucht noch Thunfisch. Unter drei Dosen geht da nichts. Aber bitte Natur – ohne Öl. Ach herrjeh, bloß nicht den Joghurt vergessen. Erdbeer für Herrn Cater, Pfirsich für Uroma, Vanille, Himbeere, Brombeere für Groß-Tantchen …. und Kartoffeln. Wir brauchen noch Kartoffeln ….

„Sag mal Schwester, ist das da vorne beim Gemüse nicht Luise?“ „Ja, ich glaube schon.“ … Na super, während ich alle Pfoten voll zu tun habe, Frauchen von unserer „himmlischen“ Einkaufsliste abzulenken, haben Ur-Oma und Groß-Tantchen nichts Besseres zu tun, als sich wie früher ins nächste Schwätzchen zu stürzen.

„Wie geht`s mit der Gesundheit? Was macht der Vater? Ah, im Pflegeheim. Wie kommt er denn da zurecht? Der Mann? Ah, schon seit geraumer Zeit in Rente…“ Während Frauchen sich insgeheim, wie so oft, fragt, woher sie die nette Frau eigentlich kennt, sind Ur-Oma und Groß-Tantchen ganz aus dem Häuschen. Luise ist nämlich die Enkelin einer alten Freundin der beiden und dank der gerade eingekauften Nussschnecken, steht dem nächsten Kaffeeklatsch auf deren Nachbarwolke nun nichts mehr im Wege. Heist es nicht immer „Wie im Himmel so auf Erden“?

Ping …Ping … Ping …Jetzt noch durch die Kasse und dann nichts wie raus und nach Hause, bevor Frauchen doch noch was spitzkriegt. „Oh man, war das wieder ein Einkaufen. Jetzt mach` ich mir meine wohlverdienten Schinkennudeln… ??? …!!! …Thunfisch???… Limburger???… TAAANTCHEN!!!!!“

Das sind die Momente in Frauchens Leben, in denen ihr schnell klar wird, dass sie Gäste zum Essen hat. Da wird dann schonmal aus geplanten Schinkennudeln ein Lieblingsessen von Ur-Opa. Limburger mit Kartoffeln und Gurke. Schön, die Vorfreude auf den abendlichen Rotgelegten mit Thunfisch, hält sich bei ihr noch sehr in Grenzen, aber spätestens beim Joghurt, handelt sie mit Ur-Oma für den zweiten Becher die Schinkennudeln für den nächsten Tag raus.

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Ein ganz besonderes Erbstück

Im Allgemeinen bezeichnet Frauchen das Leben an sich und wenn wir etwas für sie tun, im Besonderen, in ihrer eher pragmatisch trockenen Art, als schlicht „sehr interessant“. Das ändert sich jedoch in den Momenten, in denen sie für uns etwas tun soll, schlagartig. Dann sieht selbst sie das Leben als großes Abenteuer.

So wie vor ein paar Jahren. Groß-Tantchen hatte es sich mal wieder mit ihren Häkelsachen in Frauchens Lieblingssessel bequem gemacht. Da sitzt sie gerne, denn Frauchens Schreibtisch steht gegenüber und so kann sie ihr bei der Arbeit immer ein wenig Gesellschaft leisten. Doch an diesem Tag war irgendetwas anders. Groß-Tantchen machte ein ungewohnt ernstes Gesicht und die Häkelei ging ihr nicht wirklich von der Hand. …. was ist los Groß-Tantchen?… „Ach Herr Cater, ich bin traurig. Als ich heute Morgen mit deinem Frauchen in der Stadt war, hab` ich meinen alten Schulkameraden gesehen.

Er ist Wittwer, gesundheitlich geht es ihm nicht gut und er hat die Lust am Leben verloren. Damals als er mich bei unserem letzten gemeinsamen Klassentreffen gefragt hat, ob ich mal mit ihm einen Kaffee trinken gehe, hab` ich nein gesagt – ich hätte keine Zeit. Na ja ich dachte damals, dass es sich nicht schickt und man ja nie weiß was sich die Leute da so zusammenreimen, wenn sie uns sehen. Ein kleiner Filou war er ja ganz früher schon.

Heute früh habe ich dann plötzlich verstanden, dass der Gute einfach nur einsam war, weil er keinen hatte, mit dem er reden konnte. Jetzt quält mich mein schlechtes Gewissen und würde ihm doch so gerne helfen – er tut mir so leid, wie er da so unglücklich durch sein Leben schlurft. Ach, Herr Cater, hätte ich damals nur auf dein Frauchen gehört. Sie hat mir immer wieder gesagt es sei doch nichts dabei mit einem netten Kerl mal einen Kaffee trinken zu gehen. Was soll ich nur machen? Hast du eine Idee?“ ….ich sag nur FRAUCHEN!… „Meinst du das geht?“

In diesem Moment klingelte Frauchens Telefon. „Ja, ist ok. Dann treffen wir uns in einer Stunde im Café.“ Wie meistens war Frauchen schon vor dem vereinbarten Termin vor Ort und setzte sich mit ihrem Kaffee an einen großen Tisch. Kurz darauf hörte sie ein schüchtern, schelmisch klingendes „Fräulein, ist bei ihnen am Tisch noch Platz für einen alten Mann wie mich?“ „Wie alt sind sie denn?“ „Schon 83 bin ich, warum?“ „Na, so wie ihre Augen blitzen, sind sie höchstens 38. Da passen wir vom Alter her doch gut zusammen.“ Mit einem befreiten Lachen setzte sich Groß-Tantchens einstiger Schulkamerad neben Frauchen an den Tisch. Die beiden scherzten und lachten bis Frauchens Freundin mit einer halben Stunde Verspätung zu dem munteren Treiben dazu kam. Nach drei Stunden saß Frauchen wieder an ihrem Schreibtisch und Groß-Tantchen vertiefte sich erleichtert in ihre Häkelei.

Wie heißt es im Leben? Weil`s so schön war – gleich nochmal! Die nächsten Male sorgte der Schulkamerad von selbst dafür, dass er Frauchen des Öfteren über den Weg lief um an einen gemütlichen und lustigen Kaffeeplausch zu kommen. Irgendwann fanden sie auch heraus, dass sie Groß-Tantchen beide kannten. Er gestand, dass er damals sehr gerne mit ihr ausgegangen wäre, aber gegen die jetzige Form, dabei schaute er Frauchen verschmitzt an, absolut nichts ein zu wenden hätte. Bis zu seinem Tod, ein paar Jahre später, pflegten die beiden eine nette Freundschaft, tranken Kaffee, gingen Essen und feierten seine Geburtstage. Frauchen nannte ihn oft neckisch „ihr besonderes Erbstück“.

Logisch, dass er Groß-Tantchen und uns auch heute noch gerne besuchen kommt. Frauchen merkt es meist daran, dass sie, auf ihrem Weg durch die Wohnung wieder mal länger als sonst vor seinem Bild Halt macht. Groß-Tantchens Art ihr zu sagen: „Wir haben ihn eingeladen, denkst du bitte an Kaffee und Kuchen!“ Macht sie gerne. Schließlich weis sie mittlerweile ganz genau, dass ihr, Dank der fröhlichen Erinnerungen, wieder ein gemütlicher und kurzweiliger Nachmittag bevorsteht.

Ja, durch uns hat sie schon die interessantesten Leute kennen gelernt. Ganz nebenbei hat sie so auch immer die ein oder andere Geschichte aus unserem Leben erfahren, die sie bis dato noch gar nicht kannte. Genau das ist es aber was das Leben interessant macht. Aus allem etwas lernen zu können. Das bedeutet in vielen Fällen jedoch, bereit zu sein das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Doch ganz ohne Übung geht das nicht. Deshalb nutzen wir jede erdenkliche Gelegenheit, die sich uns bietet, um Frauchen die eine oder andere Lektion lernen zu lassen.

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater