Archiv für den Tag: 12. September 2019

Mobbing Teil 1

… Ur-Opa behauptet immer ich sei ein ganz schön ausgepufftes Schlitzohr. Wie er darauf nur kommt?… Ich mach` doch nichts außer auf meiner Wolke ein schönes, interessantes und aufregendes Leben zu haben… Na gut, im Leben als solches hab` ich so manchen Konkurrenten am Start stehen lassen, aber immer mit Stil und Anstand… andernfalls hat mir Frauchen auf ebenso elegante Art und Weise stets ziemlich schnell zu verstehen gegeben, dass sie Mobbing meinerseits nicht gewillt ist zu dulden… „Da hat sie auch vollkommen recht, mein Lieber.“ …Oh, hallo Ur-Opa. Kannst du mir zum Erdbeerkuchen… schmatz… mal erklären was genau es mit dem Mobbing auf sich hat?… schleck… „Wenn das deine letzte Pfote war, die durch meine Sahne marschiert ist – ja.“

Beschäftigt man sich mit dem Thema „Mobbing“ und was man dagegen tun kann, sollte die erste Frage sein, warum jemand überhaupt zum Mobber wird.

In erster Linie geht es diesen Menschen, wie übrigens uns allen, darum, für sich und ihr Umfeld einen selbstbestimmten Weg durchs Leben zu finden. Um das zu bewerkstelligen, gilt es jede Menge kleiner und großer Informationen, mit denen uns das Leben tagtäglich bombardiert, zu verarbeiten. Das ist gar nicht immer so leicht und es gelingt auch so manchem nur in kleinen Stücken. An und für sich kein Hindernis im Leben, sofern die eigene Wahrnehmung nicht gerade den Grundstein für ein Mobber-Leben legt. Wie bei vielen hochexplosiven Gemischen, gilt auch hier die Warnung aus dem Chemieunterricht: einzeln sind die Stoffe alle harmlos – aber bitte nicht zusammenschütten!

Der Mobber und seine Wahrnehmung

In seiner Wahrnehmung ist der Mobber ein sehr unzufriedener Mensch. Seine Ziele, sofern er welche hat, scheinen für ihn nahezu unerreichbar. Was immer er auch versucht, es will sich für Probleme keine geeignete Lösung finden. Auch in Beziehungen jeglicher Art, fühlt er sich in seinen Emotionen und Wünschen, unverstanden bzw. nicht wahrgenommen. Kommt jetzt noch die Überforderung durch die Informationsflut des Lebens dazu, begünstigt die vorhandene Unzufriedenheit das Entstehen von Unsicherheit.

Unsichere Menschen neigen dazu alles kontrollieren zu wollen. Ihnen ist der schnelle, sichtbare Erfolg wichtig, denn der mildert die Unzufriedenheit und ermöglicht auch die Anerkennung im Außen, wenn auch nur kurzfristig. Dementsprechend schlecht, kann er mit den Erfolgen anderer umgehen. Nicht zuletzt deshalb, da sie eine neue Flut von Informationen bergen, die er nur schwer verarbeiten kann. Somit ist er auch in Sachen konstruktiver Kommunikation eher ein verhaltener Typ. Er glänzt lieber mit Lästereien über andere um sein Selbstbild strahlen zu lassen.

Mobbing – chronische Unsicherheit

Jeder von uns kennt Situationen im Leben, in denen man unsicher ist. Wer kennt es nicht, das Lampenfieber vor dem großen Auftritt oder die Bauchschmerzen und Schweißausbrüche vor der anstehenden Prüfung.

Doch wie wird eine unsichere Situation, die wir alle kennen, zu Mobbing? Indem man die Situation, in der man sich befindet, personifiziert und als Konkurrent für sich betrachtet.

An dieser Stelle kommt unbewusst tief in uns verankertes Wissen zum Wirken: Ein Konkurrent gönnt einem nichts, er will einem schaden. Er gaukelt uns Unterstützung vor um sich an unserem Wissen zu bereichern. Seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, sollte man stets hinterfragen. Er ist neidisch und torpediert unsere Lösungen. Unter Konkurrenten kann es keine Freundschaft geben…

Spätestens wenn das Denken in den meisten Lebenssituationen vom Inhalt dieser Wissens-Schublade geprägt ist, wird Unsicherheit chronisch. Warum? Ihr Inhalt findet immer häufiger Anwendung. Wer aber überall Konkurrenten sieht, merkt nicht mehr, dass er selbst zum Konkurrenten für sich und andere wird. Denn die zwei markantesten Sätze aus der Wissens-Schublade lauten:

  1. Konkurrenten muss man bekämpfen, ausschalten und mundtot machen!
  2. Dafür ist jedes Mittel recht!

An dieser Stelle ist der unsichere Mensch zum Mobber geworden. Im Gegensatz zum Schlitzohr, das wohl eher Ausdruck einer Wesensanlage ist, sollte man sich vielleicht doch einmal ernsthaft Gedanken darüber machen, ob man den Mobber, statt ihn zu verteufeln, nicht besser als das sieht, was er ist. Ein aus Unsicherheit krank gewordener Mensch, ohne Chance auf wahre Freunde, der im Leid seiner Opfer, sein eigenes Leid widerspiegelt.

…Ur-Oma sagt immer: „Gegen alles ist ein Kraut gewachsen.“ …Welches dem Mobber hilft? Das Kraut der Erkenntnis! Ob es das in Pillenform gibt? Da fragt Ihr am besten die Pharmaindustrie, Euren Arzt, Apotheker oder Therapeuten.

Wie man nicht zum Opfer eines Mobbers wird, verrate ich Euch dann nächsten Donnerstag…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater