Archiv für den Monat: Juni 2019

Hass – wie man sein Wachstum verhindern kann

Keine Ahnung wie es Euch geht, aber ich bin genervt. Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht in den Medien und der Presse von Leuten sieht und liest, die ihre Hasstriaden gegen wen auch immer versprühen. Ok, das ist kein neues Phänomen und welche Ausmaße das annehmen kann, kennt man ja noch aus früheren Zeiten nur zu gut. Aber warum in aller Welt ist das so? Wieso schafft es der Mensch immer wieder so leidenschaftlich zu hassen?

„Das liegt in der Art des Menschen zu kommunizieren, mein Lieber.“…Wie soll ich das denn jetzt wieder verstehen Ur-Oma? Hass entsteht durch Reden? Bis jetzt dachte ich immer schuld daran wären so schlimme Dinge wie Neid oder Gier!?… „Na dann will ich es dir mal erklären“:

Hass verstehen, bedeutet den Menschen als solches zu verstehen

Der Mensch ist sich seiner Existenz bewusst. Deshalb sind oft schon die kleinsten in seinem Umfeld auftauchenden Dinge oder Ereignisse dazu in der Lage ihn zu beunruhigen. Im Bestreben möglichst Sorgenfrei zu leben, hat sich seine größte Stärke entwickelt. Die Fähigkeit aus sich selbst heraus Veränderungen seiner Situation herbeizuführen.

Dabei entscheidet er über sein Handeln stets nach drei Grundprinzipien:

  1. Sein Handeln unterliegt dem Augenmerk der Langfristigkeit
  2. Es bezieht sich in erster Linie auf den Aspekt des Schutzes für seine Familie und den Bindungen, die er eingeht (partnerschaftliche, freundschaftliche, berufliche, gesellschaftliche oder religiöse Bindungen)
  3. Er verfolgt mit seinem Handeln stets ein Ziel für sich und/oder der von ihm eingegangenen Bindung

Der Mensch ist lernfähig

Deshalb verinnerlicht er alle, im Laufe seines Lebens gemachten Erfahrungen. Während er die Erfahrung, dass seine Person ständigen Gefahren ausgesetzt ist, im alltäglichen Leben schnell abrufbar vor Augen hat, speichert er die individuellen Lösungsmöglichkeiten für ihn bedrohlich erscheinender Situationen, aufgrund ihrer Vielzahl meist im Unterbewusstsein ab. Dies hat zur Folge, dass Lösungswege nicht immer sofort für ihn ersichtlich sind. Deshalb ist er in seinen Überlegungen auf eine Vielzahl von Informationen angewiesen.

Der Ursprung des Hasses

Der Hass hat seinen Ursprung in der Urverbindung des Menschen – der Familie. Sie ist der Ort, die Gruppe oder Gemeinschaft, in der wir uns sicher und geborgen fühlen. Ihr ganzes Streben und Handeln ist es, dafür zu sorgen, dass alle Mitglieder einen positiven Weg durchs Leben finden.

Jeder der Zugang in dieser Gemeinschaft erhalten will, muss sich zuerst einmal beweisen. Er muss allen Mitgliedern glaubhaft versichern, dass er mit seinem Beitritt zum Wohl aller beitragen will und kann. Die Familie prüft den „Neuen“ ganz genau, denn jede Fehlentscheidung bringt alle in Gefahr. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für andere im Laufe des Lebens eingegangene Bindungen wie partnerschaftliche, freundschaftliche, berufliche, gesellschaftliche oder religiöse Bindungen.

Hass nährt sich aus drei Wurzeln

Die erste Wurzel – Liebe oder Angst

Wer kennt ihn nicht den Spruch: „Angst ist schlimmer als Heimweh.“ Kein Wunder. Existiert im Heimweh doch die Gewissheit, dass es noch ein Zuhause gibt. Die Angst hingegen suggeriert uns den Verlust aller lebenswichtigen Verbindungen. Angst signalisiert das Ausgeliefert sein, ohne Schutz oder Hilfe vor drohenden Verlusten oder Verletzungen. Angst führt uns vor Augen wie schnell wir verlieren können was wir lieben.

Die zweite Wurzel – Entscheidungsfreiheit oder Macht-/Kontrollverlust

Macht oder Kontrolle zu verlieren, bedeutet, sich der für uns wichtigen Lebensverbindungen nicht mehr sicher sein zu können. Ohne diese sehen wir uns unserer wichtigsten Fähigkeit beraubt, selbst an den Lebenssituationen etwas ändern zu können. Wir setzen sie gleich mit Handlungsunfähigkeit und Versagen. Wer seinen Weg nicht mehr selbst bestimmt, über den entscheiden andere.

Die dritte Wurzel – Vorsorge oder Gier

Die Erfahrung lehrt, dass sich Verluste im Leben nicht immer vermeiden lassen. Deshalb hat der Mensch für sich erkannt, dass Vorsorge wichtig für sein Überleben ist. Doch wer nicht erkennt, dass zur Vorsorge auch eine gewisse Form des Vertrauens in sich, sein Können und sein Umfeld gehört, stellt sein Handeln schnell auf „haben müssen“ um. So wird Vorsorge durch mangelndes Vertrauen zu Gier.

Die Kommunikation bestimmt ob die drei Wurzeln unseres Lebens Hass erblühen lassen oder nicht

Kommunikation bestimmt wohin wir uns entwickeln. Sie säht was wir ernten. Nicht von ungefähr besagt ein alter Spruch: „So wie man spricht, so lebt man.“ Das gilt demnach auch für Presse und Medien. Sind sie ja nichts anderes als Schrift und Bild gewordene Sprache und damit schlicht Kommunikation.

Propaganda und die Wurzel der Liebe

Durch die direkte Kommunikation mit anderen sind wir in der Lage zu eruieren wie es z.B. dem anderen geht, was ihn beschäftigt, welche Ziele er hat oder was ihm fehlt. Umgekehrt können wir aber auch dem anderen mitteilen wie das bei uns ist. So erkennen wir Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Kompromisse, die uns das Zusammenleben durch gegenseitiges voneinander lernen bzw. besser verstehen können, auf einem guten Weg möglich machen.

Angst

Sie entsteht, wenn wir das was wir über andere erfahren im Vergleich zu uns bewerten. „Das schadet uns“, „Das finden wir nicht gut“, „Das können wir nicht dulden, dürfen wir nicht zulassen“, „Das geht gegen uns“. Kommunikation entwickelt hier ihre Propaganda-Form. Sie will nicht erklären oder verstehen, sie schürt unsere Angst, die unsere Existenz bedroht sieht.

Öffentlichkeitsarbeit (PR) und die Wurzel der Entscheidungsfreiheit

Eine wirkliche Entscheidungsfreiheit erreichen wir nur dann, wenn wir die Kommunikation mit anderen dazu nutzen Informationen zu sammeln, ohne sie vorschnell zu bewerten. Je mehr Informationen man hat, desto umfassender ist das Bild, dass wir uns von einem Menschen, einer Sache oder Situation machen können. Je klarer das Bild, desto sicherer können wir sein, eine gute, unseren Zielen entsprechende Entscheidung zu treffen.

Unsicherheit

Sie entsteht, wenn Kommunikation wenige, aber bereits bewertete Informationen vermittelt. „Das Beste Produkt“, „Exzellente Medizin“, „Nichts ist schneller als…“, „Ungeheuerlich, …“. Hier entfaltet die Kommunikation ihren PR-Charakter und schürt damit unsere Unsicherheit. Denn wenn das Berichtete bereits bewertet ist, verbirgt sich dahinter die Aufforderung, die Meinung als Tatsache zu übernehmen. Eine eigene Meinung bilden – unerwünscht und irrelevant. Ein verunsicherter Mensch neigt leichter dazu, sich von anderen führen zu lassen.

Berichterstattung und die Wurzel der Vorsorge

Je mehr neutrale Informationen die Kommunikation uns zum Lernen und damit zum Verstehen liefert, desto besser sind wir in der Lage für unser Leben Vorsorge zu betreiben. Zusammenhänge zu verstehen erhöht unsere Fähigkeit Menschen, Dinge und Situationen in ihrer Entwicklung besser einschätzen zu können und unser Handeln danach auszurichten.

Misstrauen

Es entsteht, wenn wir in der Kommunikation Propaganda, PR und neutrale, rein informative Berichterstattung nicht mehr voneinander unterscheiden können. Was von dem was man hört, kann man noch glauben, was davon verfolgt eine bestimmte Strategie? Je misstrauischer man wird, desto mehr hat man nur sich selbst und den Erhalt der eigenen Existenz im Blick. Es entsteht die „Erst ich – dann die anderen“- Mentalität.

…Und was bedeutet das jetzt? Egal ob es wir, die Politik, die Medien oder die Presse sind. Wer Angst, Unsicherheit und Misstrauen mit seiner Kommunikation bedient, nährt den Hass. Wie leicht das gehen kann, glaubt man kaum. Wenn man schreibt oder sagt: „Ein 50-jähriger Mann hat in der Stadt XY einen 40-jährigen Mann erstochen“, ist das Berichterstattung. Wenn man schreibt: „Ein 50-jähriger Flüchtling hat in der Stadt XY einen 40-jährigen Deutschen erstochen“, ist das Öffentlichkeitsarbeit und wenn man schreibt: „Ein 50-jähriger Flüchtling hat in der Stadt XY einen 40-jährigen Polizisten in Zivil erstochen“, dann ist das Propaganda.

Tja, verschrieben oder versprochen hat man sich schnell und das liegt nicht immer nur an der Rechtschreibung oder einer lockeren Zunge…

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Ein evolutionärer Gedanke

Versteh` einer die Menschen. Seit Ewigkeiten beschäftigen sie sich mit der Erforschung der Entwicklung des Affen zum Menschen. Dabei brüsten sie sich, wie viel mehr an Hirnleistung sie gegenüber den sogenannten Primaten haben, nur um sich kurz darauf wie selbstverständlich zum Affen zu machen. Von wegen, der Storch bringt die Kinder! … Pffhhh …! Da stimmt doch was nicht mit der Evolutionsgeschichte.

Nehmen wir doch mal mein Frauchen. Sie prahlt zwar nicht damit, wie klug sie ist, aber sie beweist mir in unserem alltäglichen Zusammenleben immer wieder, wie groß ihr Gedächtnisspeicher ist. Mit der Präzision eines Computers kann sie mir detailgenau rezitieren, wann, wo und wie ich was wie oft gemacht habe. Selbst Ereignisse, die schon Jahre zurückliegen, serviert sie mir bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in allen Einzelheiten. So etwas kann sich doch wohl kaum aus einem Primatenhirn entwickeln, oder?

Meine verzweifelte Suche in Frauchens Porzellanschrank brachte mir zwar meine vermisste Gummispinne nicht wieder, aber mich der dabei mit lautem Getöse in tausend Stücke zersprungene Teller auf eine bahnbrechende Theorie. Was, wenn die Evolution einen kleinen Abstecher in die Familie der Elefanten gemacht hat? Bliebe nur die Frage, wie ich, im Gegensatz zu der für mein Frauchen positiven Auswirkung in Form eines Elefantengedächtnisses, aus meiner Elefantennummer mit dem Porzellanladen wieder rauskomme. Frauchen nahm nämlich den zerbrochenen Teller dankbar zum Anlass, mir mal wieder die Kosten und den Aufwand, die ich durch meine Existenz jeden Monat verursache, präzise aufzulisten: „Milch, Futter, Katzenstreu, Streicheleinheiten, Waschmittel, Putzmittel, Wandfarbe, Katzenkörbe…“ Eine nicht enden wollende Liste …grrr…

Doch dank eines in letzter Sekunde auftauchenden Artikels konnte ich Frauchen ein paar neue Fakten zur Abspeicherung in ihr Superhirn geben. So benötigt ein waschechtes Elefantenkind, um zu überleben, eine rund um die Uhr Betreuung. Seine monatlichen Pflegekosten liegen bei ca. 750 Euro, und zählt man die notwendigen Unterhaltskosten noch mit dazu, kommt man im Jahr auf runde 150.000 Euro, die Kosten für die benötigten Nerven noch nicht mitgerechnet!

Frauchen räumte nach einem gründlichen Datenvergleich ein, dass ich in Anbetracht dieser Sichtweise ein noch relativ günstiger Vertreter meiner Art sei. Seither mäkelt sie nicht mehr an meinem halben Liter Milch herum, den ich täglich zu trinken pflege. Schließlich steht er ja in keinem Verhältnis zu den 30 Litern, die ein Elefantenbaby am Tag verschlingt.

Allerdings frage ich mich, was Frauchen damit meint, wenn sie mit einem sündhaft teuren Kleid statt mit einer neuen Gummispinne für mich vom Einkaufen nach Hause kommt und meinen fragenden Blick nach dem „Was soll das?“ mit einer Gegenfrage beantwortet: „Wie viel, glaubst du, kostet ein großer Elefant?“

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater

Künstler haben`s schwer

Haben Sie auch so einen Kunstbanausen zu Hause sitzen? Na, dann kennen Sie ja vielleicht den Zustand, wenn Sie durch Einsatz Ihrer ganzen Fantasie ein monumentales Meisterwerk geschaffen haben und von Ihren Lieben am Ende doch nur Hohn und Spott ernten.

Lernen Sie es mit Fassung zu ertragen, denn all das ist nichts gegen die Gardinenpredigt, die ich immer nach einer meiner künstlerischen Schaffensphasen von meinem Frauchen zu hören kriege. Die Gute hat absolut keinen blassen Schimmer von Kunst …pfhhh …

Persönlich zähle ich mich mit meiner künstlerischen Ausdrucksform zu der kleinen Gruppe der elementaren Fragmentisten. Schließlich ist es in der Kunst wie im Leben – mit dem Wesentlichen viel erreichen. So entstand neulich, mit wenigen Kratzern an der Tapete im Flur, eine exakte Kopie des Bullenschädels, den Frauchen als Abwehr von bösen Geistern gegenüber der Eingangstür aufgehängt hat.

(„Bullenschädel“ – Herr Cater ART)

Doch anstatt vor Begeisterung in Ekstase zu geraten, packte mich Frauchen recht unsanft am Kragen und faselte was von Vandalismus und Respektlosigkeit vor dem Eigentum anderer.

(„Pferdekopf“ – Herr Cater ART)

So ging es mir auch mit meiner „liegenden Katze“ an der Wand neben der Badtür und dem „Pferdekopf“ auf der Schlafzimmertapete …grrr … Was genug ist, ist genug!

Doch Gott sei Dank gibt es auch für meiner einer Experten. Nach langer Suche in Frauchens Bücherregal fand ich endlich die Bibel für uns Katzenkünstler – „Warum Katzen malen“, von Heather Busch und Burton Silver.

Nachdem ich Frauchen das Buch ein paarmal vor die Füße geschoben habe, begann sie langsam zu verstehen. Na ja, ich muss zugeben, es waren weniger die darin abgebildeten Arbeiten als die kleine Bemerkung am Rande, was den Amerikanern solche Kunstwerke wert sind, die sie neugierig machte. Aber was soll`s. Hauptsache, sie fängt allmählich an, meine Wandkratzer als das zu betrachten, was sie sind – nämlich Kunst.

Den Bullenschädel und den Pferdekopf hat sie nach zwei Tagen ständigen Betrachtens schneller erkannt, als ich erwartet hatte. Mit meinem Katzenbild tat sie sich etwas schwerer.

Und dann überrascht mich Frauchen doch immer wieder. Zwar hat sie nicht die geringste Ahnung, was mein Panorama auf der anderen Seite des Flurs darstellen soll, doch vorsorglich hat sie schon mal einen schönen Rahmen vom Einkaufen dafür mitgebracht – wenn`s Geld bringt?!

Am besten, Sie machen das bei sich zu Hause auch so mit Ihrem kleinen großen Künstler. Statt sich aufzuregen, umgeben Sie das Meisterwerk einfach mit einem schönen Rahmen. Schließlich weiß man ja nie, wann der nächste Amerikaner bei einem vorbeischaut.

In diesem Sinne,

Euer Herr Cater